Wenn in Wals-Siezenheim heute, Mittwoch (18.55 Uhr/Sky), wieder die legendäre Champions-League-Hymne erklingt, werden manche wohl wehmütig an den denkwürdigen Auftakt im Vorjahr zurückdenken. Damals - am 17. September 2019 - deklassierte eine furios aufspielende Salzburg-Elf den belgischen Königklassenvertreter aus Genk mit 6:2 - nicht unerwähnt bleiben darf, dass in diesem Match der Stern eines gewissen Erling Haaland aufging, der allein drei Treffer scorte. Ein derartiges Tollhaus kann und darf es nun zur Ouvertüre gegen Lokomotive Moskau freilich nicht geben - die aktuellen und ab Freitag nochmals verschärften Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung erlauben statt 30.000 Fans nur noch 3.000. Beim Gastspiel gegen den aktuellen Champion Bayern München am 3. November spielen Dominik Szoboszlai und Co. dann gar nur noch vor 1.500 Zuschauern. Eine wahre Gruselatmosphäre knapp nach Halloween.

Womit Salzburg-Coach Jesse Marsch auch den in den vergangenen Jahren so kultivierten Geist der Bullen-Arena, der auf europäischer Ebene schon zu zahlreichen Großtaten beigetragen hat, diesmal nicht beschwören konnte. (Die abgelaufene ersten Fußball-Festspielsaison in der Red-Bull-Ära gipfelte im finalen Kräftemessen mit dem damaligen Titelträger Liverpool FC - das bittere Heim-0:2 brachte das Salzburger Aus.) Das Atmosphärische überließ der US-Amerikaner daher am Dienstag gleich seinen Spielern: "Die Spiele in der kommenden sind mit denen der vergangenen Saison sicher nicht zu vergleichen. Damals konnten wir allein aus den vielen Zuschauern, aus der tollen Stimmung bei uns im Stadion viel Kraft und Energie schöpfen", meinte Spielmacher Zlatko Junuzovic, der aber gewiss keinen Heim-Nachteil erkennen kann. "Dass wir uns auf derartige Spiele gut einstellen können, haben wir in der Meisterschaft gezeigt." Verteidiger Maximilian Wöber findet die mickrige Kulisse naturgemäß schade, aber: "Die Motivation und Vorfreude ist genauso hoch wie letztes Jahr, es ist wieder was Besonderes."

Lok "athletisch-kämpferisch"

Um das diesjährige Ziel - laut Marsch "die Gruppe schaffen" - zu erreichen, braucht es gegen den russischen Vizemeister wohl drei Punkte, immerhin wartet kommende Woche in Madrid mit Atlético das erste Kaliber. Realistischer dürfte wohl wie im Vorjahr Gruppenrang drei und damit der Umstieg in die Europa League sein, womit dem direkten Duell mit dem vermeintlich schwächsten Konkurrenten große Bedeutung zukommt. Marsch will jedenfalls im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung im Abwehrverhalten sehen: "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir besser verteidigen. Wir haben im Vorjahr viele Tore gemacht, aber zu viele kassiert." (Am Ende stand ein Torverhältnis von 16:13).

Das Salzburger Team hat die zehntägige Quarantäne nach Corona-Fällen unter anderem mit ausgiebigem Videostudium verbracht. "Wir kennen Lok in- und auswendig", meinte Wöber. "Wir wissen alle Stärken, ihre offensiven Qualitäten, dass sie sehr viel über die Flanken spielen. Wir kennen alle Schwachpunkte, wo wir ihnen sehr wehtun können und umgekehrt, wo sie uns verletzen können."

Dennoch erwartet der Ex-Lok-Co-Trainer und nunmehrige Sky-Experte Alfred Tatar eine "zähe Angelegenheit" für den Serienmeister. Der Eisenbahner-Klub sei eine kompakte Truppe: "Diszipliniert, organisiert und athletisch-kämpferisch", so Tatar.