Eine Liebesbeziehung der Rapidler zum ÖFB-Cup wird das eher nicht mehr: Der 32-fache Meister hat zwar auch 14 Mal den heimischen Pokal gewonnen, die bisher letzte Trophäe wurde aber vor einer halben Fußball-Ewigkeit - nämlich 1995 - in den Praterhimmel gestemmt. Auch folgende Statistik schmerzt wohl jedes grün-weiße Herz: Die Hütteldorfer haben sich zwar 14 Mal zum Cupsieger gekürt, aber ebenso oft auch ein Finale verloren. Zum Vergleich: Rekord-Cupsieger und Erzrivale Austria hat 27 Titel zu Buche stehen, aber nur 11 Mal ein Endspiel verloren. Und zu schlechter Letzt noch eine weitere grün-weiße Cup-Negativstatistik: In drei der vergangenen vier Spielzeiten setzte es gegen den Edelrivalen Salzburg bittere Niederlagen - nämlich auch deren zwei im Finale. Keine allzu rosigen Aussichten also für die Hütteldorfer vor dem Pokal-Achtelfinalhit am Mittwochabend (20.30 Uhr/ORF 1) in Wals-Siezenheim.

Zumal die Elf von Dietmar Kühbauer nach Enttäuschungen in der Meisterschaft sowie in der Europa League angeschlagen in das vorweggenommene Endspiel geht. Demgegenüber steht eine eindrucksvolle Cup-Bilanz der Salzburger, die in der zu Ende gehenden Dekade einzigartig ist: Zwar gelang der erste Pokal-Triumph in der Vereinsgeschichte erst anno 2012 - seither wurden allerdings gleich sieben Titel eingefahren - und nur ein Endspiel (2018 gegen Sturm) verloren.

Doch der Cup hat bekanntlich eigene Gesetze, weshalb der Wieder-Tabellenführer wenig Anstalten macht, sich in die (eigentliche klare) Favoritenrolle drängen zu lassen: "Die Spiele gegen Rapid sind immer schwierig, es ist meist ein harter Kampf. Schon im letzten Cup-Match vergangenes Jahr (1:2 n. V./2. Runde, Anm.) ist es bis zur letzten Sekunde gegangen, bis wir den Sieg fixieren konnten. Außerdem war Rapid in den letzten beiden Spielen - in der Europa League und in der Meisterschaft - nicht so erfolgreich. Das macht sie noch gefährlicher", erklärte Abwehrchef Andre Ramalho. Ähnlich sieht es Trainer Jesse Marsch, der nach dem 3:1-Erfolg über den LASK von seinen Spielern eine ähnlich starke Leistung einfordert, um gegen Rapid zum Erfolg zu kommen. Die peinliche 0:3-Heimpleite der Hütteldorfer gegen Wattens will er zudem nicht überbewerten: "Sie haben viel rotiert und kommen jetzt sicher mit einer frischen Aufstellung", meinte der US-Amerikaner. "Gegen Rapid sind im Moment der Wille und der Kampf auf dem Platz die wichtigsten Themen."

"In einem Spiel alles möglich"

Auch sein Gegenüber Kühbauer ist überzeugt, dass ein Sieg nur mit unbändigem Willen möglich ist. "Ein Cup-Sieg gegen Salzburg wäre eine große Sache, aber dafür brauchen wir eine unglaublich gute Leistung und Überzeugung", sagte der Burgenländer, der sich von der fast makellosen Cup-Bilanz der Red-Bull-Truppe nicht wirklich beeindrucken lässt. "Das zeigt zwar, dass sie eine wirklich gute Truppe sind, aber in diesem einen Spiel ist alles möglich. Wir werden elf Spieler auf den Platz bringen, die überzeugt sind, Salzburg schlagen zu können", versprach der Rapid-Coach am Dienstag.

Während die Hütteldorfer in der letzten Meisterschafts-Runde vor der (heuer kurzen) Winterpause am Samstag zum Tabellenletzten Admira müssen, wartet auf die Salzburger am Sonntag noch das Spitzenspiel zu Hause gegen die Europacuphelden aus Wolfsberg. "Wenn wir die letzten zwei Spiele gewinnen, haben wir einen sehr guten Herbst gehabt", meinte der 47-jährige Marsch, der erneuten Champions-League-Enttäuschung zum Trotz.

In den beiden weiteren Cup-Achtelfinalspielen am Mittwoch sind die Favoritenrollen klar verteilt: Der WAC empfängt am Nachmittag (16Uhr) den Zweitligisten Amstetten, der LASK im Anschluss daran (18Uhr/beide ORF-Sport+) den Viertligisten ASK Elektra aus der Wiener Stadtliga. Austria, Neben Sturm Graz, Klagenfurt und Vienna steht seit einem 2:0 gegen Blau-Weiß Linz am Dienstagabend auch Kapfenberg bereits in der Runde der letzten Acht.