Eine Katastrophe war es nicht, eine Krise ist aber nicht zu leugnen - und das gilt nicht nur für das Achtelfinal-Rückspiel des FC Barcelona gegen Paris Saint-Germain, in dem mit einem 1:1 nach einer 1:4-Niederlage aus dem Hinspiel das Ausscheiden besiegelt wurde, sondern für die Lage des einst so stolzen Vereins insgesamt. Hatte im Vorjahr das Wechseltheater um Superstar Lionel Messi die blau-granatrote Welt dunkel gefärbt, sind es jetzt die finanziellen und juristischen Turbulenzen, in die der Klub geschlittert ist. Erst am Wochenende war Joan Laporta, schon 2003 bis 2010 Präsident des Vereins, als neuer, alter Chef gewählt worden, nachdem die Ära von Josep Maria Bartomeu eher unrühmlich zu Ende gegangen war - mitsamt Vorwürfen, er hätte es sich mit Messi und Co. verscherzt, sowie einer Festnahme wegen des Verdachts auf Missmanagement und Korruption.

Messi war indessen auch der große Verkaufsschlager Laportas. Schon nach seiner Wahl sagte der 58-jährige Rechtsanwalt, Politiker und leidenschaftliche Unterstützer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung: "Vor zwanzig Jahren gab ein kleiner Bub namens Leo Messi sein Debüt in der Jugendmannschaft von Barca. Zu sehen, dass der beste Spieler der Welt zur Abstimmung kommt, ist ein klares Zeichen dafür, was wir immer wieder sagen: Leo liebt Barca. Der beste Spieler der Welt liebt Barca, und ich hoffe, das ist ein Zeichen dafür, dass er in Barcelona bleiben wird, was wir alle wollen."

Zudem angelt Laporta schon im internationalen Spielerteich, Treffen mit Österreichs Fußball-Star David Alaba beziehungsweise dessen Beratern sollen schon stattgefunden haben. Auch Messi hatte bei seinen Wechselgedanken immer wieder anklingen lassen, es gehe ihm darum, dass die Mannschaft verstärkt werde, nur dann werde - so ist sinngemäß herauszuhören - der Argentinier wohl seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern. Doch genau das könnte sich schwierig gestalten. Zwar führt Barcelona nach wie vor die Rangliste der umsatzstärksten Klubs der Welt an - 715 Millionen waren es laut dem Football Money Report des Wirtschaftsprüfers Deloitte im Geschäftsjahr 2019/20 -, doch die Verbindlichkeiten sind enorm. Zuletzt wies Barca eine Bruttoverschuldung von mehr als 1,4 Milliarden Euro (1,67 Milliarden US-Dollar) und eine Nettoverschuldung von 488 Millionen Euro auf, eine Pleite steht nach wie vor im Raum. Dass abgesehen von den Einnahmen aus dem Ticketing sowie den Einbußen beim Marketing nun auch jene aus dem Europacup wegfallen, macht die Sache nicht einfacher - und einen Abgang Messis, der im Sommer ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln kann, immer wahrscheinlicher.

Und das wiederum würde die aktuelle Krise verschärfen. Denn noch immer ist es Messi, der am verlässlichsten für die Akzente sorgt, am Mittwoch erzielte er ein Tor (Kylian Mbappe hatte davor für PSG getroffen) und hatte auch die Chance auf den Sieg am Fuß. Gereicht hätte freilich auch das nicht, wie es auch in der nationalen Liga heuer nicht zu reichen scheint. Nach 26 Runden fehlen Barca sechs Punkte auf Spitzenreiter Atletico; da ist es auch kein Trost, dass Erzrivale Real weitere zwei Punkte dahinter rangiert. Eine Katastrophe? Nun, angesichts der Tatsache, dass Barca in dieser Saison schon weiter zurücklag, nicht. Eine Krise aber wohl.