Thomas Müller gibt sich in Interviews gerne jovial, hemdsärmelig und humorvoll. Diesmal war dem Stürmer des FC Bayern aber nicht zu Lachen zumute. Im Gegenteil: Weil die Reporterin die 5:6-Niederlage seiner Mannschaft im Elfmeterschießen (2:2 nach Verlängerung) in der zweiten Cup-Runde beim Zweitligisten Holstein Kiel etwas zu amüsant fand, grantelte er herum, auf Twitter besann er sich danach etwas Besseren. Er gratuliere der Mannschaft aus Kiel, schrieb er und fügte die Hashtagorgie #verlierenmussmankönnen #istaberüberhauptnichtmeins #undauchnichtszumgewöhnen hinzu.

Tatsächlich sind die Bayern an solche Niederlagen auch nicht gewöhnt. 17 Jahre ist es nun her, dass man zum bisher letzten Mal gegen eine Zweitligamannschaft verloren haben, damals gegen Aachen im Viertelfinale, 21 Jahre, dass man sich zuletzt in der zweiten Runde des Pokalbewerbs verabschieden musste. Die schlimmste Pleite im Cup hatte es noch zehn Jahre früher gesetzt: Mit einem 0:1 gegen den Oberligisten Weinheim hatte man sich damals sogar schon in der ersten Runde verabschiedet.

Traum vom Triple geplatzt - und mehr

Dennoch war auch die Niederlage gegen Kiel eine von großer Tragweite: nicht nur, weil dadurch auch der Traum von der Wiederholung des Triple-Gewinns aus dem Vorjahr – Meisterschaft, Champions League und Cup – geplatzt ist; sondern auch, weil sich wieder einmal die ohnehin schon zuletzt von Trainer Hansi Flick beanstandete Abwehrschwäche offenbarte, und die Stimmung vor der entscheidenden Phase in der Champions League – in der es im Februar im Achtelfinale vorerst gegen Lazio Rom weitergeht – und der Liga im Keller ist. "Natürlich sind wir bedient", sagte Müller, der in Kiel ohne Torerfolg blieb. Die beiden Treffer, mit denen die Bayern jeweils in Führung gegangen sind, hatten Serge Gnabry (aus nicht geahndeter Abseitsposition) sowie Leroy Sane erzielt, Fin Bartels beziehungsweise Hauke Wahl war jeweils der Ausgleich gelungen.

"Gratulation an Kiel, sie haben gefightet, es war ein echter Pokalfight", sagte Flick danach etwas weniger emotional, aber wohl nicht minder enttäuscht als Müller. Und: "Wir haben noch viel zu tun."

Denn seine Mannschaft muss sich nun schnellstmöglich aufrappeln, um gegen Freiburg am Sonntag wieder die geplanten drei Punkte einzufahren, die wohl vor allem für die Moral notwendig sein werden. Zwei Punkte liegen die Münchner noch vor RB Leipzig, zwei weitere Zähler dahinter lauert Bayer Leverkusen. Vor allem dass man bis auf ein 2:0 gegen Lok Moskau seit Oktober nie zu Null gespielt hatte, magerlte den Coach. "Es ist sicher nicht die beste Phase des FC Bayern", erklärte dann auch Müller.

Doch wie schnell sich die Dinge im Fußball drehen können, ist bekannt – seit diesem Abend vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst. Und dann kann vielleicht auch Müller wieder lachen.