Irgendwie hat man das alles schon einmal gehört. Das ändert freilich nichts daran, dass sich die Zukunftsaussichten bei der Austria mit der Präsentation des neuen Investors, der international agierenden und für Lifestyle-Produkte bekannten Insignia-Gruppe, massiv verbessert haben. Man wolle damit die wirtschaftliche Basis und die Rahmenbedingungen schaffen, um auf die europäische Bühne zurückzukehren, verlautete Vorstand Markus Kraetschmer bei der Präsentation am Donnerstag. Man glaube an das "Potenzial der Austria, eine der besten und bedeutendsten Marken im internationalen Fußball zu werden", sagte Insignia-Vizepräsident Luka Sur gar. Für ein Engagement seines Unternehmens gebe es "keine bessere Stadt und keinen besseren Verein als die Austria", meinte er. Und es hätte für die Austria, deren finanzielle Probleme seit Monaten Thema sind, wohl kaum eine bessere Gelegenheit geben können, die neue Partnerschaft zu verkünden, als unmittelbar vor dem Wiener Derby am Sonntag (17Uhr) gegen Rapid.

Doch die hochtrabenden Prophezeiungen sind Zukunftsmusik, wie gesagt. Immerhin ist es besser als die jüngere Vergangenheit, als die Möglichkeit der Klub-Pleite im Raum stand, aber noch immer ist es kein Hinweis auf die Gegenwart. Denn anstatt um den Europacup kämpft die Austria derzeit um einen Platz "über dem Strich", sprich in der Meistergruppe der tipico-Bundesliga. Vor der 20. Runde liegen die Favoritner nur auf dem achten Platz, mit dem 2:0-Sieg über St. Pölten am vergangenen Wochenende hat die Mannschaft von Peter Stöger zumindest einen weiteren Schritt in die richtige Richtung unternommen. Doch schon das nächste Spiel wird nicht nur sportlich brisant. Am Sonntag empfängt die Austria Rapid Wien zum Derby - und die Hütteldorfer haben zumindest in dieser Saison gezeigt, dass sie - momentan - doch die sportlich bessere Adresse im Wiener Fußball sind. Mit 40 Punkten - zwölf Siegen bei erst drei Niederlagen - ist Rapid Titelverteidiger Salzburg bis auf drei Zähler nahe und damit als Zweiter am knappsten auf den Fersen, der Vorsprung auf die Austria (24 Punkte - sechs Siege, sechs Remis, sieben Niederlagen) ist beträchtlich.

Stöger sieht die Ausgangslage pragmatisch: "Rapid spielt eine ordentliche Meisterschaft. Die Qualität, die sie im Stande sind abzuliefern, wird in der Regel auch gezeigt. In dem Bereich haben wir uns auch ein bisschen stabilisiert. Es ist alles stimmiger geworden, wir sind mehr zu einer Einheit geworden", meinte der Austria-Coach. Über seine eigene Zukunft will er momentan noch nicht allzu viel sagen. Während die Klubführung am Donnerstag noch deutliche Signale sandte, dass er als Trainer und "Entwickler" bleiben soll, gab sich dieser schon deutlich zurückhaltender. Er sei "froh, dass wir das geschafft haben", betonte er hinsichtlich der neuen Partnerschaft, man müsse aber auch "schauen, wie die Strukturen ausschauen". Dass die Ziele hoch gesteckt seien - immerhin war am Donnerstag auch von der Champions League die Rede -, betrachtet er als legitim, doch er gab auch zu bedenken: "Die Erwartungshaltung ist in den meisten Fällen höher, als es in der Realität erreicht werden kann." Auch er hat derlei schließlich schon oft gehört.(art)