Um erahnen zu können, was da am Mittwochabend (20.45 Uhr/ORF 1) im schaurig-leeren Ernst-Happel-Stadion auf Österreichs Fußballteam zukommt, lohnt sich ein Blick in die Nachbarschaft. Eine Corona-bedingte Notelf mit kaum A-Team-erfahrenen Spielern - wie sie eben Norwegen nun in Wien aufbieten muss - hat erst Anfang September Tschechien in der Nations-League-Nachbargruppe B2 beim Heimduell gegen Schottland auf den Rasen geschickt: Gleich drei 17-Jährige und nur zwei (Ex-)Teamspieler fanden sich damals im 23-Mann-Kader - dennoch wurden die Schotten mit aufopferndem Einsatz und schnörkellosem Spiel an den Rand einer Blamage gebracht. Nach 1:0-Führung für die jungen Tschechen gingen die Schotten nur dank eines Elfmeters als 2:1-Sieger vom Platz in Olmütz. Das sollte Warnung genug für alle sein, die im Wiener Gruppenfinale um den Aufstieg in die Nations-League-A-Klasse ein besseres Trainingsmatch erkennen wollen.

Dennoch sollte die eingespielte Mannschaft von Franco Foda in der Lage sein, gegen eine zusammengewürfelte No-Name-Truppe das Ziel Gruppensieg souverän nach Hause zu bringen. Schließlich würde sogar eine 0:1-Niederlage reichen, da das Auswärtsduell mit den Norskern mit 2:1 gewonnen wurde und in dem Uefa-Bewerb bei Punktegleichstand das direkte Duell (mit Auswärtstorregel) zählt. Und dank des neuerlich ernüchternden, aber dennoch verdienten 2:1-Erfolgs über Nordirland am Sonntagabend sind die Österreicher in der Tabelle drei Punkte voraus, zumal das Spiel der Norweger in Rumänien nicht stattfinden konnte und wohl mit 3:0 strafverifiziert werden dürfte. Da die Norsker dennoch das bessere Torverhältnis behielten, braucht die Elf von Aushilfsteamchef Leif Gunnar Smerud im Prater also mindestens zwei Treffer - womit sich für die rot-weiß-rote Offensivabteilung mehr Räume ergeben dürften, als gegen die extrem defensiven Nordiren.

Smerud hat am Montag 18 Kicker einberufen, von denen lediglich fünf A-Team-Erfahrung haben. Statt Erling Haaland, der so wie alle seine Teamkollegen wegen eines positiven Corona-Tests eines Spielers von den norwegischen Behörden in Quarantäne geschickt wurde, ist nun der Ex-Rapidler Veton Berisha von Viking Stavanger der bekannteste Akteur. "Es ist ein aufregender Kader. Ich hatte schon viele von ihnen in der U21-Nationalmannschaft und freue mich darauf, sie wiederzusehen", sagte Smerud.

Sein Pendant ist - aus sportlichen Gründen - mit der Situation auch nicht glücklich und hätte sich einen Gegner in Bestbesetzung gewünscht: "Wir nehmen es so, wie es ist, und werden uns bestmöglich vorbereiten. Für uns ist es jetzt einmal wichtig, zu regenerieren und dann alles rauszuhauen, was möglich ist", meinte Foda kurz nach dem Nordirland-Match. Ähnlich äußerte sich am Montag auch China-Rückkehrer Marko Arnautovic, der mit seiner mustergültigen Vorlage großen Anteil am 2:1-Siegtreffer von Adria Grbic (87.) hatte: "Wir müssen darauf schauen, was wir machen wollen. Unser Ziel sind drei Punkte", betonte der Stürmer.

Foda wegen Kritik grantig

Die Kritik am Auftreten gegen die Nordiren kann Foda indes nur teilweise nachvollziehen: "Mittlerweile kann ich es nicht mehr hören", meinte der Deutsche nach dem Schlusspfiff leicht grantig, "es ist einfach schwierig, wenn eine Mannschaft mit zehn Mann hinter dem Ball spielt, die Räume eng macht und aggressiv spielt. Da benötigt man Geduld - und die haben wir auch gehabt." Letztlich habe man die Partie gedreht und (zum fünften Mal in Serie) gewonnen - "und das zählt am Ende des Tages". Augenscheinlich waren freilich auch für ihn das fehlende Tempo, Schlampereien im Passspiel sowie defensive Unzulänglichkeiten wie beim Gegentor durch Josh Magennis (74.), das sieben Minuten später durch einen Abseitstreffer von Louis Schaub egalisiert werden konnte. Angesichts der fordernden Umstände - Pandemie samt dichtem Terminkalender - bat Foda für seine Truppe um Verständnis: "Auch wenn wir besser spielen können, muss man das Gesamtpaket sehen, und was im Moment alles passiert. Da kann man der Mannschaft nichts vorwerfen. Sie hat immer probiert, zu gewinnen, und wurde deshalb auch belohnt."

Gegen Norwegen will auch Arnautovic, der am Sonntag nur auf gut 30 Einsatzminuten kam, sein Können über die volle Distanz zeigen. Er sei "zu 100 Prozent fit" für 90 Minuten, erklärte der 31-jährige Wiener. Nach einjähriger Team-Absenz war er froh über das gelungene Comeback: "Das Erste, was ich empfunden habe, war ein gutes und schönes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen. Meine Aufgabe ist es, alles für die Mannschaft zu geben und ihr zu helfen, und ich denke, das hat gut geklappt."