Nicht die Champions oder Europa League war es, die am Donnerstagfrüh die Startseite der größten italienischen Tageszeitung zierte, sondern ein Schwarz-Weiß-Bild aus längst vergangenen Zeiten des internationalen Fußballs. "Der Fußball und Italien trauern um das Symbol der WM 1982", stand da in großen Lettern über einem Foto von Paolo Rossi. Die italienische Fußball-Ikone ist am Mittwoch im Alter von 64 Jahren an einer "unheilbaren Krankheit" verstorben, wie die "Gazzetta dello Sport" und die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Social-Media-Postings seiner Ehefrau Federica Cappelletti berichteten.

 Nach dem Tod Diego Maradonas trägt der internationale Fußball damit zum zweiten Mal binnen weniger Wochen Trauer.

Wenngleich Rossi nicht ganz an die Prominenz des argentinischen Ballkünsters herankam, weisen ihre Lebensläufe einige Parallelen auf. Drückte Maradona seinen Stempel unauslöschlich der WM 1986 sowie den Sportannalen auf, war es vier Jahre zuvor Rossi, der die Schlagzeilen bestimmte – und das, obwohl seine Turnierteilnahme zunächst unter keinem guten Stern stand.

Erst im April desselben Jahres war seine zweijährige Sperre wegen Spielmanipulation abgelaufen; dass sein Team-Entdecker, Enzo Bearzot, ihn dennoch nominierte, hatte für einige Verwunderung und Kritik im Land des Calcio gesorgt. Die erste Turnierphase verlief dann auch schwach, ehe Rossi (vier Jahre davor unter anderem Siegtorschütze gegen Österreich) in der Finalrunde zur Höchstform auflief: Brasilien zerlegte er mit seinen drei Toren zum 3:2-Sieg beinahe im Alleingang, es folgten ein Doppelpack zum 2:0-Halbfinalerfolg gegen Polen sowie der Führungstreffer im Finale gegen Deutschland, das die Squadra schließlich mit 3:1 gewann.

"Er schoss uns im WM-Finale 1982 ab", betitelte dann am Donnerstag auch die Online-Ausgabe der "Bild" die Nachricht über den Tod jenes Mannes, der in diesem Jahr nicht nur zum WM-Torschützenkönig und besten Spieler des Turniers geadelt, sondern auch mit dem Ballon d’Or für Europas besten Spieler des Jahres ausgezeichnet wurde.

Eine Legende war geboren – eine, deren Popularität vielleicht einerseits auch auf den Stehaufmanderl-Qualitäten sowie der stets als höflich beschriebenen Art Rossis beruhte. Die beste Zeit "Pablitos" im Vereinsfußball sollte allerdings erst folgen. An der Seite von Michel Platini führte er Juventus unter anderem 1985 zum Triumph im Pokal der Landesmeister, ehe die letzten Jahre seiner Karriere beim AC Milan und bei Hellas Verona nicht mehr allzu erfolgreich verliefen.

Anders als viele andere ehemalige Fußball-Größen drängte Rossi danach nicht mehr ins Rampenlicht, zog sich ins Privatleben zurück und gründete eine Fußballschule. Vor allem aber sein Vermächtnis der WM 1982 wird bleiben – und verdrängt zumindest kurz die Schlagzeilen, die aktuell Champions und Europa League schreiben.