Vor wenigen Wochen war der FC Bayern das Gespött des DFB-Cups, doch zumindest einem weiteren deutschen Topklub ist das Lachen spätestens an diesem Dienstagabend im Hals stecken geblieben: Denn im Achtelfinale war nun auch für Bayer Leverkusen Endstation – und das sogar gegen einen Viertligisten. Die Leverkusener mit Aleksandar Dragovic mussten sich Rot-Weiß Essen trotz des Führungstreffers in der Verlängerung noch mit 1:2 geschlagen geben.

Die blamierten Leverkusener, die das Spiel lange dominiert hatten, stecken nach zuvor nur vier Punkten aus sechs Bundesliga-Partien in einer echten Krise. Bayern-Bezwinger Holstein Kiel steht dagegen ebenso wie Werder Bremen und Borussia Dortmund im Viertelfinale. Die Partien Wolfsburg gegen Schalke, Leipzig gegen Bochum (beide 18.30 Uhr), Jahn Regensburg gegen Köln und Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach (beide 20.45 Uhr) folgen am heutigen Mittwoch.

Für Leverkusen traf nach einer torlosen regulären Spielzeit zunächst Leon Bailey (105.) nach einem abgerissenen Volleyschuss von Dragovic zwar zur Führung, doch Oguzhan Kefkir (108.) und Simon Engelmann (118.) sorgten dafür, dass Essen auch im 33. Pflichtspiel innerhalb eines Jahres ungeschlagen blieb. Bei den Gästen gab es ratlose Gesichter. Sekunden vor dem entscheidenden Gegentreffer hatten sie noch vergeblich einen Elfmeter reklamiert. Trainer Peter Bosz wollte keine Ausreden finden. "Rasen, Regen, Gegner - alles egal. Wir hätten dieses Spiel hier heute gewinnen müssen", erklärte der Niederländer.

Er und seine Mannschaft waren mit klaren Absichten nach Essen gereist. Nach dem Aus des Titelverteidigers FC Bayern schien die Chance auf den Pokalsieg so groß wie lange nicht mehr. Zwar dominierte der Vorjahresfinalist auch erwartungsgemäß, die Werkself tat sich ohne den am Knie verletzten ÖFB-Teamkapitän Julian Baumgartlinger gegen den Regionalligisten im Spielaufbau auf dem sichtlich ramponierten Rasen aber schwer. Leverkusen traf dann kurz vor Ende der regulären Spielzeit auch nur Metall.

Matchwinner für die Essener war Torhüter Daniel Davari. "Wenn du 0:1 zurückliegst und dann so zurückkommst - das kann ich gar nicht in Worte fassen", sagte der Schlussmann auf Sky. Ausgelassen war freilich auch die Stimmung bei den Fans, die den ungewöhnlichen Triumph ihrer Mannschaft nach dem Spiel mit einem spontanen Autokorso, Hupkonzert und Feuerwerk feierten.

Und schon wieder Haaland

Auch in Dortmund war Dramatik angesagt, ehe die Borussia gegen Paderborn mit 3:2 nach Verlängerung siegte. Die Dortmunder sahen nach raschen Toren von Emre Can (6.) und Jadon Sancho (16.) lange wie die Sieger aus, ehe der Zweitligist durch Julian Justvan (79.) herankam.

Erling Haaland traf dann tief in der Nachspielzeit, auf Intervention des Videoschiedsrichters wurde das Tor des Norwegers aber aberkannt und stattdessen Elfer für Paderborn gegeben. Prince Osei Owusu (97.) glich aus. Haaland holte das Versäumte dann in der fünften Minute der Verlängerung nach. Der Treffer wurde ebenfalls erst nach fast fünfminütigem Videostudium wegen einer möglichen Abseitsstellung gegeben. Danach spielten die Dortmunder das Ergebnis über die Zeit.

Erling Haaland stellte den späten Sieg für den BVB sicher. - © reuters / Frederic Scheidemann
Erling Haaland stellte den späten Sieg für den BVB sicher. - © reuters / Frederic Scheidemann

Werder Bremen mit Marco Friedl und Romano Schmid eliminierte beim 2:0 gegen Greuther Fürth einen Zweitligisten. Weiter ist auch Bayern-Bezwinger Holstein Kiel. Im Zweitliga-Duell mit Darmstadt setzten sich die Norddeutschen zu Hause im Elfmeterschießen mit 7:6 durch, auch Bayern hatte man im Elferschießen niedergerungen. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung war es 1:1 gestanden.

Mathias Honsak spielte bei den Gästen durch, in der Elferentscheidung scheiterte der Wiener bei seinem Versuch dann an Kiels Torhüter Ioannis Gelios. Insgesamt 18 Spieler traten im Elferschießen an. Neben zwei Kielern verschossen neben Honsak noch zwei weitere Darmstädter.

Nagelsmann gewarnt

Die bisherigen Cup-Überraschungen haben freilich auch die anderen verbliebenen Titelasprianten gewarnt. "Es sind immer noch sehr gute Teams dabei, die auch sehr gerne den Pokal gewinnen wollen würden und die man aus dem Weg räumen müsste", sagte Leipzig-Coach Julian Nagelsmann schon am Dienstag und vor dem Duell mit Zweitligist Bochum.

Die Titelsehnsucht bei den Sachsen ist freilich groß, es wäre ein weiterer Meilenstein in der noch jungen Vereinsgeschichte. Leipzig hat zwar nach der Übernahme durch Red Bull einen beeindruckenden Durchmarsch geschafft und steht nun schon zum dritten Mal in der Champions League, in der man es im Achtelfinale mit niemand Geringerem als Ex-Champion Liverpool zu tun bekommt (16. Februar und 10. März); einen Titel hat der Klub aber seit seinem Bestehen in der Bundesliga noch nicht gefeiert.

Leipzig-Coach Julian Nagelsmann. - © afp / Ronny Hartmann
Leipzig-Coach Julian Nagelsmann. - © afp / Ronny Hartmann

Genau das fehlt aber, um in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs einzugehen. "Natürlich wollen wir auch im DFB-Pokal versuchen, Titel zu holen. Meine Jungs sind intelligent genug, um selbst zu verstehen, worum es am Mittwoch geht: Es ist ein K.o.-Spiel", sagt Nagelsmann. Der Fokus ist also vorhanden - nach den Warnungen aus den anderen Partien vielleicht noch ein bisschen mehr. (art/apa)