Das Ergebnis war klar, die Botschaft ebenso. Nicht nur dank eines entfesselten Triple-Packers Patson Daka hat Fußball-Serienmeister Red Bull Salzburg am Sonntag mit dem 4:2 im Ligaschlager gegen Verfolger Rapid ein klares Statement im Titelkampf abgegeben. Die Überlegenheit gegen den vermeintlichen Herausforderer war deutlich und konnte auch als Antwort auf das 0:2 drei Tage zuvor gegen Villarreal gewertet werden. National jedenfalls bleibt man der klare Maßstab.

Sechs Punkte rangiert Salzburg nun vor dem ersten Verfolger Rapid, angesichts der vier Runden entfernten Punkteteilung lag die Schönheit des Abends für Trainer Jesse Marsch aber in einem anderen Umstand. "Wichtiger als die Tabelle ist für mich einfach das Gefühl, dass wir gegen den stärksten Gegner so dominant agieren konnten", befand Marsch, der den souveränen Auftritt nach der Enttäuschung im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League umso höher bewertete. "Wir haben diese gute Reaktion auch gebraucht", betonte der US-Amerikaner, dessen Elf am Donnerstag in Villarreal einen echten Kraftakt benötigt.

Der Auftritt am Sonntag darf jedenfalls Hoffnung machen, auch wenn der Vergleich hinke, wie Marsch meinte. Ohne die wegen Dopings gesperrten Sekou Koita und Mohamed Camara, ohne den nach wie vor angeschlagenen Maximlian Wöber und mit einer personellen Änderung kurz vor Anpfiff - Brenden Aaronson kam für den verletzten Noah Okafor: Salzburg ließ sich auch dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Und so durfte sich das mit einigen Hoffnungen angereiste Rapid nur wenige Sekunden lang im Glück wähnen. Taxiarchis Fountas hatte nach schnellem Konter zum vermeintlichen 1:0 getroffen (28.), eine fragwürdige Abseitsentscheidung verhinderte aber echten Jubel und machte den Weg frei für den klaren Sieg der Gastgeber.

Denn abgesehen von etwa 20 Minuten Mitte der ersten Hälfte hatte Salzburg die Partie völlig im Griff - dank viel Aggressivität und dank überbordender Offensivkraft, die Rapid überforderte. Neben Daka, der mit seinen drei Treffern zum 1:0, 2:0 und 3:0 (30., 64., 70.) im Alleingang die Entscheidung herbeiführte, tat sich Mergim Berisha als vierfacher Assistgeber für Daka beziehungsweise den eingewechselten Karim Adeyemi (92.) hervor, auch Aaronson zeigte auf. Daka übernahm in der Torschützenliste mit nunmehr 16 Saisontreffern die Führung von Teamkollege Koita (14).

"Kein Kontakt mit anderem Verein"

"Es war ein dominanter Abend für uns, ein extrem wichtiger Moment in dieser Saison", sagte Marsch, der auf "Sky" sämtlichen Gerüchten, er könne im Sommer bei Mönchengladbach Nachfolger seines Salzburg-Vorgängers Marco Rose werden, vehement entgegentrat. "Ich habe nichts von Gladbach gehört. Ich habe keinen Kontakt mit einem anderen Verein gehabt. Das Tor ist geschlossen. Ich arbeitete hier in Salzburg."

Und geht es nach Rapid-Coach Dietmar Kühbauer, muss sich sein Kollege keine Sorgen machen, im Sommer mit leeren Händen dazustehen. Die leisen Hoffnungen, den Serienmeister heuer "packen" zu können, sind aktuell begraben. "Letztlich müssen wir die Stärke Salzburgs akzeptieren", erklärte ein etwas ernüchterter Kühbauer und blickte auf die jüngsten Begegnungen zurück, bei denen nur das 1:1 im ersten Duell dieser Saison als kleines Erfolgserlebnis gelten kann. "Wir haben schon so viel probiert gegen Salzburg, aber letztlich war Salzburg immer besser", sagte Kühbauer.

Im jüngsten Duell sei es "nicht gelungen, was wir vorhatten, das Zentrum zu schließen, da sind sie unglaublich gefährlich und irrsinnig schnell", analysierte der Burgenländer. "Wir haben die Bälle zu schnell verloren. Die Mannschaft hat einfach zu wenig Ideen und nicht den Mut gehabt, auch die Zweikampfstärke war nicht so vorhanden."

Einzig das vermeintliche Fountas-Tor hätte die Partie laut Kühbauer "eventuell retten können. Im Gegenzug fällt das Gegentor, dann ist es hier sehr, sehr schwer." Auch die Hereinnahme von Srdan Grahovac für Fountas zur Pause habe nichts gefruchtet. "Auch dann hat die Mannschaft nicht das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben."

Allzu hart ins Gericht wollte er mit seiner Truppe nach der ersten Niederlage 2021 aber nicht gehen. "Ich habe die Mannschaft für befähigt befunden, dass sie hier ein gutes Spiel abliefern kann", meinte Kühbauer und betonte: "Wir können es besser." Allerdings sei Salzburg eben der Ligakrösus. "Sie haben einfach eine unglaubliche Qualität, sie haben für Okafor elf Millionen ausgegeben. Das habe ich in meiner gesamten Zeit, seit ich bei Rapid bin, nicht ausgegeben", meinte er.

Um Salzburg vom Thron zu stoßen, bräuchte man "einen Flow wie damals Austria Wien (2012/13, Anm.), aber die Schere ist gegenüber damals weiter aufgegangen, weil es Salzburg über Jahre hinweg gut gemacht hat", so Kühbauer. "Sie haben über 32 Runden hinweg die besten Möglichkeiten." (apa)