Patrick Penz ist bei der Wiener Austria der Fels in der Brandung. Aber selbst ein Steinbrocken wie er im Tor kann nicht alles regeln. Das haben die jüngsten Bundesligapartien schön gezeigt: Was im Derby gegen Rapid Ende November dank mehrerer Glanzparaden noch glimpflich ausgegangen war (1:1), reichte in den nachfolgenden Begegnungen mit Sturm Graz (0:4) und Wolfsberg (2:3) nicht mehr. Wobei Penz freilich keine Schuld trifft. Es war und ist vielmehr die Performance der Mannschaft selbst, die derzeit bei Trainer Peter Stöger und den Anhängern für Irritationen sorgt. Am Willen liegt es nicht, eher an der Konzentration, die sich in fehlerhaftem Gegenpressing, technischen Unzulänglichkeiten und unnötigen Fouls offenbart hat: Anders sind die jüngsten Niederlagen gegen Sturm, wo erst eine rote Karte gegen Dominik Fitz das Torfeuerwerk der Grazer auslöste, und gegen den WAC, als man erst in der Nachspielzeit den entscheidenden Elfer zum 2:3 herschenkte, nicht zu erklären.

Schon gut möglich, dass in letzter Zeit ein wenig zusammengekommen ist. Der anhaltende Corona-Ausnahmezustand mag genauso am mentalen Rüstzeug zehren wie die Hiobsbotschaft der violetten Geschäftsführung, dass man finanziell vor einer nie da gewesenen Herausforderung stehe. Immerhin sind 18,84 Millionen Euro Miese, der höchste in Österreich jemals von einem Klub gemeldete Verlust, nicht nichts. Ebenso die Schubumkehr beim Eigenkapital von plus 4,1 auf minus 14,5 Millionen Euro. Dass Finanzchef Markus Kraetschmer nun händeringend nach einem Investor sucht, garantiert in Zeiten der Pandemie nicht gerade Zuversicht.

Fehlende Europacup-Millionen, leere Zuschauerränge und hohe Stadionkosten wirken sich ebenso gnadenlos auf den Gesamtzustand des Vereins aus wie liegengelassene Punkte und mangelnde Konzentration. Da hilft es auch nicht, mit Neid auf vermeintliche Underdogs wie Hartberg und Wolfsberg zu schielen. Oder sich die Leistung schönzureden, wie dies etwa Ex-Coach Christian Ilzer einst tat: "Wir sind einen etwas anderen Weg gegangen, den Weg über die Bergstraßen. Hartberg ist über die Autobahn gefahren." Nun ist die Beschaffenheit der "Straße" nicht alles, es kommt auf den Motor an.

Ringen um die Winterkrone

Diesen Motor im kommenden Ligaspiel gegen den Linzer ASK am Sonntag (17 Uhr/Sky) wieder in Gang zu bringen, ist daher auch das Hauptziel von Stöger und Co. Das ist nicht nur sportlich wichtig, sondern vor allem auch psychologisch, zumal die derzeit auf dem neunten Tabellenrang ruhende Austria nur noch drei Punkte vom Schlusslicht Admira trennen. Um den Sprung in die Meisterrunde zu schaffen, fehlen aktuell sechs Punkte. "Es wird am Sonntag eine schwierige Aufgabe werden für uns", erklärte Stöger im Online-Gespräch und lobte den LASK als stabilen und auf hohem Level spielenden Gegner. Er habe aber dennoch die Hoffnung, "dass wir was mitnehmen können und uns nicht mit Eigenfehlern bestrafen", so Stöger.

Das wird schwer genug, zumal der LASK alles daransetzen wird, um sich mit einem Sieg und etwas Glück doch noch die Winterkrone zu sichern. Hierfür müsste Meister Red Bull Salzburg freilich am Sonntag (14.30 Uhr/Sky) gegen den WAC verlieren. Doch davon wollte Coach Jesse Marsch am Freitag naturgemäß nichts wissen. "Unser Ziel ist es, zu gewinnen und in der Tabelle vorne zu bleiben", erklärte er. Große Personaländerungen sind im Vergleich zum 6:2 im Cup-Achtelfinale gegen Rapid nicht zu erwarten.

Apropos Rapid: Auch wenn der Erzrivale aus Favoriten strauchelt, so ist Schadenfreude angesichts des Cup-Aus und Platz vier in der Tabelle nicht angebracht. Genauso wäre es verfehlt, im letzten Spiel des Jahres gegen Admira Wacker am Samstagabend (17 Uhr/Sky) mit drei Zählern zu rechnen. Wie schädlich Hochmut sein kann, hat ausgerechnet Leader Salzburg erfahren müssen, als er vor 14 Tagen in der Südstadt eine 0:1-Niederlage kassierte. Wobei: Konzentrationsschwäche und Fehler waren hier nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass Europacup-bedingt eine B-Elf am Werken war. Ein Eindruck, der so manchem violetten Fan vermutlich bekannt vorkommen mag.