Vorbei ist es erst nach 90 Minuten. Oder im Europacup auch erst nach 120 - eventuell gar nach einem Penaltyschießen. "Wir werden unsere Chancen bekommen", tönte Salzburg-Mittelfeldmotor Zlatko Junuzovic darob nach der ernüchternden Hinspiel-Heimpleite gegen Villarreal. Ein 0:2 gegen eine spanische Spitzenelf in der Fremde aufzuholen - das klingt normalerweise nach einer Mission impossible. Auch für andere Klubs, nicht bloß den österreichischen Serienmeister und Europa-League-Spezialisten, der trotz allem - Verletzungsmisere hin, Kaderausdünnung her - am Donnerstag (18.55 Uhr/Puls 4 und Dazn) in Castellón den Achtelfinaleinzug noch schaffen will. Was anderes sollte man sonst auch von gestandenen Profis aus der Red-Bull-Fußballabteilung hören?

Der Papierform nach dürfte aber eher Schluss sein mit der rot-weiß-roten Europacup-Herrlichkeit in dieser Saison, nachdem auch der WAC am Mittwoch gegen Tottenham seine Abschiedsvorstellung in der K.o.-Phase gegeben hat (0:4 im Rückspiel nach 1:4 im Hinspiel). Immerhin gab die jüngst gezeigte Galavorstellung gegen Verfolger Rapid der Red-Bull-Truppe gehörigen Auftrieb: "Das war perfekt für uns, eines unserer besten Saisonspiele", schwärmte Coach Jesse Marsch vor dem Abflug nach Spanien. Doch um das "Gelbe U-Boot" Villarreal noch versenken zu können, bedarf es freilich noch mehr - oder wie es der US-Amerikaner ausdrückte: "Wir müssen noch besser spielen."

So groß die Enttäuschung nach der etwas dürftigen Vorstellung vor einer Woche auch war, so überzeugt demonstrierte man nun Optimismus, das Duell noch drehen zu können. Schließlich lieferten Andreas Ulmer und Co. am Sonntag beim 4:2 im Ligaschlager gegen Rapid eine wahre Machtdemonstration ab. "Wie es gehen kann, haben wir ja gegen Rapid gezeigt", betonte Mittelfeldmann Antoine Bernede. "Aus diesem Spiel können wir nicht nur Selbstvertrauen schöpfen, darauf müssen wir aufbauen - und noch zulegen."

Kompaktheit und Balance erforderlich

Marsch ließ keine Zweifel erkennen, dass das auch möglich ist. Man sei im Hinspiel "nicht mit all unserer Power" aufgetreten. "Das müssen wir schaffen." Er erhoffe sich einen "guten, aggressiven Start", der dem in La Liga weiterhin schwächelnden Tabellensechsten (zuletzt fünf Remis und eine Niederlage), gleich zeigen soll, wohin die Reise geht. Marsch mahnte aber auch zu Besonnenheit. "Es ist nicht nötig, das Spiel in den ersten Minuten zu gewinnen", betonte der US-Amerikaner. "Es ist einfach wichtig, gut im Spiel drinnen zu sein."

Die Herausforderung werde sein, die richtige "Balance zwischen der Aggressivität gegen den Ball und dem Schutz unseres Tors" zu finden, merkte der 47-Jährige an. Dem Ballbesitzfußball und der Cleverness der Truppe von Erfolgscoach Unay Emery (dreifacher Europa-League-Gewinner mit dem FC Sevilla) will man diesmal mit mehr Wucht beikommen. "Wir waren im Pressing nicht aggressiv genug. Mit unserem Anlaufen haben wir besonders in der gegnerischen Hälfte nicht so viele Bälle gewonnen", befand Marsch, der sich zudem mehr Kompaktheit zwischen den Linien und erhöhte Gefahr bei Standards wünschte.

Respekt von
Unay Emery

Hoffnung könnte auch geben, dass die Salzburger zuletzt in der Champions League auswärts durchwegs besser auftraten als in der Bullen-Arena - sowohl gegen die Bayern als auch Atletico, und natürlich beim einzigen Sieg in Moskau. Personell hat Marsch allerdings nicht allzu viele Optionen. Bernardo (Knie) und Noah Okafor (Adduktoren) fallen verletzt aus, Mohamed Camara und Sekou Koita waren schon knapp vor dem Hinspiel am vergangenen Donnerstag wegen Dopings für drei Monate gesperrt worden. Und Maximilian Wöber steht "maximal für 60 Minuten" bereit.

Emery wiederum sprach von einem "gefährlichen Gegner" und forderte seine Truppe zu "Respekt" auf. "Die ersten 90 Minuten haben ihnen wehgetan. Sie werden stark und massiv reagieren", meinte der 49-Jährige am Mittwoch. "Salzburg ist sehr gut im Umschaltspiel, wir müssen uns gut positionieren und dürfen ihnen keine Freiräume geben." Das Hauptaugenmerk liege freilich auf dem Abschneiden in der spanischen Meisterschaft: "Die Liga ist der wichtigste Wettbewerb."