Es hätten vor einiger Zeit wohl nur die wenigsten vermutet. Doch von den drei österreichischen Europa-League-Startern hat vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase ausgerechnet der WAC (theoretisch) die beste Chance, in die K.o.-Phase einzuziehen. Während dem Linzer ASK vergangene Woche auch ein Kraftakt beim 3:3 gegen Topfavorit Tottenham nicht genügte, um das letzte Spiel am Donnerstag gegen Rasgrad zu einem Finale zu machen (21 Uhr), und Rapid gegen den norwegischen Vertreter Molde einen 1:0-Sieg benötigt (18.55 Uhr/Puls 4), würde den Kärntnern schon ein Remis im Heimspiel gegen Feyenoord Rotterdam reichen (21 Uhr/Dazn), um erstmals in der Klubgeschichte im Europacup überwintern zu können. "Wir haben uns dieses Endspiel verdient. Unsere sieben Punkte sind nicht hoch genug einzuschätzen", sagt Trainer Ferdinand Feldhofer. Ein Aufstieg wäre "ein Meilenstein, der größte Erfolg für die Spieler, für den Klub - und auch für mich als Trainer", sagt Feldhofer.

Der ehemalige Innenverteidiger hat den WAC vor rund einem Jahr von Gerhard Struber übernommen, mit dem die Kärntner in der Europa League Achtungserfolge wie ein 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach sowie zwei Unentschieden gegen die AS Roma erreicht haben - und trotzdem am Aufstieg gescheitert sind. Dennoch wurden internationale Klubs auf die Leistungen aufmerksam, Struber zog es zunächst zum englischen Verein Barnsley, zuletzt in die USA zu den Red Bulls New York. Feldhofer, unter dem die Mannschaft die Vorsaison wieder auf Platz drei abschloss, könnte nun sogar noch eins drauflegen. "Viele haben erwartet, dass ich den Sommer nicht überlebe", sagt er nicht ohne Genugtuung.

Feyenoord Favorit

Und dennoch: Zum ultimativen Durchbruch in Form des Einzugs ins Sechzehntelfinale benötigt es einen wahren Kraftakt. Feyenoord ist seit Jahrzehnten eine bekannte Größe im internationalen Fußball, hat 15 Mal die niederländische Meisterschaft und 13 Mal den nationalen Cup gewonnen, dazu kamen je ein Sieg im Landesmeister- und im Weltcup sowie zwei Uefa-Cup-Triumphe. Aktuell hat die Mannschaft von Dick Advocaat gegenüber Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven aber das Nachsehen, in der Liga liegt sie nach elf Runden auf Platz vier. Zwar ist man in der Liga ungeschlagen, zuletzt gab es aber aus vier Bewerbsspielen nur drei Remis sowie eine Niederlage. Eine solche konnte auch der WAC den Holländern zum Beginn der Gruppenphase zufügen - damals hieß es 4:1 für die Kärntner, die am Wochenende allerdings beim 1:4 gegen WSG Tirol schwächelten. Feldhofer will dem aber keine große Bedeutung beimessen. "Es ist einfach so, wir nehmen es an. Natürlich war ich auch verärgert über das Ergebnis, aber es war zu erwarten, dass so etwas passiert." Nun gilt es, noch einmal alle Kräfte zu bündeln. "Jeder von uns weiß Bescheid über die Chance, die wir haben, aber jeder weiß auch, welcher Brocken auf uns zukommt."

Einen "Brocken" hat auch Rapid vor sich - vielleicht nicht vom Namen her, aber von der Ausgangslage. Ein 1:0-Sieg würde den Aufstieg bedeuten, ein 2:1 (oder jeder andere Sieg mit einem Tor Unterschied) wäre aber schon zu wenig. Auch das hat man sich ein bisschen anders vorgestellt.(art)