Die Austria hat mit einer Personalentscheidung überrascht. Gerhard Krisch werde künftig im Vorstand der Vereins-AG arbeiten, teilte der finanziell schwer angeschlagene Fußball-Bundesligist am späten Donnerstagabend mit. Dem vorangegangen war eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats.

Klub-Präsident Frank Hensel hat Krisch laut einer Aussendung für den Posten vorgeschlagen. Der Entscheidung ging laut der Aussendung ein intensives Auswahlverfahren inklusive einem Assessmentprozess durch einen renommierten Personalberater voraus. Die Gremien bestätigten die Personalie einstimmig. "Gerhard Krisch hat in mehreren Funktionen in- und außerhalb der Sportwelt seine Führungsqualitäten und seine Expertise in Finanzfragen unter Beweis gestellt", wurde Hensel zitiert.

Der 55-jährige Krisch war über 30 Jahre für die Bank Austria - den derzeitigen Kreditgeber der von millionenschweren Finanzsorgen geplagten Austria - tätig. Im Frühjahr 2017 stieg er als Klubchef der Vienna ins Fußballgeschäft ein. Die Döblinger führte er durch die Insolvenz. Krisch hatte das Amt beim ältesten Fußballverein Österreichs erst Wochen davor von Martin Kristek übernommen, der nach einem Herzinfarkt verstorben war. Kristek war der Geschäftsführer des Energie-Dienstleisters Care Energy, des damaligen Hauptsponsors der Vienna. Der Verein wurde im Zuge der Insolvenz in die Wiener Landesliga zwangsrelegiert.

Fragezeichen hinter Verbleib von Kraetschmer und Stöger

Zwei Jahre später war Krisch beim Regionaligisten FC Mauerwerk tätig. Im Spätherbst 2019 übernahm er dann die Funktion des Generalsekretärs beim Wiener Eislaufverein. Nun geht es wieder zurück ins Fußballgeschäft. Bei der Austria soll Krisch an der Seite von Markus Kraetschmer arbeiten und "die Gesamtverantwortung mittragen".

Kraetschmers Vertrag läuft ebenso wie jener von Peter Stöger mit 30. Juni aus. Der Manager ist aktuell alleiniger Vorsitzender, nachdem Stöger seinen Posten als Sport-Vorstand nach seine Bestellung zum Cheftrainer im vergangenen Sommer zurückgelegt hat. "Wir sind mit beiden im sehr harmonischen Austausch und hoffen zeitnah auf eine Entscheidung, um die Tätigkeitsfelder abstecken zu können", gab Hensel zu Protokoll.

Stöger, der mit der Austria die Meistergruppe in der Bundesliga verpasst hat, hatte in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass er sich ein weiteres Engagement bei der Austria nur dann vorstellen könne, wenn "Klarheit" im Verein über die zukünftige Ausrichtung herrsche. (apa)