Am Ende reichten fünf Minuten und zwei Unsicherheiten für den Sieg des haushohen Favoriten von der Premier League aus - was die Sache für einen kampf- und spielstarken SK Rapid wohl noch bitterer macht. Oder wie sprach Coach Didi Kühbauer nach der 1:2-Heimniederlage gegen Arsenal London im Auftaktmatch der Europa-League-Gruppe B? "Es ist schade. Wir hätten uns definitiv ein X verdient, und möglicherweise wäre sogar ein Sieg von uns gerecht gewesen." Erst recht, wenn man bedenkt, dass den Hütteldorfern ein klarer Hands-Elfmeter verwehrt worden war und die mitunter sehr rustikal agierenden Gunners eigentlich zu zehnt hätten zu Ende spielen müssen.

So steht die Null in der Tabelle und die erste Heimniederlage in der Europa League seit Oktober 2012 - nach 13 Partien ungeschlagen. "Die Leistung war auf einem unglaublich hohen Niveau, leider haben wir uns nicht belohnt", resümierte Kühbauer. Den Spielern ging es genauso. "Wir können zufrieden sein, stehen aber mit null Punkten da", sagte Abwehrspieler Maximilian Hofmann. Kommende Woche steigt damit schon ein Schlüsselspiel um den Gruppenaufstieg, geht es doch zum norwegischen Meister Molde, der bei Dundalk 2:1 siegte.

Kann dort an die Leistung vom Donnerstag angeschlossen werden, braucht man sich um den heimischen Vizemeister aber keine Sorgen zu machen: Denn schon zur Halbzeit hätte Rapid gegen das Starensemble des FA-Cup-Siegers die Führung verdient gehabt; schließlich wurde das aggressive und freche Spiel nach vorne dank eines Patzers von Goalie Bernd Leno belohnt. Taxiarchis Fountas verwertete einen abgefangenen Abschlag zur Führung (51.). Spätestens mit der Einwechslung von Topstürmer Pierre-Emerick Aubameyang in der 61. Minute machten die Londoner allerdings ernst und drückten die Grün-Weißen in die eigene Hälfte: Der Ausgleich durch einen Kopfball von David Luiz (70.) war eine Frage der Zeit, wiewohl Tormann Richard Strebinger besser seinen Kasten nicht verlassen hätte; der Siegtreffer durch Aubameyang die logische Folge der kurzfristigen Konfusion unmittelbar vor der Rapid-Viertelstunde. Eine kurze Tempoverschärfung, gepaart mit höherer Klasse und Cleverness reichten Arsenal so zum Erfolg: "Sie haben innerhalb von fünf Minuten das Spiel auf den Kopf gestellt, das ist auch eine Qualität einer Mannschaft", so Kühbauer.

Im Gegensatz zu Rapid konnte der LASK bei seinem Duell mit dem Londoner Großklub Tottenham das Tempo von Anfang an nicht mitgehen. Die sonst im Europacup so auswärtsstarken Linzer Athletiker hatten beim 0:3 mit der Elf von Jose Mourinho ihre liebe Not und waren wohl froh, dass die Spurs nach dem Seitenwechsel einen Gang zurückschalteten. "Von der Aggressivität und dem Mut her haben wir nicht so ins Spiel gefunden, wie wir uns das vorgenommen hatten, nicht so den Druck gegen den Ball ausgeübt, wie wir es wollten", stellte Coach Dominic Thalhammer fest, der aber auch erkannte: "Das ist eigentlich eine Champions-League-Mannschaft."

Hinzu gesellte sich im verwaisten Tottenham-Stadium ordentliches Verletzungspech: Mit James Holland (Wade/Auswechslung in der 5. Minute), Rene Renner (39./nach Zusammenstoß) und Andres Andrade (Pause/Übelkeit) mussten drei Stammkräfte früh vom Platz. Bei allen drei Gegentoren von Lucas Moura (18.), dem Eigentor Andrades (27.) und von Son Heung-min (84.) war die Abwehr mit der Schnelligkeit und Präzision der Aktionen der Spurs überfordert. Demgegenüber war vom gewohnten LASK-Pressing rein gar nichts zu erkennen.

WAC-Punkt auf "Waldboden"

Immerhin gelang es noch dem WAC, an diesem ernüchternden Europacup-Abend ein kleines Erfolgserlebnis in Rot-Weiß-Rot einzufahren. Die Kärntner erreichten im Heimspiel gegen den russischen Spitzenklub ZSKA Moskau ein hochverdientes 1:1. Den frühen Rückstand durch Adolfo Gaich (5.) egalisierte Kapitän Michael Liendl per Penalty (42.). Massive Kritik gab es allerdings am Rasen im Wörthersee-Stadion, der offenbar nach dem Kunstprojekt "For Forest" mit 299 eingepflanzten Bäumen nicht in ursprünglicher Qualität wiederhergestellt worden war. Man habe "vergessen, nach den Bäumen einen Rasen hinzulegen", ätzte etwa WAC-Verteidiger Michael Novak.(may)