Es gibt günstigere Ausgangssituationen für ein Bundesligamatch der Giganten, so wie es für Sonntag (14.30 Uhr) in der Bullen-Arena in Salzburg auf dem Programm steht. Wobei hier die Sorgenfalten vermutlich eher auf der Stirn von Salzburg-Coach Jesse Marsch denn von Rapids Didi Kühbauer zu suchen sind. Den Hintergrund bieten zwei schlechte Nachrichten, mit denen der Serienmeister sportlich wie mental nun umgehen muss - und dabei hängen beide Themen auch wieder irgendwie zusammen.

Die erste gar nicht so frohe Botschaft stammt von der Uefa-Disziplinarkommission aus Nyon. Sie hat Donnerstagabend, zwei Stunden vor Anpfiff des Sechzehntelfinal-Hinspiels der Europa League gegen Villareal, über die Salzburger Spieler Sekou Koita und Mohamed Camara eine dreimonatige Sperre wegen Dopings verhängt. Die beiden Teamspieler aus Mali, die nun bis Mai an keinem nationalen und internationalen Bewerb auf Klub- und Nationalteam-Ebene teilnehmen dürfen, hatten bei einem Länderspielaufenthalt ein verbotenes Mittel gegen Höhenkrankheit verabreicht bekommen. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr hatte das Duo bei einer Routineüberprüfung der Uefa eine positive Probe abgegeben. Die nationale Anti-Doping-Agentur und der Verein prüfen den Fall und überlegen jeweils eine Berufung.

Koitas und Camaras Ausfall bedingte sodann zumindest teilweise die zweite schlechte Nachricht - die 0:2-Niederlage der Rot-Weißen gegen Villareal, weswegen Marsch und Co. nun um den Verbleib im Europacup bangen müssen. Österreichs Meister benötigt am Donnerstag zumindest zwei Tore, um das Aus zu verhindern. Anderenfalls droht sich die Geschichte zu wiederholen: Schon im Vorjahr waren die Salzburger nach dem Umstieg von der Champions League als Gruppendritter in der ersten K.o.-Runde der Europa League gleich gescheitert. Damals gab es ein 1:4 und 2:2 gegen Adi Hütters Eintracht Frankfurt.

Wiedergutmachung gefordert

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Bundesligaduell gegen Verfolger Rapid also eine besondere Brisanz. Nur drei Zähler trennen die Salzburger von den Wienern, die mit einem Sieg aufgrund des Torverhältnisses zwar nicht die Tabellenspitze erobern, aber zumindest nach Punkten gleichziehen könnten. Marsch ist sich der Bedeutung des Spiels bewusst - und drängt daher auf unbedingte Wiedergutmachung: "Nach so einem Spiel wie gestern, wo die Enttäuschung groß ist, ist es gut, wenn man gleich wieder ein großartiges Spiel hat", sagte der Amerikaner. "Wir brauchen eine gute Leistung, müssen hellwach sein und bereit sein zu kämpfen. Das ist immer so gegen Rapid", sagte Marsch. In dieselbe Kerbe schlug auch Zlatko Junuzovic: "Rapid spielt eine gute Saison, ist konstant in den Ergebnissen. Sie haben auch eine gute Mentalität und wissen, was ihre Aufgaben sind."

Für Rapid-Trainer Kühbauer ist diese Aufgabe jedenfalls klar: drei Punkte holen und den Meistertitel im Auge behalten. "Es kann schon helfen, wenn du hinfährst und ein gutes Ergebnis erzielst. Das kann neue Kräfte freisetzen", erklärte der 49-Jährige. Kühbauer wies darauf hin, dass noch die Punktehalbierung ansteht und es noch Unwägbarkeiten durch Verletzungen gebe. "Aber es würde uns im Kopf helfen, wenn wir ein gutes Resultat erzielen." Allerdings: Zwei der jüngsten drei Kräftemessen mit den Salzburgern endeten mit einem Debakel. Im vergangenen Juni setzte es ein Heim-2:7, im Dezember verlor Rapid im Cup-Achtelfinale 2:6. Dazwischen wurde ein 1:1 erreicht.(rel)