Während in Österreich die Zahl der Neuinfektionen langsam sinkt, steigt die Spannung bei den Fußball-Anhängern. Das erste Wiener Derby der Saison hat stets einen hohen Stellenwert, dass dasselbe heuer mitten in die zweite Lockdown-Phase fällt und daher nur "vor geschlossenen Toren" stattfinden kann, ist gemessen an der neuen Normalität, die mit dem Frühjahr auch in den Stadien Einzug gehalten hat, nichts Neues, aber doch für eingefleischte Fans bitter, auch zumal das Spiel im Free-TV nicht gezeigt wird. Auf der anderen Seite muss man schon froh sein, dass überhaupt gespielt wird. Und sorgen nicht unerwarteterweise positive Corona-Tests kurzfristig für Chaos, so steht dem Lockdown-Derby am Sonntag (17 Uhr/Sky) zumindest sportlich nichts im Wege.

Nach einer zuletzt durchwachsenen Vorstellung in der Bundesliga verspürten die Erzrivalen zur Abwechslung wieder einmal Erfolgsgefühle. Während Rapid in der Europa League mit einem 3:1 gegen Dundalk einen Schritt Richtung K.o.-Phase machte, tankte die Austria mit einem 5:3 gegen Hartberg im Cup-Achtelfinale viel Selbstvertrauen. Allerdings könnte dieses Vertrauen rasch wieder weg sein, sollte sich das von der "Bild"-Zeitung gestreute Gerücht, wonach Austria-Trainer Peter Stöger bald wieder nach Deutschland wechseln könnte - und zwar ausgerechnet zu Ex-Klub Köln -, bewahrheiten. Die Kölner mit Markus Gisdol stecken nämlich in der Krise, sind als Tabellen-17. schwer abstiegsgefährdet. Allerdings gibt es noch einige Hürden: Nicht nur hat Stöger selbst noch im Sommer erklärt, der Austria im Wort zu stehen und die Saison mit den Violetten beenden zu wollen. Auch läuft sein Vertrag als General-Manager erst im Sommer aus. Stöger würde also Ablöse kosten, und das wäre für das enge Kölner Budget womöglich nicht stemmbar.

Didi Kühbauer kehrt als Rekonvaleszenter zurück. - © apa/Eggenberger
Didi Kühbauer kehrt als Rekonvaleszenter zurück. - © apa/Eggenberger

Ob an den Gerüchten was dran ist, war am Freitag noch kein Thema. Dafür rechnet sich Stöger gegen die Hütteldorfer, die als Favoriten gelten, gute Chancen aus. "Das Momentum spricht eher für Rapid. Aber zuletzt haben sie wiederum die Tabellenführung liegen gelassen. Es ist 50:50 wie in fast allen Spielen in dieser Liga", sagte der Coach über die Ausgangslage. Rapid sei von der Papierform her im Vorteil, aber "ich glaube trotzdem, dass alles offen ist".

Peter Stöger rechnet sich gute Chancen aus. - © apa/Hochmuth
Peter Stöger rechnet sich gute Chancen aus. - © apa/Hochmuth

Bei Rapid bis zuletzt noch offen war die Frage, wann der erkrankte Trainer Dietmar Kühbauer wieder zum Team zurückkehren wird - dem Vernehmen nach will er am Samstag das Training leiten. Für dessen Assistenz-Coach Manfred Nastl ist das Derby so oder so ein "spezielles Spiel". Rapid verpasste nach dem jüngsten 3:4 gegen Ried den Sprung nach oben und wurde sogar vom LASK auf Rang drei verdrängt. In der neuen heimischen Arena haben die Hütteldorfer in sechs Versuchen bei drei Niederlagen und drei Unentschieden gegen die Austria noch nicht gewonnen. Im Dezember des Vorjahres trennten sich die beiden Teams mit einem 2:2. Die Bilanz nach den jüngsten zwölf Liga-Duellen ist bei je vier Siegen, vier Remis und vier Niederlagen völlig ausgeglichen.

Nastl jedenfalls stellte sich auf einen "harten Fight" ein. "Die Austria hat mit einem Tag mehr Pause einen Vorteil. Aber es wird keinen Unterschied machen, wir sind den Rhythmus gewohnt", erklärte er. Sein Team wolle am Sonntag wieder Gas geben. "Das Derby ist immer so, dass 22 Spieler unter Strom stehen. Es ist ein offenes Spiel, ich sehe keinen Favoriten", erklärte Nastl.

LASK unter Druck

Seiner Favoritenrolle erst gerecht werden muss der LASK am Sonntag gegen Tabellenschlusslicht Altach (14.30 Uhr). Als mentale Belastung könnte sich hier die 0:2-Heimpleite in der Europa League gegen Royal Antwerpen erweisen. Ein Sieg gegen Altach könnte hier Selbstvertrauen bringen. Tatsächlich sollte dies zu bewerkstelligen sein, zumal die Vorarlberger seit Saisonbeginn in der Liga nicht in Tritt finden und sich am Mittwoch im Cup gegen Viertligist Vienna ein blamables Aus leisteten. Sollte es anders kommen, wird man im Nachhinein über das leere Stadion nicht unglücklich sein.(rel)