Was im Europacup reibungslos funktioniert, geht in der WM-Qualifikation offenbar gar nicht. Die Rede ist von Spielortverlegungen bei Heimrecht, wenn Spielern des Gastteams wegen der Reise ins Corona-Mutationsgebiet Großbritannien hernach längere Quarantäne droht. Budapest und Bukarest wurden so zuletzt in der Champions League zu Ersatz-Heimspielstätten englischer Fußballklubs – doch für das schottische Nationalteam ist derlei Entgegenkommen in der WM-Qualifikation kein Thema. Und daher muss die österreichische Fußball-Nationalmannschaft am 25. März wohl oder übel mit einer Rumpfelf in Glasgow antreten, weil nach derzeitigen Bestimmungen allen Deutschland-Legionären ein 14-tägiger Heimarrest bevorstünde. Und da die Arbeitgeber laut neuem Fifa-Reglement dann keine Spieler mehr an die Nationalteams abstellen müssen, werden David Alaba und Co. Franco Foda zum Auftakt des Rennens um die Teilnahme an Katar 2022 wohl fehlen. "Der schottische Verband hat im Dialog mit dem ÖFB zwar Verständnis für die Situation geäußert, jedoch trotz der erläuterten Abstellprobleme auf Glasgow als Spielort bestanden", verlautete der ÖFB am Montag.

Handhabe gegen das Vorgehen der Schotten – die drei Tage später in Israel spielen und daher vielleicht einen Spielort auf dem Weg dorthin hätten vorschlagen können – gibt es seitens des ÖFB nicht. Wirkliche Kritik auch (noch) nicht, möglicherweise erst dann, wenn Foda am Freitag bei der Kaderbekanntgabe Journalistenfragen beantworten wird. Es wird jedenfalls ein noch nie dagewesener Großkader sein, denn für die anschließenden Partien in Wien am 28. März gegen die Färöer und am 31. März gegen Dänemark kann Foda wieder aus dem Vollen schöpfen und auch die Deutschland-Legionäre einberufen. In Glasgow indes wird – nach derzeitigem Stand – der gesamte Stamm fehlen: außer Bayern-Star Alaba noch Marcel Sabitzer, Martin Hinteregger, Xaver Schlager, Stefan Lainer, Aleksandar Dragovic, Christoph Baumgartner und Stuttgarts Senkrechtstarter Sasa Kalajdzic. Insgesamt fehlen rund 20 potenzielle Teamkandidaten.

Ein mögliches Alternativszenario hat der ÖFB übrigens verworfen: Zur Diskussion stand nämlich auch ein Tausch des Heimrechts, also das Spiel in eineinhalb Wochen in Österreich auszutragen – und dann erst im September in Schottland anzutreten. Dieser Plan hätte zunächst die Zustimmung der Fifa benötigt und danach eine Ausnahmegenehmigung, weil es derzeit in Österreich ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien gibt. "Es gab in dieser Situation keine zufriedenstellende Option", erklärte Foda. "Wir haben unsere Entscheidung mit Blick auf die gesamte Qualifikations-Kampagne getroffen. Bei einem Tausch des Heimrechts hätten wir im September drei logistisch herausfordernde und strapaziöse Auswärtsspiele innerhalb eines Lehrgangs in Moldau, Israel und eben Schottland bestreiten müssen. Zudem hoffen wir im Herbst wieder auf einen echten Heimvorteil mit unseren Fans im Rücken", erläuterte der Teamchef. Ab jetzt gelte es, nach vorne zu schauen und den Qualifikations-Auftakt bestmöglich zu bestreiten. "Für uns ist wichtig, dass die Entscheidung getroffen ist. Jetzt gilt es den Fokus auf die Dinge zu legen, die wir beeinflussen können", sagte der Deutsche.

Strohhalm Ausnahmeregel

Zudem klammert man sich an einen Strohhalm, dass nämlich die deutschen Klubs für die Teamspieler mit den jeweiligen Behörden Sondergenehmigungen aushandeln. Dies ist allerdings eine trügerische Hoffnung – denn die Vereine haben in der Pandemie ohnedies keine Freude, wenn ihre Akteure auf Wanderschaft gehen müssen und sich womöglich (wie mehrmals geschehen) infizieren.

Dass die deutsche Verordnung jedoch ziemlich grotesk ist, beweist folgende Tatsache: Gladbach bestreitet am Dienstag das Achtelfinal-Rückspiel gegen Manchester City neuerlich in Budapest – zwar kein offenkundiges Mutations-, dafür ein Hochinzidenzgebiet mit einem Wert von 670. Ums Stadion der Citizens beträgt der Inzidenzwert hingegen nur 90.