Europacupchance oder Abstiegskampf - am Sonntag fällt in der vorletzten Runde des Grunddurchgangs der Tipico-Bundesliga wohl eine Vorentscheidung über die sechs Teilnehmer an der Meistergruppe; und jene sechs Klubs, die sich im Frühjahr in der Qualifikationsgruppe nach unten orientieren müssen. Besonders zwei Duelle stehen dabei am Sonntag (jeweils 17 Uhr) im Fokus.

Schauplatz Graz: Für die Wiener Austria (mit dem neuen Sponsor Insignia) könnte die Ausgangslage vor der Reise nach Graz nicht klarer sein: Alles andere als ein voller Erfolg beim Tabellenvierten Sturm wäre für die Violetten gleichbedeutend mit dem Ende der Hoffnungen auf den Sprung in die Meistergruppe. Selbst bei vollen Erfolgen in den abschließenden beiden Runden des Grunddurchgangs - kommende Woche geht es daheim noch gegen den WAC - ist die Austria auf fremde Hilfe angewiesen.

Im Idealfall stünden die Violetten am Sonntagabend mit einem Auswärtssieg aber sogar auf dem erhofften Rang sechs. Dafür müsste Hartberg bei Rapid verlieren und WSG Tirol in Wolfsberg nicht gewinnen. Austria-Sportchef Peter Stöger unterstrich das Wesentliche: "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir zweimal gewinnen müssen, um noch eine Chance auf die Meistergruppe zu haben."

Das erste Saisonduell ging in Wien mit 4:0 klar an die Steirer. Sturm schoss dabei allerdings ab der 70. Minute drei Tore, nachdem die Austria nach Rot für Dominik Fitz dezimiert war. Stöger sah die Partie deshalb nicht unbedingt als Maßstab. "Wir sind jetzt stabiler in unserem Spiel als bei unserem ersten Duell mit Sturm", meinte er. Er erwarte am Sonntag "eine vollkommen offene Partie". Dies verdeutlichen auch die jüngsten Ergebnisse: In der Rückrunde hat die Austria 15 Punkte gesammelt und damit zwei mehr als Sturm.

Christian Ilzer reagierte vor dem Wiedersehen mit seinen ehemaligen Schützlingen auf Fragen zur Austria eher zurückhaltend. Das Trainerteam befasse sich natürlich mit dem Gegner, er wolle aber nicht zu sehr darauf eingehen. "Ich habe genügend mit meiner Mannschaft zu tun. Wir wollen am Sonntag ein richtig gutes Spiel machen, darauf ist mein Fokus gerichtet", sagte Ilzer, der vor einem Jahr noch bei den Wienern an der Seitenlinie stand. "Das erste Duell in dieser Saison war für mich persönlich brisanter. Jetzt ist es ein Spiel wie jedes andere und gefühlt eine Ewigkeit her", meinte er auf seine persönliche Gefühlslage vor dem Spiel angesprochen.

Nachdem zuletzt nach Klagenfurt ausgewichen werden musste, darf Sturm wieder in der heimischen Merkur-Arena antreten. Der Rasen wurde in einem ersten Schritt vorerst an den schwerer mitgenommenen Stellen ausgebessert. Eine gute Kunde waren in dieser Woche auch die Vertragsverlängerungen mit Jakob Jantscher und Stefan Hierländer. Das in der Stammelf gesetzte routinierte Duo bleibt vorerst bis 2023. "Das zeigt, wie gut der Verein arbeitet, dass offene Fragen sehr schnell gelöst werden", so Ilzer.

Schauplatz Wolfsberg: Ähnlich brisant geht es in der Lavanttal-Arena zu, wo ein direktes Duell mit Finalcharakter steigt: Im Falle eines Sieges über die WSG Tirol würde der fünftplatzierte Gastgeber WAC den Grunddurchgang fix unter den Top Sechs abschließen; der Tabellensiebente aus Wattens benötigt indes dringend Punktezuwachs, um die realistische Chance auf das obere Play-off zu wahren.

WAC-Coach Roman Stary feierte in der Vorwoche mit dem 4:0 in Ried ein überaus gelungenes Debüt und hofft nun auf einen ähnlich starken Auftritt seines Teams. "Ich war überglücklich über den Sieg, weil es mich für die Mannschaft gefreut hat. Es war wieder Sicherheit zu spüren", sagte der 47-Jährige. Der Nachfolger von Ferdinand Feldhofer führte seit seinem Amtsantritt viele Gespräche mit den Profis und kehrte zur Mittelfeldraute zurück - diese Maßnahmen zeigten unmittelbar Wirkung. "Es ist wieder eine gewisse Leichtigkeit da", erklärte Stary. Der Wiener will die aktuelle Wohlfühlstimmung nicht dadurch stören, seine Kicker zu sehr unter Druck zu setzen. "Mir ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass wir es selbst in der Hand haben und ein Finale gegen die Austria vermeiden können."

WSG-Trainer Thomas Silberberger kündigte jedenfalls volles Karacho beim WAC an. ",Do or die‘ lautet die Devise. Ein Unentschieden bringt uns nicht wirklich weiter. Wir müssen im Lavanttal gewinnen, um wieder eine Chance auf die Meistergruppe zu haben. Dann wird die letzte Runde zum Herzschlagfinale", sagte der Tiroler. Die Bilanz lässt die Tiroler jedenfalls hoffen - in den bisherigen drei Liga-Duellen mit dem WAC wurden zwei Siege und ein Remis geholt. In der Tabelle liegt man vier Punkte hinter den Wolfsbergern, zwei hinter dem Sechsten Hartberg und einen Zähler vor der achtplatzierten Austria.•  (apa/may)