"Selbstvertrauen", hatte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp vor dem Viertrunden-Spiel im FA-Cup gegen Manchester United philosophiert, "ist wie eine kleine Blume. Offenbar ist jemand draufgetreten. Wir müssen eine neue finden."

Es war wenige Tage, nachdem Klopps Liverpool mit dem 0:1 gegen Burnley die erste Liga-Heimniederlage seit April 2017, das vierte Spiel hintereinander ohne Torerfolg sowie die fünfte Partie ohne Sieg hatte hinnehmen müssen. Doch während der Frühling noch auf sich warten lässt, versteckt sich offenbar auch das zarte Pflänzchen namens Selbstvertrauen noch gut unter dem Boden, auf dem die Mannschaft derzeit zu liegen scheint. Im FA-Cup nämlich gab es den nächsten Rückschlag: Mit einem 2:3 gegen den Liga-Spitzenreiter ist jenes Team, das 2019 zum Champions-League- und 2020 zum Premier-League-Titel gerauscht ist, nun schon vor dem Achtelfinale ausgeschieden. In der Meisterschaft trennen die nur noch an vierter Stelle liegenden Reds sechs Punkte von United.

Für Klopp ist dies dennoch kein Grund, Rot zu sehen. "Es ist nicht das, was wir wollten, also ist es frustrierend. Aber wir haben einige Schritte in die richtige Richtung gemacht." Immerhin – wenn man das als positives Zeichen sehen will – ist die Mannschaft zwei Mal durch Mohamed Salah seit Langem wieder einmal zu Torerfolgen gekommen, auch sonst lieferte man eine durchaus ansehnliche Partie, auch wenn Mason Greenwood (26.), Marcus Rashford (48.) und der eingewechselte Bruno Fernandes (78.), der immer mehr zu einer Art Supermaskottchen für United wird, per Freistoß den Sieg für das Team von Ole Gunnar Solskjaer sicherstellten, das es im Achtelfinale mit West Ham United zu tun bekommt. Auch Chelsea (3:1 gegen Luton Town) und Leicester (3:1 bei Brentford ohne Christian Fuchs) schafften den Aufstieg.

Liverpool indessen kann sich nun auf die Champions League und auf die Meisterschaft konzentrieren – und das wird schwierig genug. Im Achtelfinale der Eliteliga hat man mit RB Leipzig einen harten Gegner, in der Premier League scheint eine erfolgreiche Titelverteidigung in immer weitere Ferne zu rücken. Auf Fragen danach angesprochen reagierte Klopp zuletzt zunehmend gereizt. "Wir dumm wäre ich, hier zu sitzen, und vom Titelrennen zu sprechen", hatte er nach der Niederlage gegen Burnley gemeint. "Noch einmal: Wir dumm wäre das?"

Auch Liverpools Langzeitprofi Jamie Carragher, der nunmehr als TV-Experte im Einsatz ist, meinte, man solle sich eher Sorgen um eine Platzierung unter den Top Vier machen als über die Meisterschaft zu sprechen. Ein näherer Blick auf die Tabelle gibt ihm Recht: Dort ist Liverpool nicht nur aktuell Vierter, sondern auch nur einen Punkt vor Tottenham, das zudem ein Spiel weniger ausgetragen hat. Rang sechs hat aktuell Everton inne – mit zwei Zählern, aber auch zwei Partien weniger als die Elf von Klopp.

Dieser bemüht sich dennoch um Durchhalteparolen: "Man braucht sich keine Sorgen um uns zu machen. Wir halten als Team zusammen." Und irgendwann wird es auch an der Anfield Road Frühling werden – und vielleicht keimt dann auch die Blume namens Selbstvertrauen wieder auf.