Torkil Nielsen, wer kennt ihn nicht? Ja, wer kennt ihn nicht - auf den Färöer Inseln jedenfalls. Dem Rest der Welt, ja sogar der Fußballwelt, ist dieser Spielername gewiss kein Begriff. Mit einer einzigen Ausnahme: Österreich.

Während die aktuelle, durchwegs nach 1990 geborene Nationalteam-Generation wohl nur unwissend den Kopf schüttelt, erinnern sich ältere Semester noch sehr gut an den Warhol-Moment des biederen Amateurkickers von den Schafsinseln im Nordatlantik. Hatte der doch in einem Anfall von Energie und Unbekümmertheit vom Sechzehner abgezogen und Team-Goalie Michael Konsel dessen wohl bittersten Treffer in der gesamten Karriere eingeschenkt. Und damit der nach der verpatzen WM-Endrunde 1990 ohnedies angeschlagenen rot-weiß-roten Kicker-Auswahl eine Jahrhundertblamage zugefügt: 0:1 in der EM-Qualifikation, im ersten Bewerbsspiel der Färinger überhaupt - und Torkil Nielsen war für einen Moment weltberühmt. Wie gesagt, auf den Färöer Inseln und in Österreich zumindest.

Zipfelmützen-Horror

Wenn nun vor dem zweiten WM-Qualifikationsspiel am Sonntagabend (20.45 Uhr/ORF 1) die Bilder dieser historischen Pleite von Landskrona neu aufgelegt werden - unvergessen auch der Zipfelmützen-Goalie Jens Martin Knudsen - dann ist das Ganze aber nur Schall und Rauch einer längst vergessenen und Gott sei Dank überwundenen Fußballepoche. Denn die Färöer jagen den Österreichern schon längst keinen Schrecken mehr ein - obwohl der Klasseunterschied nunmehr eigentlich viel geringer ist als damals vor 31 Jahren. Denn kickten einst Fischer, Schafzüchter, Lehrer und Postler gegen hochbezahlte Stars wie Toni Polster und Andreas Herzog, sind nunmehr durchwegs Profis am Werk, die zumeist in Skandinavien tätig sind. Nach dem Nations-League-Gruppensieg in der D-Klasse gelang am Donnerstag der nächste Erfolg, als die Färinger in Moldawien, wo sich manch andere Nation - auch Österreich - oft schwertut, ein 1:1 errangelten.

Doch das rot-weiß-rote Trauma ist längst überwunden - bestes Beispiel ist die jüngste Begegnung der beiden Teams im Rahmen der WM-Qualifikation für Brasilien: Nur vier Tage nach dem bitteren Qualifikations-Aus in Schweden musste Marcel Kollers Youngster-Elf den schweren Flug nach Torshavn antreten. Doch während Beobachter schon eine neuerliche Blamage der am Boden befindlichen Truppe herbeiorakelten, bestanden David Alaba und Co. den Charaktertest mit Bravour und siegten trocken mit 3:0. Und zwar auch für Koller, der kurz danach seinen Vertrag verlängerte.

Schon das Hinspiel in Wien hatte mit einem 6:0-Kantersieg geendet. Insgesamt steht es in der Bilanz nach Siegen 4:1 für Österreich (Torverhältnis: 16:3) - 2008 trennte man sich, neuerlich in der WM-Qualifikation in Torshavn 1:1, was die Hoffnungen auf Südafrika früh zunichtemachte. Die aufgrund eines Sturmes samt TV-Bildausfall völlig zerfahrene Partie hat sich aber nicht so eingebrannt wie jene vom 12. September 1990. Und gewiss ist hierzulande jedem klar, dass er die Kicker aus dem hohen Norden nicht unterschätzen darf, weil ja die jungen Spieler die alten Geschichten immer noch brühwarm präsentiert bekommen. Sturm-Senkrechtstarter Sasa Kalajdzic (Jahrgang 1997) beschäftigt nach seinem famosen Startelf-Debüt in Glasgow per Doppelpack aber viel mehr die Taktik für Sonntag: "Das kann einerseits ein gutes Spiel für einen Stürmer sein, andererseits kann es sein, dass man gefühlt von drei Mann gedeckt wird", sagte der Ex-Admiraner mit Blick auf die zu erwartende Defensivtaktik der Färinger.

Gut möglich, dass der Stuttgart-Legionär in Hinblick auf das wohl richtungsweise Match am Mittwoch zu Hause gegen Dänemark von Teamchef Franco Foda geschont wird - denn Kalajdzic war beim 2:2 gegen Schottland der beste Mann auf dem Platz. Was insbesondere sein Kopfballtreffer zur 2:1-Führung in Weltklassemanier bewies. Dass es am Ende - trotz zweimaliger Führung - nicht zum Auftaktsieg in Gruppe F gereicht hat, war vor allem Unzulänglichkeiten in der Defensive geschuldet. Und das wurmte Foda enorm: "Fußball ist ein Fehlersport, Fehler passieren", analysierte der Deutsche trocken, der dennoch von zwei verlorenen Punkten sprach.

Die defensiven Schwächen führte er auch auf das Fehlen des zuletzt überragenden Abwehrchefs Martin Hinteregger zurück, der jedoch auch gegen die Färöer und Dänemark wegen Oberschenkelproblemen passen muss.

"Pflichtsieg" gegen Färöer

In Hinblick auf das Ticket für Katar 2022 sei aber noch längst nichts verloren. Im Gegenteil: "Wir haben gegen einen Konkurrenten auswärts einen Punkt geholt. Die Schotten haben auch Ambitionen, sich für die WM in zu qualifizieren, genauso wie Israel, Dänemark und wir. Es wird spannend bleiben." Für Sonntag gibt es freilich nichts zu deuteln - da müssen drei Punkte her. "Das Spiel müssen wir unbedingt gewinnen. Und dann werden wir uns auf das nächste Spiel vorbereiten." Landskrona hat Foda dabei nicht einmal gestreift.