Man hätte am Mittwochabend jede Wette eingehen können, dass das österreichische Nationalteam in Rumänien als Verlierer vom Platz gehen würde. Zwei Lattenschüsse, weitere vergebene Chancen, der Schiedsrichter mit zweifelhaften Entscheidungen gewiss nicht auf Seiten von Rot-Weiß-Rot. In früheren Zeiten, da hätte die ÖFB-Auswahl in der Fremde so ein Spiel höchstwahrscheinlich verloren und dann schicksalträchtig mit Gott und der Welt gehadert. Doch früher ist nicht heute - und daher wäre die Wette klar verloren gegangen. Denn mit einem späten Tor - gut eine Viertelstunde vor Schlusspfiff - schoss sich die Elf von Franco Foda zum Sieg in Nations-League-Gruppe B1 und ließ dabei jedenfalls die Qualität erkennen, als gereiftes Team eine solche Hängepartie am Ende für sich entscheiden zu können.

Wie im Vorjahr, als mit Siegen über Israel und in Slowenien de facto das EM-Ticket gelöst wurde, gibt es damit auch heuer für David Alaba und Co. wieder einen goldenen Oktober mit lauter (knappen) Siegen: Dem 2:1 über Griechenland folgten die 1:0-Auswärtserfolge in Nordirland sowie am Mittwoch in Ploiesti.

Das Goldtor von Alessandro Schöpf (75.) könnte in der Nations League tatsächlich noch Goldes wert werden. Nun reichen in den abschließenden Heimspielen im November im Prater ein Sieg gegen die Nordiren sowie ein Remis gegen die Norweger, um den Aufstieg in die lukrative A-Liga zu schaffen. Dort würden dann bei der nächsten Auflage - wahrscheinlich im Vorfeld der WM 2022 in Katar - prestigeträchtige Duelle gegen Spitzennationen wie Deutschland, Frankreich, Portugal, England oder Belgien warten - dann auch hoffentlich wieder vor zahlungskräftigem Publikum. Außerdem winkt die Teilnahme am Play-off für die WM 2022, sollte diese nicht auf direktem Wege via Qualifikation gelingen.

Teamchef Foda ist freilich keiner, der soweit vorausdenkt. Vielmehr beschäftigte ihn das, was am Mittwoch nicht so gut lief - denn neuerlich wandelte seine Auswahl eine Halbzeit lang entlang einer Pleite. Diesmal vor dem Seitenwechsel: "Da hatten wir im Spielaufbau zu viele einfache Fehler und mussten oft dem Ball hinterherrennen", konstatierte Foda, der darob in der Halbzeit auf eine Dreierkette umstellte. "Danach hatten wir einen besseren Zugriff, waren im Ballbesitz besser und hatten auch mehr Balleroberungen", sagte der Coach, der aber auch zugab, dass man die eine oder andere brenzlige Situation hatte überstehen müssen. "Nach dem Seitenwechsel haben die Rumänen zwei, drei gute Konter schlecht zu Ende gespielt, da hatten wir ein bisschen Glück."

Lücken in der Defensive

Tatsächlich klafften zwischen Defensive und Mittelfeld oft viel zu große Lücken, die die quirligen und technisch starken Rumänen diesmal aber weniger effizient ausnutzen konnten als noch im September bei deren 3:2-Hinspiel-Erfolg in Klagenfurt. Doch diesmal war die Foda-Elf die zwingendere und letztlich auch glücklichere Mannschaft: "Der Sieg war aufgrund der Tormöglichkeiten nicht unverdient", bilanzierte der Mainzer.

Sonderlob gab es bei für seinen Goldtorschützen, bei dem auch Foda ein glückliches Händchen bewies, indem er ihn als einzigen Spieler im Vergleich zur Nordirland-Partie in die Startformation hievte. "Er hat über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht, vor allem in der zweiten Hälfte. Das Tor war wunderschön", sagte er nach Spielschluss Richtung Schöpf. Der 26-jährige Tiroler trifft zwar nicht rasend oft für sein Land - 5Tore bei 24 Einsätzen -, wenn, dann jubelt er aber meist über wichtige Treffer. Unvergessen etwa sein Tor zum 2:1-Sieg am 2. Juni 2018 in Klagenfurt gegen Deutschland, das den ersten Sieg über den großen Nachbarn seit 32 Jahren bescherte. Drei Tage zuvor hatte der Offensivmann das ÖFB-Team zu einem 1:0-Erfolg über den späteren WM-Viertelfinalisten Russland geschossen. Und auch auf der großen Bühne scorte Schöpf schon - wenngleich der 1:1-Ausgleich bei der EM-Endrunde 2016 gegen Island in St. Denis nicht mehr auf die Siegerstraße führte.

Schöpf: "Freude fürs Team"

Seither machte er alle Höhen und Tiefen eines Fußballprofis durch: Verletzungspech, Verlust des Stammplatzes beim Krisenklub Schalke 04, zuletzt auch eine Covid-Infektion. In der Stunde dieses persönlichen Erfolgs blieb er aber bescheiden: "Ich freue mich für die Mannschaft", sagte der Mann aus Umhausen. Nachsatz: "Der Sieg war aufgrund der zweiten Hälfte verdient."(may)