Auf dem Allianz-Stadion scheint ein Fluch in Violett zu lasten: Rapid kann zu Hause einfach nicht gegen die Austria gewinnen. Die Hütteldorfer hatten am Sonntag im 331. Derby zum Abschluss der neunten Runde zwar in allen Statistiken Vorteile und auch ein klares Plus bei den Chancen, kamen allerdings über ein 1:1 nicht hinaus. Während die Gastgeber zwei Zählern nachtrauerten, jubelte die Austria dank ihres überragenden Goalie Patrick Pentz über ein sehr schmeichelhaftes Remis.

Allein der wieder genesene Rapid-Coach Didi Kühbauer sah keinen Grund für allzu groben Tadel. "Von der spielerischen Art her hat es die Mannschaft unglaublich gut gemacht, sie hat sich aber leider nicht mit dem zweiten Tor belohnt. Möglichkeiten wären da gewesen für fünf oder sechs Tore", kommentierte er. Die Chancenverwertung war das Einzige, das der Burgenländer seinem Team vorwerfen konnte. Und so wurde der Torhüter der Austrianer bei mehreren Aktionen zum Rapid-Sargnagel. "Die Austria-Prämie sollte Pentz gehören. Aber wenn wir ein bisschen genauer gewesen wären, hätte er auch nicht mehr retten können", betonte Kühbauer. Das sah auch Kapitän Maximilian Hofmann, der drei Großchancen ausgelassen hatte, so: "Von den Chancen müssen wir die Austria wegschießen. Unser Unvermögen und ein Sahnetag vom gegnerischen Tormann haben zu diesem Ergebnis beigetragen."

Ladehemmung bei Kara

Bei den Violetten war der "Man of the match" bald ausgemacht. "Wir haben Gott sei Dank einen sensationellen ‚Pentzi‘ gehabt, ich habe noch selten gesehen, dass ein Tormann so viele tolle Bälle in einem Spiel hält. Ihm gehört der größte Anteil an diesem Punkt", sagte Coach Peter Stöger über seine Nummer eins. Der 23-jährige Schlussmann freute sich über seine Traumvorstellung. "Ich habe mich ein paar Mal auszeichnen und zeigen können, dass ich dem Team Rückhalt gebe", meinte Pentz. Als das "Spiel seines Lebens" wollte er die Partie nicht einstufen, wenngleich ihm die akrobatische Großtat bei einem Abschluss von Srdjan Grahovac (41.) lange in Erinnerung bleiben wird. "Wie ich das gemacht habe, weiß ich auch nicht", sagte Pentz.

Als einem von vielen Rapidlern wollte auch Ercan Kara kein Tor gelingen, nachdem er beim 3:1 bei Dundalk in der Europa League noch doppelt getroffen hatte. Und das in seinem ersten Derby gegen seinen Ex-Verein, bei dem er von 2014 bis 2016 unterhalb der Profis tätig gewesen war. "Ich glaube nicht, dass er sich wegen des Austria-Spiels einen großen Kopf gemacht hat. Er ist ein Torjäger, der halt Ladehemmung hatte, es ist aber gut, dass er zu vielen Schlüssen gekommen ist", so Kühbauer.

Dabei sprach die Statistik eine deutliche Sprache. Aber selbst 65 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe sowie ein Eckballverhältnis von 13:4 änderten nichts daran, dass der sechste Sieg am Sonntag verpasst wurde. Nun liegt man vier Punkte hinter Salzburg, der Rückstand auf den Linzer ASK wuchs auf zwei Zähler an. Zudem lauert der viertplatzierte Sturm Graz drei Punkte dahinter. Aber auch bei der Austria ist nicht alles rosig, dem Achten fehlen acht Punkte auf Rapid, am Samstag wartet daheim mit Sturm samt Ex-Austria-Trainer Christian Ilzer das nächste Top-Vier-Team. Rapid tritt am Sonntag in Hartberg an, zuvor kommt noch am Donnerstag in der Europa League zum Schlager gegen Arsenal.