Am Donnerstag haben alle potenziellen Besitzer von Eintrittskarten für die Fußball-EM E-Mail-Post von der Uefa erhalten: Darin informiert der Veranstalter der auf den heurigen Sommer verlegten Euro 2020 (11. Juni bis 11. Juli 2021) nicht nur über die letzte Chance, bestehende und bereits bezahlte Eintrittskarten zurückzugeben, sondern auch über neue Ticketrichtlinien, die für das Großereignis gelten sollen. Und diese haben es durchaus in sich - denn darin bereitet die Uefa alle Fans auf Fußballspiele in Zeiten der Corona-Pandemie vor. Mit allen Vor- und Nachteilen für die Zuschauer.

Brisant ist vor allem jener neue Passus der Ticket-Rückerstattungsrichtlinien, falls es zu einer Verlegung des Spielortes respektive des Spieldatums kommt. Erfolgt eine solche nämlich aus "höherer Gewalt" - und darunter hat die Uefa auch "Epidemien bzw. Pandemien" explizit angeführt -, so "behält das Ticket für das neu angesetzte Spiel seine Gültigkeit. Der erfolgreiche Antragsteller hat keinen Anspruch auf Rückerstattung der Tickets, wenn er das neu angesetzte Spiel nicht besuchen kann."

Da die Uefa bekanntlich immer noch nicht definitiv entschieden hat respektive es zum derzeitigen Zeitpunkt auch gar nicht kann, ob es bei dem paneuropäischen Turnier in zwölf Städten und beim ursprünglichen Terminplan bleiben wird, sind die Kartenbesitzer nun in der Zwickmühle: Denn Anspruch auf vollen Kostenersatz gibt es nur noch bis 26. Januar 2021 (14 Uhr MEZ), wie die Uefa informiert. Werden die Tickets nicht storniert, gelten die neuen Richtlinien automatisch als angenommen. Und dann müssen die Kartenbesitzer kurzfristige Änderungen hinnehmen und ihre Reisepläne adaptieren, falls dies überhaupt möglich ist.

Zumal nunmehr auch "länderspezifische Bestimmungen" explizit definiert sind: "Um in das Gastgeberland einreisen zu können, müssen die Ticketinhaber alle geltenden Einreisebestimmungen erfüllen."

Neu angeführt sind in den Geschäftsbedingungen auch sogenannten "sanitäre Maßnahmen": Um das Stadion betreten zu dürfen, müssen die Zuschauer die Einlassbedingungen ("eventuelle epidemiologische Anerkennungen im Rahmen von Covid-19") erfüllen; diese werden von der Uefa noch konkret "mitgeteilt", heißt es. Unschwer zu erkennen, dass damit negative PCR-Tests oder Schelltests vor den Stadientoren gemeint sind.

Dazu passt auch eine Änderung der Datenschutzrichtlinie, die wohl noch die Aufmerksamkeit von Konsumentenschützern erregen könnte. Denn: "Personenbezogenen Daten werden für die Zwecke aller relevanten Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen (einschließlich Gesundheitsschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19) im Zusammenhang mit dem betreffenden Spiel erhoben und verarbeitet."

Zumindest ein kleines Zuckerl gibt es auch für bestehende Kartenbesitzer: Ist jemand aus "medizinischen Gründen" (und zwar nicht bloß Corona) nicht in der Lage, das Spiel zu besuchen, kann er die Karten unbürokratisch auf einen "Freund oder ein Familienmitglied" übertragen.

Vollen Ersatz gibt es schließlich im Falle von - durchaus wahrscheinlichen - Stadien-Kontingentierungen beziehungsweise auch bei Geisterspielen. In beiden Fällen "erhält der Ticketkäufer eine Rückerstattung in Höhe des Nennwerts des/der Tickets".

Offizieller Stand der Uefa ist, dass das Turnier mit 24 Teams vor Publikum ausgetragen werden soll. Bekannt ist aber bereits, dass es Alternativ-Varianten mit nur einem Veranstalterland gibt – laut Medienberichten soll dies unter anderem WM-2018-Ausrichter Russland sein. Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin brachte indes im Herbst den Veranstalter der Euro 2024 ins Spiel: "Deutschland wäre natürlich geeignet, aber darüber haben wir noch nicht nachgedacht." Eine definitive Entscheidung über die Spielorte und die Zulassung von Fans soll im März fallen. Dann weiß auch das ÖFB-Team, ob die Spielorte Bukarest (gegen Nordmazedonien und Ukraine) und Amsterdam (Niederlande) halten.