Früher, da hätte einem Angst und Bang werden können mit der österreichischen Nationalmannschaft. Wenn nämlich so etwas passiert wie am Sonntagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Als das 31 Jahre alte Schreckgespenst namens Fußballblamage gegen den Zwerg(enstaat) von den Schafsinseln - natürlich reden wir von den Färöer - plötzlich fröhliche Urständ feierte. 0:1-Rückstand in der WM-Qualifikation, das auch noch irre-regulär (wie Hans Krankl sagen würde), weil der Insel-Hüne Sonni Nattestad bei seinem Kopfballtreffer (19.) Gernot Trauner als Sprungbrett verwendet hatte und alle Interventionen bei Schiedsrichterin Katerina Monsul, die als erste Frau ein Bewerbsspiel der ÖFB-Truppe pfiff, aber nicht den besten Tag erwischte, rein gar nichts nutzten. Zum Verzweifeln also, und die besten Ingredienzien, um zu verlieren. Und sich wieder zu blamieren. Doch am Ende sollte dieser Schockmoment nicht in die Fußballgeschichte eingehen, sondern bestenfalls zur Fußnote werden im Rennen um die Tickets für Katar 2022. Denn mit Geduld, Vertrauen, spielerischer Note und summa summarum mehr Klasse wurde die Partie rasch gedreht - zum 3:1 Pausen-Endstand. (Mit Toren von Aleksandar Dragovic, Christoph Baumgartner und Sasa Kalajdzic). Kein Glanzstück und kein Schützenfest, aber - nicht unwesentlich - ein bestandener Charaktertest.

"Ich habe mir gedacht, das darf doch nicht wahr sein. Mein Puls war deswegen aber nicht in der Höhe, weil es ja noch genügend Zeit gab, das Spiel zu drehen. Aber mein erster Gedanke war schon in die Richtung. Aber das ist wohl nicht nur mir so gegangen", analysierte Teamchef Franco Foda hernach. Der Deutsche vertraute aber seiner Elf und dirigierte sie lautstark an der Seitenlinie zum klaren und verdienten Erfolg. "Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft das drehen kann. So wie sie begonnen hat. Das hat sie dann auch gezeigt."

Moralimpfung für Dänemark

Letztlich war die Partie auch eine weitere Moralimpfung für die weit schwierigeren Aufgaben - etwa für das Mittwoch-Match gegen Dänemark. "Das Team hat schon im letzten Jahr gezeigt, dass es nach einem Rückstand in der Lage ist, ruhig weiterzuspielen." Das Team glaube "an sich und hat eine gute Mentalität. Wichtig war, dass die Mannschaft klar geblieben ist. Wir haben das Tempo erhöht und über die Flügel gespielt. So wie das unser Plan war." Nach Rückständen und Rückschlägen nicht in Panik und Hektik auszubrechen, sondern geduldig seine fußballerische Stärke ausspielen - diese Qualität kann im modernen Fußball nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies ist der ÖFB-Elf auch im Herbst in der Nations League gelungen - mit späten Treffern in Rumänien (1:0), zuhause gegen Nordirland (2:1) und gegen Norwegens Ersatzelf (1:1). Da in der WM-Qualifikation bei Punktegleichstand die Tordifferenz zählt, schmerzt freilich das magere Ergebnis gegen die Färöer schon (schließlich hat Konkurrent Dänemark Moldawien mit 8:0 vom Platz geschossen): "Das ist das Einzige, das man der Mannschaft vorwerfen kann, dass man noch ein, zwei Tore mehr hätte schießen können. Wir haben dann auch noch ein bisschen durchgewechselt, um die Spieler zu schonen für Dänemark", so Foda.

Die Partie gegen den noch makellosen Gruppe-F-Spitzenreiter wird freilich ganz anders ablaufen. "Das wird ein ganz anderes Spiel, eine große Herausforderung. Aber wir sind bereit", so Foda, der allerdings den Gelb-gesperrten Florian Grillitsch vorgeben muss. Seiner statt könnte Stefan Ilsanker auf die Sechserposition rücken; an Tormann Alexander Schlager - gegen Schottland nicht wirklich souverän - führt indes kein Weg vorbei. Sonderlob gab es von Foda auch noch für den 17-jährigen Debütanten Yusuf Demir, der in den Schlussminuten mitwirken durfte. "Ein Riesentalent. Er ist im Ballbesitz sehr gut, das konnte man auch im Training sehen. Klar muss er noch viel an sich arbeiten, vor allem im Spiel gegen den Ball." Nachsatz: "Wenn er weiter an sich arbeitet, hat er eine große Karriere vor sich."