Dass sich der europäische Fußballverband Fan-Kritik binnen weniger Tagen zu Herzen nimmt, kommt höchst selten vor. Am Mittwoch war es aber so weit. Nachdem sich Fußballfans quer über den Kontinent über eine neue Ticketrichtlinie der Uefa für die auf Sommer 2021 verschobene Fußball-EM echauffiert hatten - die "Wiener Zeitung" berichtete als erstes deutschsprachiges Medium -, lenkte die Uefa nun offenbar ein. In einem Schreiben an Journalisten beziehungsweise einem Internet-Eintrag auf der Ticket-Homepage der Euro 2020 wird zugesagt, dass gekaufte Eintrittskarten bei etwaigen Spielverlegungen sehrwohl noch zurückgegeben werden können. "Sollte ein Spiel der Uefa Euro 2020 an einen Ort verlegt werden, der mehr als 50 km vom ursprünglichen Austragungsort entfernt ist, haben Ticketkäufer Anspruch auf eine vollständige Rückerstattung des Ticketpreises, wenn sie nicht teilnehmen können oder wollen."

Damit haben Fans also Anspruch auf vollen Ersatz, sollten einzelne Spiele oder gar die Europameisterschaft als Ganzes verlegt werden - und man dorthin aus Kosten- und Termingründen oder aber auch aufgrund von Corona-Reisebeschränkungen nicht hingelangen kann.

Zuletzt hatte die Uefa lediglich Augenmaß versprochen und gemeint, man werde bei Spielortverlegungen auf "Faktoren wie vertretbare Reisedistanzen" achten. Nun gilt: "Wenn ein Spiel an einen anderen Spielort verlegt werden muss, entscheidet die Uefa gemäß der Rückerstattungsrichtlinie zunächst, ob die Eintrittskarten für das neu angesetzte Spiel gültig bleiben. Bei dieser Entscheidung würde die Uefa verschiedene Faktoren berücksichtigen, beispielsweise ob der neue Spielort in einer angemessenen Entfernung zum ursprünglichen Spielort liegt."

Mit der neuen 50-Kilometer-Einschränkung fallen jedenfalls Horrorvarianten wie Verlegungen nach Aserbaidschan oder Russland, die man aufgrund "höherer Gewalt" der Corona-Pandemie hätte hinnehmen müssen, jedenfalls weg. Schließlich haben sich neun Nationen (Deutschland, Ungarn, Spanien, England, Schottland, Niederlande, Dänemark, Russland und Italien) im 24er-Feld der ersten paneuropäischen Spiele qualifiziert und genießen in zumindest zwei Vorrundenpartien Heimvorteil.

Bis 26. Jänner müssen sich Hunderttausende Kartenbesitzer - ursprünglich wurden drei Millionen Tickets aufgelegt - dennoch entscheiden, ob sie diese auch behalten wollen oder gleich (gratis) stornieren möchten. Mit der 50-Kilometer-Grenze ist zumindest die Gefahr einer bedingungslos zu akzeptierenden Verlegung in ein anderes Land relativ gering.

Ob die EM mit Publikum beziehungsweise überhaupt stattfinden kann, entscheidet sich freilich erst im März. Kommt es zu Stadien-Kontingentierungen oder reinen Geisterspielen, dann haben Besitzer von Eintrittskarten jedenfalls vollen Anspruch auf Kostenrefundierung, wenn ein Ticket verfällt - dies galt schon bisher. Zudem hat die Uefa bereits Einlassbedingungen festgelegt - auf Maskenpflicht, Schnell- oder PCR-Tests wird man sich jedenfalls einstellen müssen.