Stark gespielt, sicher verteidigt und erstmals belohnt. Red Bull Salzburg konnte am Dienstagabend nach dem 3:1-Erfolg bei Lok Moskau und dem ersten Dreier in der laufenden Saison der Uefa-Champions-League hochzufrieden sein. Nach einer der "besten Leistungen in den zwei Jahren Champions League", wie es Trainer Jesse Marsch formulierte, darf man sogar vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen. Dafür muss im Finale am Mittwoch gegen Atletico Madrid ein voller Erfolg her.

"Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns", schwärmte Marsch nach dem Erfolg über einen höchst defensiven Gegner, der erst nach dem Rückstand etwas mehr Risiko einging. Salzburg hat nun vier Punkte und damit nur zwei weniger als Atletico am Konto. Ein Heimsieg in der kommenden Woche würde beim zweiten Gruppenstart den erstmaligen Aufstieg in die K.o.-Phase der Königsklasse bedeuten. Auf jeden Fall hat man einen Zähler mehr als Lok und damit alle Trümpfe im Kampf um Platz drei, der den Umstieg in die Europa League bringt, in der Hand. Lok gastiert zum Abschluss bei den Bayern und müsste dort gewinnen, um die Bullen-Truppe noch zu überholen.

"Machen alles füreinander"

Dennoch dürfte es die Salzburger etwas schmerzen, in den drei Spielen zuvor Punkte liegen gelassen zu haben. Nicht nur und besonders beim 2:2-Auftakt gegen Lok, sondern auch in den Partien gegen die klaren Favoriten Bayern München (2:6, 1:3) und Atletico (2:3). Immer wieder geriet danach die Defensive ins mediale Kreuzfeuer. Schließlich hat man in der laufenden Saison in jedem internationalen Spiel und auch in sieben von neun Ligapartien zumindest je ein Gegentor kassiert. "Schade, dass wir ein Gegentor bekommen haben", sagte Marsch auch am Dienstag. Der späte Anschlusstreffer der Russen per Elfer nach Blackout-Rempler von Andre Ramalho ("Ich entschuldige mich bei der Mannschaft"), machte es in der 79. Minute aber ohnehin nur für wenige Augenblicke spannend, weil Karim Adeyemi wenig später mit dem 3:1 (81.) den Sack zumachte. Marsch zeigte sich insgesamt mit dem Verhalten seiner Truppe dennoch höchst zufrieden. "Heute haben wir sehr gut verteidigt, besonderes bei Standards, wo Lok ja viele große Spieler hat", meinte der US-Amerikaner und strich erneut den Charakter seines Teams heraus: "Es ist für mich auch eine Mentalität, das Gefühl, dass wir alles füreinander machen, um unser Tor zu schützen. Das war heute ganz, ganz klar."

Mentalität bewies in Moskau erneut Doppeltorschütze Mergim Berisha (28., 41.). Deutschlands U21-Teamkicker hält in der laufenden Königsklasse bereits bei sieben Treffern und übernahm damit zumindest bis zum Mittwoch vor Erling Haaland (BVB/6) die Führung in der Torschützenliste. Berisha blieb gewohnt bescheiden. "Ich denke, wir sind sehr gut in die Zweikämpfe gekommen, haben unser Spiel gespielt und waren sehr mutig. Jeder ist für den anderen gelaufen", sagte der 22-Jährige. "Ich freue mich sehr für ihn", befand wiederum Marsch. "Er war nicht immer total glücklich, aber als er die Chance hatte, hat er geliefert." Einst zu Altach, LASK und Magdeburg verliehen, biss sich Berisha in der Vorsaison trotz harter Konkurrenz durch und ist nun endgültig in Salzburg angekommen. Das kann man nun auch von Adeyemi behaupten. Berishas Landsmann war international bisher vor allem in der Youth League aufgefallen, auch in der Bundesliga hat er erst 16 Partien absolviert. Nun durfte er im Europacup über sein Premierentor jubeln, das er nach 34-km/h-Sprint erzielte. "Er ist ein Top-, Top-Talent. Wir glauben, dass er eine große Zukunft hat", betonte Marsch.