Maradona ist am Ball. Er wird von zwei Mann gedeckt. Maradona steigt auf den Ball. Das Genie des Weltfußballs startet auf der rechten Flanke durch (. . .) Maradona noch immer am Ball. Genie! Genie! Genie! Da-da-da-da-da . . . Tooooor! Toooor! Ich möchte heulen! Heiliger Gott, es lebe der Fußball!"

Bei der Weltmeisterschaft 1986 hat der argentinische Kommentator Hugo Morales den jungen Fußballstar unsterblich gemacht - über dessen physischen Tod hinaus. Maradona, am Mittwoch im Alter von 60 Jahren verstorben, hatte gerade im Alleingang fünf bis sechs Engländer überspielt und dann auch noch den Torwart verladen. Das Tor war Garant für den Sieg gegen die Vertreter jenes Landes, das Argentinien gerade im Falklandkrieg besiegt hatte. Was dem Österreicher Edi Fingers "I wer narrisch" ist, ist in der spanischsprachigen Fußballwelt Morales’ Kommentar.

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Die Worte und Sätze, die den als Jahrhunderttor bekannten Treffer begleiteten, kennt bis heute so gut wie jeder in Spanien und Lateinamerika - selbst in kleinsten Auszügen. Maradona avancierte zur Legende. Für manche sogar zu einem Gott - und zwar im wörtlichen Sinn. Noch heute existiert die Maradonianische Kirche mit Sitz in Rosario, Argentinien. Ihre - eigenen Angaben zufolge - 40.000 Anhänger beten das "Diego Unser" und versuchen sich an die zehn maradonianischen Gebote zu halten. Darunter: "Du sollst die Wunder des Diego im ganzen Universum verbreiten."

Doch Skandale und polarisierende Aussagen sorgten dafür, dass Maradona bei vielen in Ungnade fiel. Etwa in Neapel, wo er bis heute Kultstatus hat und wo bei SSC Napoli bis heute seine Trikotnummer 10 nicht mehr vergeben wird. Er führte die Süditaliener zu zwei sensationellen Meisterschaftssiegen - den einzigen in der Klubgeschichte. Eigentlich hätte es ja ein dritter werden sollen. In der Saison 1988/89 führte Napoli fünf Spieltage vor Saisonende die erste italienische Liga mit vier Punkten an. Aus den letzten Spielen brachte man jedoch nur einen einzigen Punkt nach Hause. Bis heute wird vermutet, dass die Mafia die Hand im Spiel hatte, die sich über Sportwetten mit Geld versorgte. Zu der wiederum soll Maradona über seinen Kokainkonsum Kontakte gehabt haben. Bei der WM 1994 wiederum schwor Maradona nach einem Dopingtest bei seinen Töchtern, keine illegalen Substanzen eingenommen zu haben. Das Ergebnis strafte ihn Lügen. Nach einem positiven Test endete die Karriere des Ex-Weltmeisters im Team.

"Auch unsere Herzen sind stehengeblieben"

"Er hat so vielen Menschen Freude gebracht, und dann drehen sich dieselben um und kreuzigen ihn", sagt der Mann in Pastorsgewand in einem argentinischen Film. Doch die Rede ist nicht von Jesus Christus, sondern von Maradona.

Doch Skandale, Drogen- und Alkoholexzesse wie auch die Tatsache, dass er sich nie für sein irreguläres Tor im WM-Viertelfinale 1986 entschuldigt, sondern dies noch als mit der "Hand Gottes" erzielt gefeiert hatte, können Diego Maradona seinen Platz in der Fußball-Welt nicht streitig machen.

"Es gab ein Banner in Argentinien, das habe ich vor einem Jahr gelesen. Da stand: ‚Was auch immer du mit deinem Leben gemacht hast, Diego, wichtig ist, was du für unsere Leben getan hast.‘ Ich denke, das drückt perfekt aus, was dieser Kerl uns gegeben hat. Diesen Spaß und die Freude und seine Hingabe für den Weltfußball. Er hat die Fußballwelt besser gemacht", sagte ManchesterCity-Trainer Pep Guardiola, nachdem er vom Tod Maradonas erfahren hatte.

Es war ein öffentliches Sterben, eines in kleinen Schritten. Bis zuletzt versuchte Maradona, der nach etlichen missglückten Versuchen als Trainer beim argentinischen Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata wieder Fuß gefasst hatte, gute Miene zum gesundheitlich schlechten Spiel zu machen. Kurz nach seinem 60. Geburtstag wurde er wegen einer Gehirnblutung notoperiert; nachdem er vermeintlich auf dem Weg der Besserung war, starb er nun nach offiziellen Angaben an einem Herzinfarkt. "Auch unsere Herzen sind stehen geblieben", sagt Fußball-Weltverbands-Präsident Gianni Infantino.

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