Das Beste an diesem am Ende doch sehr tristen Fußballabend im November war die Statistik: 19:11-Schüsse, 11:5-Torschüsse, 51,4 Prozent Überhang in der Zweikampfbilanz, 5:5-Ecken - allerdings, und nur das zählt wirklich, stand es 1:3 bei den erzielten Toren. Dennoch übten sich die Salzburger nach der neuerlich starken, aber glücklosen Vorstellung gegen den Champions-League-Titelverteidiger aus München in Zweckoptimismus. Denn in der einzig wahren Statistik der Gruppe A - also der Tabelle - besteht trotz einer bescheidenen Bilanz in Form eines einzigen Pünktchens nach vier Runden immer noch Grund zum Optimismus. Mit zwei Siegen im Finish (zunächst wartet am Dienstag Lok Moskau) ist sogar noch das Achtelfinale drin.

Tief saß die Enttäuschung bei Salzburgs Karim Adeyemi. Nun heißt es aber, den Kopf wieder nach oben zu richten. - © afp/Christof Stache
Tief saß die Enttäuschung bei Salzburgs Karim Adeyemi. Nun heißt es aber, den Kopf wieder nach oben zu richten. - © afp/Christof Stache

Daher war nach der zweiten Niederlage des österreichischen gegen den deutschen Serienmeister (2:6 und 1:3) keine Tendenz zu erkennen, die Europacup-Saison schon abzuhaken. Wenngleich man von Trainer Jesse Marsch abwärts zumindest einem verlorenen Punkt nachtrauerte. "Der Matchplan war super, die Jungs haben ihn sehr gut umgesetzt. Viele haben gut gespielt, es hat nur wieder nicht gereicht." Etwas, das der US-Amerikaner mit seinem jungen Team auf der größten europäischen Bühne mittlerweile schon öfters erlebt hat. "Es ist fast das gleiche Gefühl wie zuhause gegen Bayern, auswärts gegen Atletico Madrid (2:3), auswärts gegen Liverpool (3:4), zuhause gegen Liverpool (0:2)", meinte Marsch leicht frustriert. "Auf der einen Hand können wir daraus viel lernen, auf der anderen Hand sind wir fast da."

Nach dem im Vorjahr knapp verpassten Aufstieg trotz einiger Glanzpunkte bräuchte es heuer "nur" zwei starke Schlusspunkte zum kleinen Fußballwunder. Angesichts von vier Punkten Rückstand auf den Zweiten Atletico Madrid, der beim 0:0 zuhause gegen Lok Moskau erneut patzte, ist die K.o.-Phase in Reichweite. Marsch: "Wir müssen stark bleiben, denn wir sind noch am Leben. Wir haben einen Punkt nach vier Spielen, aber wir können noch alles schaffen."

Alaba, bitte helfen!

Mit einem Sieg am Dienstag in Moskau würden die Salzburger schon Platz drei übernehmen, der das Minimalziel - Umstieg in die Europa League - bedeuten würde; ehe dann zum Abschluss in Salzburg das direkte Duell mit Atletico Madrid (Hinspiel 2:3) gewonnen werden müsste.

Für dieses Szenario braucht die Red-Bull-Truppe aber Schützenhilfe der am Mittwoch nicht mehr ganz taufrisch wirkenden Bayern. Darob ist Marsch schon nach Schlusspfiff tätig geworden: "Ich habe David Alaba gefragt: Kannst du bitte die nächsten zwei Gegner schlagen, sodass wir noch eine Chance in der Gruppe haben?", berichtete Marsch von einem Zwiegespräch mit Österreichs Topstar. "Er hat gesagt: Ja, wir werden es versuchen."

Und auch Bayern-Coach Hansi Flick baute dem möglichen Schlendrian in der Königsklasse nach dem fixierten Achtelfinal-Einzug gleich verbal vor. "Das ist nicht unsere Einstellung und unsere Herangehensweise. Wir werden in den verbleibenden zwei Spielen versuchen, dass wir unsere Siegesserie fortführen." Nach dem 15. Champions-League-Sieg in Folge unter seiner Leitung kritisierte der Erfolgstrainer sein Team vor allem für die Leistung in den ersten 45 Minuten. Da habe man dem Gegner mit einigen "unnötigen Ballverlusten" in die Karten gespielt. "Wenn wir viele Fehlpässe spielen, dann hat Salzburg die Möglichkeit, uns wehzutun. Das haben sie auch gezeigt."

Doch Dominik Szoboszlai und Co. gingen mit ihren Möglichkeiten fahrlässig um - statt möglicher 2:0-Pausenführung des Außenseiters brachte Robert Lewandowski die Bayern per Abstauber knapp vor der Pause in Front (42.). "Das ist die Qualität, die die Bayern haben. Auf diesem Niveau wird jede Kleinigkeit ausgenutzt", meinte Zlatko Junuzovic.

Ein von Maximilian Wöber (52.) abgefälschter Schuss und ein Köpfler von Leroy Sane (68.) sorgten für die Entscheidung; der Ehrentreffer durch Mergin Berisha (73.) kam trotz Überzahl zu spät, weil die Kräfte der gut anpressenden Salzburger nicht mehr reichten. Zudem bewahrte Manuel Neuer sein Team mit Glanzparaden vor weiteren Gegentreffern: "Er ist nicht umsonst die Nummer eins auf der Welt, er macht das sehr gut", konstatierte Berisha.(may)