Offenbar war es ein Mittel gegen Höhenkrankheit: Zumindest ist das die Erklärung von Serienmeister Red Bull Salzburg, weshalb zwei seiner Akteure - Sekou Koita und Mohamed Camara - bei einer Dopingkontrolle der Uefa eine positive A-Probe abgegeben hatten. Und zwar - wie erst am Dienstag bekannt wurde - bereits am 22.November in Salzburg und also drei Tage vor dem Champions-League-Auftritt bei Titelverteidiger Bayern München (1:3). Beide Spieler standen in der Allianz-Arena über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen. Gut eine Woche davor waren die beiden für ihr Heimatland Mali im Zuge der Qualifikation zum Afrika-Cup in Namibia (1:2) aufgelaufen - und weil die Partie im 1.700 Meter hoch gelegene Windhoek stattfand, hat der Mannschaftsarzt den Spielern offenbar ein Medikament verabreicht. Das aber einen Wirkstoff enthalten soll, der auf der Dopingliste steht.

Am Doping-Sachverhalt gibt es von Klub- wie Spielerseite grundsätzlich nichts zu rütteln, zumal die beiden Spieler auf die B-Probe verzichtet haben und nun dem bevorstehenden Verfahren der Uefa entgegensehen. Camara und Koita weilen wie der restliche Salzburger Kader bereits auf Weihnachtsurlaub, teilte der Klub per Aussendung mit.

Faktum ist, dass es wohl nur geringe respektive gar keine Konsequenzen geben dürfte, sollte sich im Uefa-Verfahren dieser Sachverhalt auch so bestätigen. Denn anders als bei anderen Sportarten sind die Sanktionen in der Mannschaftssportart Fußball nicht ganz ist streng wie etwa im Rad- und Langlaufsport oder in der Leichtathletik.

So ist im Uefa-Dopingreglement schon einmal festgelegt, dass Mannschaftssanktionen nur dann vorgesehen sind, "wenn mehr als zwei Mitgliedern einer Mannschaft ein Verstoß gegen Antidoping-Bestimmungen zur Last gelegt wird" (Artikel 16.02). Da es aber eben "nur" zwei Fälle sind und laut Red Bull Salzburg bei jener Testung im November die anderen acht Spieler negativ waren, sind Teamstrafen schon einmal ausgeschlossen. Damit wird wohl auch der Platz im Sechzehntelfinale der Europa League (Gegner: FC Villarreal) nach Gruppenrang drei in der Champions League unangetastet bleiben; auch wenn beide Spieler etwa beim 3:1-Sieg bei Lok Moskau - also nach dem Dopingtest - zum Einsatz gekommen waren. In der Vergangenheit wurden Einsprüche von Klubs, die einen Wettbewerbsnachteil aufgrund (einzelner) gedopter Gegenspieler geortet hatten, von der Uefa stets abgeschmettert.


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Anti-Doping-Reglement der Uefa
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Auch in der Bundesliga wird es keine Konsequenzen für Salzburg geben, wiewohl Koita und Camara noch in vier Ligaspielen zum Einsatz kamen und auch das Cup-Achtelfinale gegen Rapid bestritten. (Übrigens: Beim 2:3 gegen den WAC standen sie am Sonntag nicht mehr im Kader). Da das Doping-Verfahren von der Uefa geführt wird, fällt die Zuständigkeit des österreichischen Fußballs weg. "Die Ergebnisse sämtlicher Spiele, in denen die betroffenen Spieler zum Einsatz gekommen sind, wurden bestimmungsgemäß beglaubigt." Eine Wiederaufnahme des Beglaubigungsverfahrens sei gemäß der Bundesliga-Satzungen ausgeschlossen, hieß es laut Bundesliga.

Grobes Verschulden ist bei Strafmaß relevant

Ohne Einzelstrafen werden die beiden Spieler freilich nicht davonkommen - auch, wenn sie das Mittel von einem Mediziner verabreicht bekommen haben. Denn grundsätzlich sind die Sportler für das verantwortlich, was sie zu sich nehmen. Können Camara und Koita jedoch nachweisen, dass sie "weder grobes Verschulden noch grobe Nachlässigkeit trifft", so ist "als Mindeststrafe eine Abmahnung anstatt einer Sperre" zu verhängen (Artikel 14). Auch, dass die beiden in Sachen Doping unbescholten sind, ist im Verfahren zu berücksichtigen. Die Höchststrafe bei schweren Vergehen mit leistungssteigernden Substanzen ist übrigens auch für Fußballer hart - nämlich eine vierjährige Sperre.

Der Klub betonte, in Zusammenarbeit mit der Uefa und den Behörden alles zu tun, um eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge in Mali zu erwirken. "Mohamed Camara und Sekou Koita werden im Frühjahr am Trainingsbetrieb teilnehmen und erhalten vom FC Red Bull Salzburg jegliche Unterstützung zur Aufklärung dieser Causa", hieß es.

Allerdings gab es auch Kritik an den Praktiken in Mali - der Verein sieht sich als Opfer. "Wir sind sehr stolz, wenn unsere Spieler zu ihren jeweiligen Nationalteams einberufen werden. Aber gerade bei einem A-Länderspiel darf und muss erwartet werden, dass die medizinische Betreuung den internationalen Standards entspricht und Ärzte mit den geltenden Regeln vertraut sind", monierte Geschäftsführer Stephan Reiter.