Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw bleibt beim "Minimumziel" EM-Halbfinale 2021. "Wenn wir zum Turnier fahren, ist immer das Ziel, dass wir so weit wie möglich kommen", sagte der 60-Jährige in der ARD nach dem 3:3 am Dienstagabend in der Nations League gegen die Schweiz. Die DFB-Auswahl habe "echt Potenzial, wenn wir da ein paar Dinge korrigieren, können wir uns darauf freuen".

Gegen die Schweiz habe Löw eine "sehr, sehr gute Moral" gesehen. "Dass wir immer wieder die Rückstände egalisiert haben, war sicherlich positiv." Die deutsche Mannschaft habe "bewusst viel riskiert". Mario Gavranovic (5. und 57. Minute) und Remo Freuler (26.) trafen für die Schweiz. Timo Werner verkürzte noch vor der Pause (28.), dann trafen Kai Havertz (55.) und Serge Gnabry (60.). "Das zeigt, dass die Mannschaft unbedingt will", sagte Löw. "Und ein paar Fehler, ja, das gehört manchmal zum Prozess. Da kann man auch gestärkt hervorgehen."

Kapitän Manuel Neuer war freilich nicht gänzlich zufrieden: "Wir haben eindeutig zu viele Gegentore kassiert". Die Mannschaft habe sich aber "gefangen" zum Ende des Spiels. Jubilar Toni Kroos sagte nach seinem 100. Länderspiel: "Das erste und das dritte Tor, da haben wir schon sehr mitgeholfen. Unser Problem war die erste Viertelstunde. Danach haben wir ein gutes Spiel gemacht. Der zum FC Chelsea gewechselte Havertz meinte: "Wir sind nach vielen Rückschlägen immer zurückgekommen, haben eine gute Moral gezeigt." Die Mannschaft brauche aber noch etwas Geduld. "Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen und werden es weiter versuchen", sagte Havertz. Josuha Kimmich äußerte: "Es war nicht alles super, ich will das auch nicht schönreden, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung."

Kroatien will ersten Sieg gegen Frankreich

Schon heute Abend steigen in der Nations League weitere Gustostückerl: Kroatien sehnt etwa in der Neuauflage des jüngsten WM-Finales von Moskau gegen Frankreich den Premierenerfolg gegen Le Bleus herbei. Sieben Vergleiche zwischen den beiden Nationen gab es bisher, die Franzosen sind bei fünf Siegen und zwei Remis noch unbesiegt. Sie könnten dem Vizeweltmeister heute (20.45 Uhr/Dazn) in Zagreb nun auch in der Nations League eine empfindliche Niederlage zufügen.

Dem 4:2 im WM-Endspiel 2018 ließen Kylian Mbappe und Co. Anfang September ein 4:2 im Nations-League-Heimspiel folgen. Die Kroaten schafften in der Gruppe erst am vergangenen Wochenende im dritten Spiel den ersten Triumph. Nach dem 2:1-Sieg gegen Schweden dank des Siegestores des formstarken Andrej Kramaric unterstrich Teamchef Zlatko Dalic die Bedeutung des Dreiers: "Wir würden gerne auf dem Top-Level der Nations League bleiben. Das ist unser Ziel."

Zumindest das noch punktelose Schlusslicht Schweden ist nun einmal distanziert. Im Duell der Top-Nationen der Gruppe trennten sich Portugal und Frankreich zuletzt in Paris mit einem unspektakulären 0:0. Erstmals seit zehn Länderspielen gelang dem Weltmeister kein Tor. Didier Deschamps war aber nicht beunruhigt. "Wir können es immer besser machen. Aber angesichts der Qualität des Gegners haben wir Vorsichtsmaßnahmen getroffen", betonte der Weltmeister-Coach.

Im Parallelspiel trifft Portugal in Lissabon auf Schweden. In einem weiteren Schlager gastieren die Niederlande in Bergamo bei Italiens Elf. Die Partie wurde bewusst in der von der Corona-Pandemie besonders hart getroffenen Stadt angesetzt. Zuletzt hatte die "Squadra Azzurra" 2006 in Bergamo gespielt.

Der niederländische Bondscoach Frank de Boer hofft auf den ersten Sieg und ein erstes Tor seit seiner Bestellung. Bisher gab es unter seiner Schirmherrschaft eine Heimniederlage gegen Mexiko (0:1) und zuletzt ein 0:0 in der Nations League in Bosnien-Herzegowina. Eine weiterer Rückschlag würde die kritischen Stimmen in den Niederlanden nicht verstummen lassen. Das Hinspiel gewann Italien in Amsterdam mit 1:0, zuletzt musste sich die Elf von Trainer Roberto Mancini mit einem torlosen Remis in Polen begnügen. Immerhin sind die in der Gruppe einen Zähler vor Oranje an der Spitze platzierten Azzurri schon 18 Spiele ungeschlagen.