David Alaba ist ein echter Münchner Bursch, oder fast zumindest. Er zeigt sich gerne in Ledertracht am Oktoberfest, hat zehn Jahre für den FC Bayern gespielt und ist mit neun deutschen Meistertiteln in der ewigen Bestenliste gemeinsam mit seinem Klubkollegen Thomas Müller und Frack Ribéry unübertroffen. Auch beim 6:2-Erfolg der Bayern gegen Red Bull Salzburg im Champions-League-Spiel am Dienstag, der dem österreichischen Meister den Sprung ins Achtelfinale nun praktisch verunmöglicht, zeigte der 28-Jährige seine Qualitäten in der Verteidigung. Doch David Alaba ist nicht nur ein Münchner Bursch, er ist an sich Wiener - die Mutter von den Philippinen, Vater George aus Nigeria und engagiert im Kampf gegen Rassismus - und allen voran einer von Europas Spitzenfußballern, der möglicherweise noch eine neue Herausforderung sucht. Und als einer von Österreichs wesentlichsten Leistungsträgern im Nationalteam steht seine Zukunft nicht nur im deutschen Blätterwald, sondern auch hierzulande besonders im Fokus. Bis 2021 hat er noch einen Vertrag beim FC Bayern, die Verhandlungen über eine vorzeitige Verlängerung sind bisher aber gescheitert.

Es waren Szenen einer Entfremdung, die man in den vergangenen Wochen und Monaten, über die sich die Gespräche nun schon hinziehen, beobachten konnte. Beide Seiten beklagten Desinformationen und wechselseitige Vorwürfe, just vor dem Champions-League-Spiel gegen Salzburg sagte zunächst Bayern-Präsident Herbert Hainer, man habe das Angebot für eine Vertragsverlängerung zurückgezogen, danach legte Sportchef Hasan Salihamidzic nach: "Ich weiß nicht mehr, wie wir zusammenkommen können." Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bemühte sich zwar um Beschwichtigung, es blieb aber - eben - bei den Bemühungen. "Ich glaube, wir ticken hier alle im Verein gleich: Wir möchten alle, dass David bleibt. Er ist ein wunderbarer Mensch und ein Top-Spieler", sagte Rummenigge, betonte aber zugleich, dass der Ball nun bei Alaba liege. "Wir drehen uns seit Monaten im Kreis. Und irgendwann müssen wir die Planung für die neue Saison angehen, müssen wir wissen: Wird David beim FC Bayern bleiben oder nicht?"

Im Sommer kann Alaba ablösefrei ziehen

Es ist eine Frage, die auch die deutsche Medienlandschaft beschäftigt. Die "Bild" schrieb angesichts des Verlusts Alabas von einem "Super-GAU". Tatsächlich kann der Champions-League-Sieger einen solchen rein sportlich wohl verkraften - wenngleich Alaba sowohl als Linksverteidiger mit Zug zum Tor als auch als Innenverteidiger und im Mittelfeld, als "Zehner", eingesetzt werden kann und daher Allrounder-Qualitäten aufweist, die nicht viele haben. Wirtschaftlich sind die Bayern aber in einer schwierigen Position. Wird der Marktwert Alabas auf transfermarkt.de aktuell mit 65 Millionen Euro angegeben, könnte er im kommenden Sommer ablösefrei ziehen.

Allerdings pokert auch er hoch. Denn angesichts der Coronavirus-Pandemie und der Einbußen, die nahezu alle Topklubs derzeit hinnehmen müssen, ist längst nicht gesichert, dass ein Verein bereit wäre, jene rund 15 Millionen Euro, die er kolportiertermaßen aktuell bei den Bayern verdient, an Gehalt auszuzahlen. Zudem gibt es Gerüchte, wonach Alaba einen Fixplatz im Mittelfeld quasi einfordert. Er selbst beschwerte sich zuletzt immer häufiger über Spekulationen und (Halb-)Informationen. Doch der Weg zu endgültiger Klarheit wird wohl nur über ihn führen - auch wenn Hainer und Salihamidzic zuletzt einen deutlichen Schritt in die Richtung unternommen haben.