So schnell kann es gehen: Trotz verpatztem Start und mäßigen Leistungen hat plötzlich der SK Rapid die besten Karten aus dem rot-weiß-roten Europa-League-Trio, die K.o.-Phase im Frühjahr zu erreichen. Während der LASK und der WAC trotz guter Starts und teils mitreißenden Darbietungen nunmehr bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, kann Rapid am letzten Spieltag aus eigener Kraft das Überwintern im Europacup klarmachen. Zuvor wartet bei Arsenal London aber noch ein prestigeträchtiges Bonusspiel.

Schauplatz London: Rapid kann am Donnerstag (21 Uhr/Dazn) beim regierenden FA-Cup-Sieger eigentlich nur gewinnen. Selbst bei einer Niederlage gegen die Gunners und einem gleichzeitigen Heimsieg von Molde über Dundalk könnten die Hütteldorfer am 10. Dezember im Allianz-Stadion gegen die Norweger aus eigener Kraft Gruppenplatz zwei und damit den Aufstieg ins Sechzehntelfinale fixieren.

Allerdings: Ein Sieg über Molde mit einem Tor Unterschied reicht nach dem 0:1 im Hinspiel nur dann, wenn Rapid am Donnerstag nicht das positive Torverhältnis (+1) verspielt und Molde (-4) danach besser dastünde - womit für die Grün-Weißen also jedes Gegentor zählt. Ein Punktgewinn im Emirates Stadium, wo wieder 2.000 Fans zugelassen sind, würde die Torverhältnis-Rechnerei obsolet machen; und bei einem Sieg würde gegen Molde schon ein Remis reichen.

Völlig unrealistisch erscheint eine Überraschung gegen die Londoner nicht, denn Arsenal hat das Aufstiegsticket nach vier Siegen bereits in der Tasche und wird daher viele Stammakteure schonen. Zumal ja am Sonntag das Nordlondon-Derby beim Erzrivalen und Tabellenführer Tottenham auf dem Programm steht.

"Wir haben eine große Vorfreude auf das Spiel, hoffentlich sieht man das dann auch", meinte Rapid-Coach Dietmar Kühbauer vor dem Abflug nach London. Auch gegen eine B-Elf werde es extrem schwer: "Sie haben eine unglaubliche Qualität. Wir brauchen eine gute Leistung, damit wir etwas mitnehmen können." Nicht im Flieger sitzen konnte der erkrankte Taxiarchis Fountas.

Schauplatz Linz: Für den ersatzgeschwächten LASK türmt sich auf der Gugl (18.55 Uhr/Puls 4) eine schwer bezwingbare Hürde auf - und diesmal müssen die Oberösterreicher nach dem 0:3-Lehrspiel in der Hinrunde gegen den Premier-League-Leader wohl sogar siegen, um die Aufstiegschance zu wahren. LASK-Trainer Dominik Thalhammer kündigte einen mutigen Zugang an. "Wir werden uns nicht vor Tottenham verneigen und in Ehrfurcht erstarren. Am Ende des Tages wäre ich sehr zufrieden, wenn Mourinho sehr unzufrieden wäre, weil dann hätten wir ihnen einen schwierigen Abend bereitet."

Kein Kane in Linz

Vom portugiesischen Star-Coach, der Torjäger Harry Kane in London ließ, gab es vor dem Spiel Rosen für den heimischen Tabellenzweiten: "Wir haben sie im Heimspiel relativ einfach geschlagen, aber dieses Spiel - ich kenne sie sehr gut - reflektiert nicht die Kräfteverhältnisse zwischen den zwei Teams." Nachsatz: "Ich bezeichne den LASK noch immer als unseren stärksten Gegner in der Gruppe." Doch wenn Royal Antwerpen im Parallelspiel Ludogorez Rasgrad erwartungsgemäß bezwingt, kann der LASK nur noch aufsteigen, wenn die drei Punkte voranliegenden Spurs bezwungen werden. Und selbst das könnte nach dem 0:3 in London zu wenig sein. Die Athletiker müssen außer Gernot Trauner (Rotsperre) die Verletzten Petar Filipovic und Husein Balic vorgeben. Dafür ist James Holland wieder mit dabei. Dieser hofft auf ein kleines Europacup-Wunder: "Wir haben nichts mehr zu verlieren."

Schauplatz Moskau: Wie im Vorjahr scheint dem WAC im Europa-League-Gruppenfinish der Sprit auszugehen. Nach zwei Niederlagen gegen Dinamo Zagreb muss der Tabellendritte bei Schlusslicht ZSKA Moskau (18.55 Uhr/Dazn) punkten, um die Aufstiegschance am letzten Spieltag zu wahren. "Unser Ziel ist dieses Entscheidungsspiel gegen Feyenoord, dem wollen wir alles unterordnen. Das hat sich die Mannschaft mit den guten Leistungen verdient", betonte WAC-Trainer Ferdinand Feldhofer vor dem Abflug in die russische Hauptstadt.

Zum Auftakt schaffte der WAC nach frühem 0:1 noch ein 1:1 gegen ZSKA, den aktuellen Tabellenzweiten der russischen Meisterschaft (punktegleich mit St. Petersburg). Mit drei Remis sind die Russen zwar sieglos, aber noch nicht chancenlos in der Gruppe: "Es wartet die spielstärkste Mannschaft dieser Gruppe auf uns, mit vielen Teamspielern und Topspielern", warnte Feldhofer.(may)