Business as usual, volle Konzentration auf das eigene Können, möglichst wenig Seitenhiebe auf die kuriosen Begleitumstände: Teamchef Franco Foda versuchte vor einem der ungewöhnlichsten Matche der österreichischen Nationalmannschaft am Mittwochabend (20.45 Uhr/ORF 1, Dazn) sein übliches Programm abzuspulen und vor der Öffentlichkeit erst gar nicht zu viel Beschäftigung mit dem Gegner aufkommen zu lassen. Denn die Norweger reisen bekanntlich nicht mit ihren Stars Erling Haaland und Alexander Sörloth an, sondern Corona-bedingt mit einer zusammengestoppelten Notelf, die noch nie so zusammengespielt hat - und es nie wieder tun wird. Dennoch müsste diese im Ernst-Happel-Stadion höher als 1:0 gewinnen, um die Foda-Elf noch vom ersten Gruppenrang in der Nations League B1 - gleichbedeutend mit dem lukrativen Aufstieg in die A-Liga - zu verstoßen; zusätzlich geht es bei diesem Gruppenfinale auch um eine Hintertür zum Play-off für die WM-Qualifikation 2022.

"Für uns ändert sich nichts an der Ausgangsposition. Wir hatten immer den Plan, das Spiel zu gewinnen. Wir sind Favorit, dementsprechend müssen wir auftreten", meinte der Deutsche, der aber eindringlich davor warnte, die umgekrempelte Auswahl der Skandinavier zu unterschätzen. "Die Neuen spielen alle eine wichtige Rolle bei ihren Vereinen, insofern ist das eine gute Mannschaft", betonte der 54-Jährige.

Foda und sein Betreuerstab waren am Montag damit beschäftigt, die aktuellen norwegischen Teamspieler - der bekannteste ist Ex-Rapidler Veton Berisha - sowie Interimscoach Leif Gunnar Smerud zu analysieren. Der etatmäßige U21-Betreuer setzt laut Foda zumeist auf ein 4-4-2, stellte aber auch schon ein 5-3-2-System auf. Der Fokus liegt jedoch laut dem Teamchef auf der eigenen Stärke. "Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren, auf unser Spiel. Es ist ein Finalspiel, in dem wir noch einmal alles investieren müssen. Natürlich ist es ein außergewöhnliches Match, aber nichtsdestotrotz haben wir ein großes Ziel vor Augen. Jetzt wollen wir auch noch den letzten Schritt gehen", meinte Foda, der zum Nations-League-Auftakt Anfang September die Norsker schon verdient 2:1 besiegen konnte. "Entscheidend ist, dass wir so auftreten wie in Norwegen."

Damals war die A-Garnitur der Norweger im Einsatz, die dennoch überraschend klar entschärft werden konnte. Eine echte Revanche für Haaland und Co. verhinderten nun die norwegischen Gesundheitsbehörden: Denn den ursprünglich nominierten norwegischen Teamspielern wurde wegen eines positiven Corona-Tests von Galatasaray-Profi Omar Elabdellaoui eine zehntägige Quarantäne auferlegt. Daher konnte schon die für Sonntag geplant gewesene Auswärtspartie gegen Rumänien nicht ausgetragen werden, das Spiel dürfte mit 3:0 für die Rumänen gewertet werden. In der Not organisierte der Fußballverband 18 neue Kicker samt Trainerstab.

"Heimstärke demonstrieren"

Auch ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger vermied demonstrativ, die vermeintliche B- oder C-Elf der Norweger abzuwerten: "Wir werden wieder versuchen, unser Spiel durchzubringen und unsere Leistung nach oben zu schrauben. Wir wollen wieder Heimstärke demonstrieren", kündigte er an. Im Fokus steht ein weiterer Erfolg - der fünfte im sechsten Pflichtspiel im Herbst - und damit der überlegene Gruppenerfolg. "Wahrscheinlich fragt am Ende des Tages keiner mehr, wie es dazu gekommen ist, dass wir uns für Liga A qualifiziert haben", meinte Baumgartlinger.

Auch er kann die nach dem mühsamen 2:1-Heimsieg gegen Nordirland neuerlich ventilierte Kritik am lahmen Spielstil in der Offensive nicht nachvollziehen. "Wir haben in den letzten Jahren immer gesehen, dass man in Schönheit sterben kann", meinte der Leverkusen-Profi. "Wir wollen in erster Linie gewinnen, und das haben wir zuletzt gemacht." Mit sechs Siegen aus den bisherigen sieben Länderspielen 2020 ist die ÖFB-Auswahl sogar aktuell das erfolgreichste Nationalteam Europas. Dass auch gegen äußerst destruktiv agierende Gegner gewonnen werden konnte, sei auch ein Zeichen von Klasse: "Mittlerweile kann jeder verteidigen und schnell umschalten", sagte der Mittelfeldspieler. Ähnlich argumentiert sein Chef: "Angriffs-Fußball ist immer das Schwierigste, zu verteidigen ist etwas einfacher", meinte Foda, der am Mittwoch den nächsten tiefstehenden Gegner erwartet. Der aber mindestens zwei Tore für ein Fußballwunder bräuchte - weshalb sich für Marko Arnautovic und Co. doch mehr Freiräume in der Offensive ergeben sollten.(may)