So wie heute kann man sich nicht präsentieren. Gute Nacht, wenn wir in der Champions League so spielen." Also sprach Salzburg-Goalie Cican Stankovic nach der ersten Saisonniederlage des Serienmeisters in Form eines Heim-1:3 am Samstag gegen Sturm. Auch, wenn nach dem Länderspielreigen und vor dem Champions-League-Duell gegen die Bayern am Mittwochabend einige Stammkräfte geschont worden waren, war das Auftreten gemessen an den Ansprüchen der Red-Bull-Truppe unwürdig. "Das war sehr peinlich von uns", ergänzte Stankovic.

Immerhin darf sich die Elf von Jesse Marsch damit trösten, trotz des Ausrutschers gegen die (ausgeruhte) Mannschaft von Christian Ilzer die Tabellenführung behalten zu haben: Denn Rapid, das am Sonntag die Spitze erklimmen hätte können, verlor bei der SV Ried mit 3:4 ebenso; und der LASK - nunmehr wieder mit zwei Punkten Rückstand erster Verfolger - kam in Hartberg nicht über ein 1:1-Remis hinaus.

Dennoch verabsäumten es die Salzburger, vor dem Prestigeduell in München Selbstvertrauen zu tanken. Vor dem Hintergrund der 2:6-Schlappe im Hinspiel, die freilich erst durch einen wahren Torrausch von Robert Lewandowski und Co. im Finish zustande gekommen ist, kann jede Verunsicherung nur hinderlich sein. Wobei Coach Marsch nun auch auf eine Trotzreaktion seiner Elf hofft. "Die Jungs haben den größten Teil der Saison sehr gut gespielt - und heute nicht gut genug. Jetzt gilt es, eine gute Reaktion zu zeigen. Hoffentlich können wir gegen Bayern etwas ganz anderes abliefern." Nachsatz: "Auch wenn dieses Spiel mit jenem am Mittwoch überhaupt nicht vergleichbar ist, soll das eine Lektion sein, aus der wir unsere Lehren ziehen müssen." Immerhin gibt dem US-Amerikaner die Leistung beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Champions-League-Titelverteidiger vor rund drei Wochen in Salzburg Hoffnung: "Wir haben die Bayern in diesem Spiel über lange Zeit gefordert und in vielen Bereichen gut dagegengehalten. Auch die Anzahl an Tormöglichkeiten war so, dass wir voll dabei waren. Die vier Gegentore zum Ende des Spiels hin haben aber gezeigt, warum die Bayern Titelverteidiger sind - und dass wir noch etliche Dinge verbessern müssen."

Auch Mittelfeldspieler Mohamed Camara sah es am Montag ähnlich: "Wir wollen die positiven Erfahrungen des Hinspiels - und das waren gar nicht so wenige - mitnehmen und auch diesmal frech und aggressiv nach vorne spielen. Das ist unser Stil. Wir wissen aber alle, dass wir gegen Bayern eine absolute Top-Leistung brauchen, um etwas Zählbares mitnehmen zu können."

Bayern nur 1:1 gegen Werder

Aber auch beim Triple-Sieger aus der Weißwurstmetropole ist nach dem mageren Heim-1:1 gegen Werder Bremen nicht alles eitel Wonne. Gegen die mutig und diszipliniert agierenden Gäste fehlte es dem Tabellenführer mitunter an Kreativität, dazu gab es Anfälligkeiten in der Defensive um David Alaba. Goalie Manuel Neuer musste öfter eingreifen, als ihm lieb war. Mit starken Paraden hielt der nach dem 0:6-Debakel der Nationalelf so angefressene Kapitän wenigstens einen Punkt in München. Bayern-Coach Hansi Flick wollte hernach aber keine Ausreden durch Überlastung aufkommen lassen: "Wir lassen uns nicht einreden, dass es jetzt zu viel des Guten ist", stellte der Erfolgstrainer klar, der vielmehr die letzten Kräfte mobilisieren möchte: "Wir haben jetzt noch vier Wochen mit acht Spielen, da müssen wir uns drauf einstellen."

Die Verletzung von Lucas Hernandez gegen Werder macht die Sache freilich nicht leichter: "Wir haben noch genügend Spieler an Bord, wir müssen aber kreativ sein", so Flick.(may)