So früh wie nie zuvor hat sich Österreich im Kampf um ein WM-Endrunden-Ticket verabschiedet - zumindest eines auf direktem Wege als Gruppensieger. Und nach der 0:4-Schlappe gegen Dänemark am Mittwochabend in Wien wird auch gar nichts beschönigt und tabellarisch um den heißen Brei herumgeredet, wie sonst gerne mit "Alles-noch-möglich"-Floskeln. "Realistischerweise wird Dänemark Platz eins belegen. Jetzt wollen wir Platz zwei erreichen", sprach Teamchef Franco Foda nach der dunkelsten Stunde seiner Teamchef-Ära, gleichbedeutend mit der höchsten Pflichtspiel-Heimniederlage einer ÖFB-Auswahl. Die Tabelle nach drei von zehn Spieltagen ist nämlich zu eindeutig: Die Dänen haben fünf Punkte Vorsprung auf Österreich und das um 16 Treffer bessere Torverhältnis - und die schweren Auswärtsaufgaben in Isreal und Wien bereits erledigt. Ohne einen massiven Einbruch der zuletzt so konstanten Skandinavier führt an deren WM-Teilnahme kein Weg mehr vorbei.

Doch Katar 2022 ist damit noch lange nicht abgeschrieben: Zum einen könnte der Weg ins Play-off als einer der zehn Gruppenzweiten führen; oder aber, David Alaba und Co. nehmen als Nations-League-Gruppensieger die Last-Last-Minute-Chance in Form eines von zwei Play-off-Startplätzen in Anspruch. Doch so oder so wird dieses Ausscheidungsrennen eine harte Sache, weil sich zwölf Teams um nur drei Tickets für die Wüsten-WM matchen.

"Aus Tiefen lernen"

Daher ist vorerst die andere Endrunde, jene der EM nämlich, wesentlich bedeutsamer für den ÖFB: Denn insbesondere der Einbruch nach dem Seitenwechsel - nach durchaus temporeicher und ausgeglichener ersten Halbzeit - bereitet Teamchef wie Spielern Kopfzerbrechen: "Nach so einer Niederlage muss man einige Dinge überdenken und das eine oder andere korrigieren", kündigte der Deutsche an. Nachsatz: "Ich bin sehr lange im Geschäft. Man lernt, in gewissen Situationen ruhig zu bleiben. Ich bin nach Siegen nicht so euphorisch und nach Niederlagen nicht so pessimistisch." Klingt ein wenig nach den Worten seiner ersten Blamage, als er in Israel 2:4 unterging - um dann den Tanker doch noch auf EM-Kurs zu bringen. Schuldzuweisungen lehnt er zudem ab: "Ich mache den Spielern keinen Vorwurf, ich bin verantwortlich für die Truppe." Auch Alaba kündigte an, Lehren zu ziehen: "Wir müssen an den Höhen anknüpfen und aus den Tiefen lernen."

Augenscheinlich war jedenfalls das desaströse Abwehrverhalten bei allen vier Gegentreffern - wiewohl die Fehler schon in der gegnerischen Hälfte begonnen hatten; ebenfalls unübersehbar war, dass die nicht wirklich eingespielte Abwehr mit den Innenverteidigern Aleksandar Dragovic und Gernot Trauner mit dem plötzlichen Dänen-Pressing nach der Pause ihre liebe Not hatte; auffällig war außerdem, dass in der Offensive der Mut zum Risiko und den 1:1-Situationen fehlte und ein Unterschied-Spieler a la Marko Arnautovic schwer vermisst wird. Zumindest der China-Legionär sollte bei der EM wieder mit an Bord sein - über seine Form kann freilich nur spekuliert werden.

Foda versprach jedenfalls: "Bei der EM werden wir ein anderes Bild abgeben, davon bin ich überzeugt." Immerhin kam der Weckruf diesmal vielleicht zur rechten Zeit und wird - anders als vor Frankreich 2016 - auch ernst genommen. Zumal der EM-Auftaktgegner Nordmazedonien (13. Juni) nach dem 2:1-Sieg in Deutschland nun gewiss von niemandem mehr unterschätzt wird.