Vergiss die Champions League! Sowohl der SK Rapid (Aus in der Qualifikation), als auch der LASK (lange auf Meisterkurs) durften heuer von der Königsklasse träumen - geworden ist es wieder einmal "nur" die Europa League. Doch die Losfee bescherte beiden Klubs Gegner von Champions-League-Format, die es gleich zum Auftakt zu fordern gilt - mit Arsenal und Tottenham zugleich zwei Kultklubs, die (zusammen mit Chelsea) erbitterte Rivalen um die Vorherrschaft im Londoner Fußball sind. Ohne Corona-Pandemie wäre das gewiss ein historisches Fest für alle heimischen Fußballfans.

Schauplatz Hütteldorf: Doch so dürfen nur 3.000 Fans die Grün-Weißen zum möglichen Sieg über den 13-fachen englischen Meister peitschen (18.55 Uhr/Puls 4). Dass dies nicht gar so abwegig ist, beweisen die beiden bisher letzten Duelle mit einem Premier-League-Vertreter - so konnte Rapid 2009 und 2010 gleich zwei Mal Aston Villa eliminieren. Seither haben sich die finanziellen Kräfteverhältnisse aber noch mehr Richtung Insel verlagert, dennoch rechnet sich Rapid-Coach Didi Kühbauer gegen den amtierenden FA-Cup-Sieger - Marktwert: 632 Millionen Euro - etwas aus: "Geld schießt zwar keine Tore, aber es ist leichter, Tore zu schießen", sagte Kühbauer, der von einem "sehr, sehr attraktiven Gegner" sprach: "Wir müssen auf einem sehr, sehr guten Niveau spielen, damit wir dann irgendwas erben können." Nachsatz: "Wir wollen überraschen und werden alles reinhauen."

Nur marginal leichter dürfte die Sache machen, dass Gunners-Manager Mikel Arteta wohl mit Blick auf das Heimspiel gegen Leicester stark rotieren lässt und darob der eine oder andere Star - Pierre-Emerick Aubameyang, David Luiz, Granit Xhaka, Willian - vielleicht gar nicht den Hütteldorfer Rasen betreten wird. Für Kühbauer macht das aber wenig Unterschied: "Es sind andere Namen, aber die Spielanlage nicht. Wir wissen, was sie vorhaben, wie sie spielen wollen, das ist das Entscheidende", beteuerte der 49-Jährige. Der Weg zum Punkt(e)gewinn gegen den Tabellenfünften liege aber nicht nur im Defensivverhalten: "Wir müssen versuchen, ihre Wege zu stören, nur verteidigen, das wird zu wenig sein."

Schauplatz White Hart Lane: Das Tottenham-Stadium, wie die hypermoderne neue Spielstätte der Spurs nunmehr heißt, wird am Donnerstag (21 Uhr/Dazn) gleich gar keine Fans beherbergen. Damit bleibt dem LASK in dieser Hinsicht das Pech treu, zumal schon die vorangegangenen Achtelfinal-Duelle gegen Manchester United (März und August) - veritable Highlights in der Klubhistorie - vor leeren Rängen stattfinden mussten. Gelingt ein ähnlich frecher Auftritt wie jüngst in Old Trafford (1:2-Niederlage in letzter Sekunde), könnte man aber auch den zweifachen Meister überraschen. "Wir sind der Underdog. Aber auch der Underdog hat schon Überraschungen geschafft", sagte LASK-Trainer Dominik Thalhammer vor dem Abflug nach London.

Der Vorjahres-Finalist der Champions League verfügt sogar über noch klingendere Namen als der Stadtrivale sowie über einen teureren Kader (Marktwert: 740 Millionen). Zudem wird die Truppe um Three-Lions-Kapitän Harry Kane, Heimkehrer Gareth Bale, Flügelstürmer Son Heung-min sowie Weltmeister-GoalieHugo Lloris von einem der schillernsten Trainer angeführt: Jose Mourinho. Zuletzt führte der Portugiese seine Elf zu einem denkwürdigen 6:1-Triumph in Old Trafford, aktuell bekleiden die Spurs Tabellenrang sieben. "Man schaut ihnen ständig auf die Beine. Es ist eine Ehre, gegen sie zu spielen", meinte Neo-ÖFB-Teamspieler Reinhold Ranftl.

Sein Chefcoach freut sich auch auf die Bekanntschaft von Mourinho: "Es ist eine große Herausforderung, so einen Trainer zu lesen und zu verstehen, wie er in unterschiedlichen Situationen taktisch agiert. Das haben wir versucht - und damit auch versucht, unsere Chancen zu erhöhen." Er baut auch auf die Erfahrung des 4:1-Erfolgs im Play-off gegen Sporting: "Wir müssen mit ähnlich viel Mut wie in Lissabon spielen. Sich zurückzuziehen ist das falsche Rezept." Wie bei Rapid gab es im Vorfeld einen positiven Corona-Test eines Nicht-Europacup-Akteurs - der Rest der LASK-Elf blieb aber negativ.