Bibiana Steinhaus war diese Ehre nicht beschieden. Bibiana Steinhaus, das ist jene Frau, die im deutschsprachigen Raum als Schiedsrichter-Pionierin galt, weil sie als erster weiblicher Referee Partien in der deutschen Fußball-Bundesliga, im September auch den deutschen Supercup zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund geleitet und danach im Alter von 41 Jahren ihre Karriere beendet hat.

Vielleicht wäre auch sie bald zu Champions-League-Ehren gekommen, nun ist es aber die Französin Stéphanie Frappart, die erstmals für Schiedsrichterinnen neues Terrain betritt und am Mittwoch die Partie zwischen Juventus und Dinamo Kiew (21 Uhr) pfeifen wird.

Doch das mit der "Ehre" ist so eine Sache. Natürlich ist es auch für die 36-Jährige eine solche, allzu viel Bedeutung will sie dem aber nicht beimessen. Fußball sei schließlich Fußball, das Regelwerk dasselbe. Und mit diesem ist die Französin seit Jugend an vertraut: Von Kind an kickte sie selbst, sobald es möglich war, machte sie ihr Schiedsrichter-Diplom - und wurde mit 19 Jahren erstmals im unterklassigen Herrenbereich in ihrer Heimat eingesetzt, von wo aus es stetig nach oben ging.

Anfang der 2010er--Jahre wurde auch die europäische Fußballkonföderation Uefa auf Frappart aufmerksam, die fortan für internationale Spiele im Jugend- und Frauenfußball nominiert wurde. Seit eineinhalb Jahren ist sie regelmäßig in der französischen Ligue 1, der höchsten (Männer-)Profiliga Frankreichs, aktiv, im selben Jahr leitete sie das WM-Finale der Frauen und als erste Frau den Uefa-Supercup zwischen dem FC Liverpool und dem FC Chelsea. Beide Trainer, Jürgen Klopp und Frank Lampard, bezeichneten dies als "historischen Moment". Auch in der Europa League hat sie mittlerweile Erfahrung - und dabei mit ihrer Entschlossenheit Kritiker überzeugt.

"Eine der Besten"

Frappart selbst beeindruckt all das Getöse um ihre Person wenig. Sie gehe an jedes Spiel mit der gleichen Vorbereitung heran, auch wenn der Männerfußball vielleicht "physischer" sei, wie sie sagt.

Und immerhin hat sie ein gutes Vorbild. In Frankreich sorgte schon in den Neunziger- und Nullerjahren eine gewisse Nelly Viennot für Aufsehen, die bei Männer-Spielen als Linienrichterin an der Seitenlinie stand und von Jacques Chirac 2006 mit dem nationalen Verdienstorden ausgezeichnet wurde.

Bibiana Steinhaus war die bekannteste Schiedsrichterin im deutschsprachigen Raum. Beim deutschen Supercup beendete sie ihre Karriere. - © APAweb / afp, Andreas Gebert
Bibiana Steinhaus war die bekannteste Schiedsrichterin im deutschsprachigen Raum. Beim deutschen Supercup beendete sie ihre Karriere. - © APAweb / afp, Andreas Gebert

Es waren freilich andere Zeiten, der Fußball hat sich verändert und vielleicht sogar ein bisschen geöffnet. Großturniere bei Frauen (die Österreicherinnen spielen heute, 18.30 Uhr, gegen Serbien um die EM-Teilnahme) erfreuen sich immer größerer Popularität, Förderprogramme werden national wie international auf die Beine gestellt.

Eine Männerbastion ist er, zumindest in der allgemeinen Wahrnehmung, noch immer. Frauen wie Stéphanie Frappart gelten als Türöffnerinnen, um dies zu ändern. Auf der größten Bühne könnte man sie in Zukunft noch öfter sehen. Nachdem die Barriere Champions League nun durchbrochen ist, wären Einsätze bei Europa- oder Weltmeisterschaften der nächste Schritt - zumindest wenn den Worten von Uefa-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti Taten folgen. Für ihn habe Frappart "gezeigt, dass sie eine der besten Referees ist - und zwar weltweit", sagt er. Und das ist in erster Linie nicht Ehre, sondern Arbeit.