Dieser Champions-League-Abend wird vielleicht in die Geschichte eingehen: Nicht, weil es an diesem Dienstagabend, dem ersten Achtelfinal-Rückspieltag, überbordend spannend gewesen wäre oder weil es eine Europacup-typische Aufholjagd gegeben hätte, nein, vielmehr könnte dieser 9. März 2021 so etwas wie eine Wachablöse der Königsklassen-Superstars markieren. Die Rede ist von Erling Haaland auf der einen und Cristiano Ronaldo auf der anderen Seite: Hier der norwegische Jungstar, der seinen BVB fast im Alleingang und wieder per Doppelpack ins Champions-League-Viertelfinale geschossen hat, dort der portugiesische Superstar a. D., der mit Juventus neuerlich am Projekt Königsklassen-Triumph gescheitert ist; hier der strahlende jugendliche Held (20), dort der gefallene Star (36), der mit einem Anfängerfehler sogar das späte K.o. der Italiener besiegelte.

Auch wenn die Fußballschuhe des portugiesischen Nationalhelden übergroß erscheinen - wenn jemand in nächster Zeit Ronaldos Champions-League-Rekorde brechen könnte, dann am ehesten Haaland: Fünf Titel und sagenhafte 134 Königsklassentreffer stehen in den Annalen, doch wenn der Norweger so weitermacht, kann er diese Marken durchbrechen. Nach dem spektakulären 2:2 gegen Sevilla hält der Ex-Salzburger bereits bei 20 Toren in nur 14 Champions-League-Partien - als erster Profi überhaupt traf er bei vier Einsätzen in Folge doppelt. "Er wird eine Ära prägen", sagte Sevilla-Coach Julen Lopetegui anerkennend nach dem Aus der Andalusier. "Erl ist herausragend. Das macht uns stolz, dass er den Rekord in unserem Trikot weiterführt", schwärmte BVB-Trainer Edin Terzic, der sich freilich auch ärgern musste, dass die Borussen einen 2:0-Vorsprung noch aus der Hand gegeben hatten und es so am Ende noch hektisch wurde.

Cristiano Ronaldo, gezeichnet vom Ausscheiden der Turiner. - © reuters / Massimo Pinca
Cristiano Ronaldo, gezeichnet vom Ausscheiden der Turiner. - © reuters / Massimo Pinca

Die Ruhe bewahrte dafür wieder der coole Norsker, was diesmal gar nicht so leicht war. So sorgte das Wortduell zwischen Haaland und Sevilla-Goalie Yassine Bounou nach gut 50 Minuten für Aufregung. "Ich war vor dem zweiten Elfmeter ein bisschen nervös", erzählte der Top-Torschütze der laufenden Saison. "Aber als er mich nach dem ersten Elfmeter angeschrien hat, dachte ich, es wäre umso besser, noch ein weiteres Tor zu schießen." Tatsächlich sorgte die Szene für viel Gesprächsstoff: Haaland hatte nach robustem Körpereinsatz schon sein 2:0 bejubelt - doch statt Tor gab es Penalty. Der 20-Jährige verschoss, wurde von Bounou angeschrien, profitierte aber von dessen verfrühter Bewegung und durfte noch einmal antreten. Diesmal verwertete Haaland und revanchierte sich auch mit Worten beim Goalie. "Danach habe ich ihm dann das gesagt, was er zu mir gesagt hat, nachdem ich den ersten Elfmeter verschossen hatte. Vielleicht ist das Karma." Für seine Bemerkung erhielt Haaland die gelbe Karte.

Ronaldo dreht sich weg

Während die Dortmunder den ersten Viertelfinaleinzug seit 2017 bejubeln, ist Juventus mit Ronaldo auch im dritten Anlauf Richtung europäischer Krone früh gescheitert. Da auch der Scudetto heuer außer Reichweite scheint, könnte die alte Dame das Kapitel Ronaldo vorzeitig schließen. Zumal er von seinen Glanzzeiten weiter entfernt scheint, als er es selber wahrhaben will. Wie beim 1:2 im Hinspiel in Porto blieb er insgesamt farblos - und hatte dann in der Verlängerung großen Anteil am entscheidenden Ausgleichstreffer zum 2:2 der Portugiesen (115.). Beim Freistoßtreffer von Oliveira drehte sich Ronaldo in der Mauer weg und öffnete die Beine, sodass der Ball im Gehäuse des unglücklichen Wojciech Szczesny einschlug. Das anschließende 3:2 durch Adrien Rabiot kam zu spät. Und somit wurde CR7 zum Buhmann der Tifosi: "Eine Nacht zum Vergessen", titelte der "Corriere dello Sport"; "So oft der zusätzliche Mann, diesmal war Juventus einer weniger", urteilte der "Corriere della Sera".