Eine 0:2-Niederlage in Schottland - dafür die WM-Teilnahme als Gruppensieger? Liebend gern würde sich Österreichs Nationalmannschaft auf diesen Deal einlassen, der hat nämlich schon einmal funktioniert. Bei der bis dato letzten Teilnahme am globalen Turnier nämlich, 1998 in Frankreich war’s. Und auch damals gab es - so wie am Donnerstag (20.45 Uhr/ORF 1) die Schotten als Auftaktgegner. Im Wiener Prater reichte es für Andi Herzog und Co. jedoch nur zu einer farblosen Nullnummer, im Rückspiel in Glasgow gab es dann für Herbert Prohaskas Truppe gegen die Bravehearts nichts zu holen - eben 0:2. Es waren dies aber die einzigen Punkte, die die rot-weiß-rote Auswahl auf dem Weg nach Frankreich abgeben musste, gemeinsam mit den Schotten gelang die Qualifikation. Und gemeinsam mit dem Schotten wartet man seither auf weitere WM-Ehren.

Diesmal soll es für die Legionärs-Elf von Franco Foda aber wieder klappen, der Gruppensieg und damit die Direkt-Fahrkarte zur Advent-WM 2022 nach Katar scheint bei Gegnern wie Dänemark, Schottland und Isreal sehrwohl machbar. Wobei ein guter Start - anders als bei der jüngsten EM-Qualifikation, als man mit zwei Niederlagen loslegte - schon einmal Goldes wert wäre. Schließlich gibt es - Corona-bedingt - erstmals einen Dreifachschlag, mit den Heimduellen gegen die Färöer und Dänemark, die jeweils im Dreitagesrhythmus bespielt werden. Ehe es wieder eine lange, lange Pause gibt: Erst im September findet die WM-Qualifikation eine Fortsetzung, schließlich gilt es davor im Juni/Juli noch die Europameisterschaft nachzutragen.

Anders als sonst, wenn dafür im März Vorbereitungs-Länderspiele stattfinden, redet im ÖFB derzeit niemand von der Euro. Einzig die Schotten standen und stehen im Fokus: "Das ist ein qualitativ hochwertiger Gegner, ein sehr robustes Team, das viele lange Bälle spielt und auf zweite Bälle geht", meinte etwa Foda, der insbesondere vor den Premier-League-Legionären Andy Robertson (Liverpool), Kieran Tierney (Arsenal), John McGinn (Aston Villa) und Scott McTominay (Manchester United) warnte. Während Letzterer beim englischen Rekordmeister im zentralen Mittelfeld agiert, kam er in der Nationalmannschaft zuletzt regelmäßig in einer Dreier-Innenverteidigung zum Einsatz. Foda geht davon aus, dass sich daran auch am Donnerstag nichts ändern wird. "Und wenn, dann sind wir vorbereitet."

Auswärts eine kleine Macht

Doch bei allem Respekt vor dem Gegner, der auch EM-Teilnehmer ist und aktuell als 48. der Weltrangliste 25 Plätze hinter Österreich rangiert, ist auch das Vertrauen in die eigenen Stärken groß. "Wir wissen, was uns erwartet, aber wir haben auch Qualität. Das haben wir in der EM-Qualifikation und in der Nations League gezeigt." Nicht zu vergessen die jüngste Stärke in der Fremde, wiewohl die Auswärtsbilanz lange Zeit - auch bei der WM-Qualifikation 1998 - ein gewaltiges Problem des Nationalteams darstellte. Im vergangenen Länderspieljahr gab es in der Nations League Siege in Norwegen (2:1), Nordirland (1:0) und Rumänien (1:0), zudem behielt man beim Test in Luxemburg mit 3:0 die Oberhand.

Womit Foda auch im Kräftemessen in Glasgow drei Punkte anstrebt und also auf Sieg spielen lässt: "Wir wollen aktiv sein, müssen aber auch wachsam sein und brauchen eine gute Restverteidigung", so Foda. Eine Punktevorgabe für den gesamten März-Block hat er indes nicht. "Ich bin kein Fan davon. Wir wollen ohnehin versuchen, jedes Spiel zu gewinnen." Sollte der Start misslingen, wäre noch nichts verloren, betonte der Deutsche mit Hinweis auf den verpatzen Auftakt der EM-Qualifikation: "Da war die Kritik groß, doch wir haben Ruhe bewahrt und es dann noch geschafft." Ziel ist logischerweise der Gruppensieg, weil nur der das Direkt-Ticket bringt; gelingt dies nicht, wartet - selbst wenn Rang zwei verpasst wird - das Play-off, das man dank des Gruppensiegs in der Nations League de facto schon innehat. Jetzt ist es wichtig, dass wir in der Quali gut performen. Unser Ziel ist es, mit Platz eins direkt zur WM zu kommen, und nicht, sich mit ‚was wäre wenn‘ zu beschäftigen", meinte der 54-Jährige dazu.

Über Spielsystem und Einsergarnitur hüllte sich der Teamchef wie gewohnt in Schweigen. "Wir haben schon oft gezeigt, dass wir variabel sein können", meinte er etwa zum Thema Dreier- oder Viererkette. Auch keine näheren Details ließ Foda zum nicht unheiklen Thema Einsergoalie aus. Infrage kommen dafür Daniel Bachmann, Heinz Lindner, Pavao Pervan und Alexander Schlager. "Es heißt aber nicht, dass derjenige, der gegen Schottland spielt, auch bei der EM die Nummer eins ist", stellte Foda einzig klar.

In Glasgow definitiv fehlen werden Stefan Posch (Covid-Nachwirkungen) und Martin Hinteregger (Oberschenkel-Zerrung); ein Fragezeichen steht auch hinter Valentino Lazaro, auch den Gladbacher plagen Oberschenkelprobleme. Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, dass Foda Senkrechtstarter Sasa Kalajdzic vom Start weg als Stürmer einsetzt. Eher dürfte er beim heißen Tanz im Hampden Park auf eine der beiden arrivierten Kräfte aus dem starken Herbst setzen - Adrian Grbic oder Michael Gregoritsch.