Der Tag nach dem eher bedeutungslosen Testspiel in Luxemburg wird für Teamchef Franco Foda ein ganz wichtiger. Denn um 18 Uhr (live Dazn) duellieren sich am Donnerstag in Tiflis Georgien und Nordmazedonien um eine der letzten vier Fahrkarten zur EM-Endrunde im kommenden Jahr - und weil der Sieger dieser Partie Österreichs Gruppe-C-Auftaktgegner am 13.Juni sein wird, ist dies gewiss ein Pflichttermin für den Nationaltrainer vor den beiden Nations-League-Heimaufgaben gegen Nordirland und Norwegen.

Für beide Mannschaften ist dieses Match ohne Übertreibung das bedeutendste in der (zugegeben noch jungen) Verbandsgeschichte, waren doch die zwei Nationen noch nie bei einem Endrundenturnier vertreten. Möglich macht diese Chance auf das große Fußball-Los übrigens die vor zwei Jahren erstmals ausgetragene Nations League, die nach einer Überlegung von Ex-Uefa-Boss Michel Platini einem Vertreter aus dem (schwächsten) D-Pool ein EM-Ticket bescheren sollte. Georgien und Nordmazedonien katapultierten sich mit dem Gruppensieg und anschließend knappen Erfolgen über die zwei weiteren Gruppensieger Weißrussland (0:1 in Georgien) sowie Kosovo (1:2 in Nordmazedonien) in diese verheißungsvolle Position.

Einen klaren Favoriten gibt es dabei nicht wirklich, gut möglich sogar, dass die EM-Teilnahme im Elfmeterschießen entschieden wird. Im Herbst standen beide Teams einander bereits zwei Mal in der aktuellen Nations League gegenüber - einem 1:1 in Tiflis im September folgte ein ebenso ausgeglichenes 1:1 in Skopje erst Mitte Oktober. Für Georgiens Otar Kiteishvili von Sturm endete das Spiel schon nach wenigen Minuten, der Spielgestalter arbeitet nach einem Muskelbündelriss derzeit am Comeback, ein Einsatz ist daher nicht möglich. Die Nordmazedonier, die nach wie vor auf die Künste des 37-jährigen Altstars Goran Pandev mit Lazio- und Inter-Vergangenheit vertrauen, sind für die ÖFB-Elf bekanntlich keine Unbekannte. Die Balkan-Kicker beendeten die Gruppenphase der EM-Qualifikation hinter Polen und Österreich auf Rang drei. Dem 4:1-Auswärtssieg der Foda-Elf folgte vor fast genau einem Jahr der umjubelte 2:1-Heimsieg samt kleiner EM-Party für die erfolgreiche rot-weiß-rote Qualifikation.

Ungarn um große EM-Duelle

Eine solche EM-Party soll am Donnerstag (20.45 Uhr/Dazn) auch bei Nachbar Ungarn über die Bühne gehen, das in der neuen Budapester Puskas-Arena um die Teilnahme an der Heim-EM kämpft - es winken den Magyaren nichts Geringeres als zwei Heimduelle gegen den Weltmeister (Frankreich) sowie den Europameister (Portugal); zum Drüberstreuen ginge es in der extrem starken Gruppe F auch noch in München gegen Deutschland. Zuvor muss allerdings noch das Sensationsteam der Euro 2016, Island, aus dem Weg geräumt werden. Umso wichtiger war für die Ungarn, dass Salzburgs Spielmacher Dominik Szoboszlai in seine Heimat reisen durfte, trotz zwischenzeitlicher Mannschaftsquarantäne nach einiger positiver Tests (die am Montag wieder negativ ausfielen). "Wir sind ein Spiel davon entfernt, uns für die EM zu qualifizieren. Es war in der Vergangenheit oft der Fall, dass am Ende nur ein Schritt gefehlt hat. Ich will nicht, dass das passiert", sagte der 20-Jährige, der das Play-off-Halbfinale in Bulgarien (1:3) Corona-bedingt verpasst hatte. Vor dem Fernseher zusehen muss dafür Ungarns italienischer Teamchef Marco Rossi, der ein positives Testergebnis abgeliefert hatte. Fan-Unterstützung wird es übrigens keine geben: Nicht einmal Fußball-Fan Viktor Orban gewährte eine Ausnahme, weshalb es statt der eigentlich geplanten 18.000 Besucher geschlossene Tore geben wird.

Flucht der Serben-Stars

Corona sorgte auch vor dem Duell zwischen Serbien und Schottland für Chaos: Wegen des Lockdowns samt Reisebeschränkungen in Italien wollten etliche Stars des serbischen Teams überstürzt mit Privatjets in die Heimat gelangen - Inter Mailands Aleksandar Kolarov, Lazios Sergej Milinkovic-Savic sowie den beiden Fiorentina-Spieler Nikola Milenkovic und Dusan Vlahovic ist dies offenbar gelungen. Wer es sonst noch auf den Spielbericht geschafft hat, wird sich erst weisen - ebenso, ob und welche Konsequenzen die italienischen Behörden für derlei Aktionen parat haben.

Beide Nationen erwartet im Erfolgsfall jedenfalls ein besonderes Prestigeduell: Die Serben bekämen es in Gruppe C mit Kroatien zu tun, wo auch noch England wartet - also der Erzfeind der seit 1998 auf eine Endrundenteilnahme wartenden Schotten.