Wäre der Ostersonntag 2021 ein Film, wäre er aus Sicht von Rapid-Trainer Didi Kühbauer "genau so, wie man ihn wünscht". An seinem 50. Geburtstag beschenkte ihn seine Mannschaft mit einem Spiel, das er lange nicht vergessen wird. Die Hütteldorfer deklassierten auswärts den WAC mit 8:1 (2:1) und können mit breiter Brust in den Schlager mit Tabellenführer Red Bull Salzburg am Sonntag (17 Uhr) in Wien gehen. Die Salzburger liegen in der Tabelle nach dem 3:1 gegen Sturm Graz zwar vier Punkte vor den Hütteldorfern, scheinen aber nicht unerreichbar zu sein. Der Vorsprung auf den LASK, der gegen WSG Tirol mit 0:2 verlor, vergrößerte sich indessen auf nun ebenfalls vier Zähler.

Begünstigt durch den frühen Ausschluss von WAC-Verteidiger Luka Lochashvili (29.) feierte Rapid, das aber auch schon davor die klar bessere Mannschaft war, den höchsten Sieg seit 13 Jahren. Damals hatte man Salzburg - ebenfalls an einem Ostersonntag - mit 7:0 aus dem eigenen Stadion geschossen und danach den bisher letzten Meistertitel gefeiert. Davon sprechen, eines der beiden Dinge zu wiederholen, will Kühbauer aber nicht. "Wir haben vor, jeden Gegner zu schlagen, aber ich halte es so, dass wir von Spiel zu Spiel schauen. Es wäre schlimm, wenn wir aufgrund des 8:1 irgendwelche Luftschlösser bauen. Wir wollen im Jetzt bleiben, wir müssen am Boden bleiben. Es wird ein komplett anderes Spiel", sagte er. Etwas deutlicher ist da schon Taxiarchis Fountas, der mit seinem ersten Ligatreffer seit genau einem halben Jahr - einem besonders sehenswerten noch dazu, als er mit der Ferse einen Eckball mit dem Rücken zum Tor stehend direkt verwertete - den Trefferreigen eröffnete und dem zwei weitere folgen ließ. "Ich will mit Rapid Meister werden", sagt der Grieche vor dem Schlager am Sonntag. Doch die Zurückhaltung Kühbauers hat gute Gründe. Nicht nur, dass es "ein komplett anderes Spiel" gegen einen gefestigten Gegner mit einem Patson Daka in Torlaune werde - der Sambier führte den Meister am Sonntag mit einem Hattrick zwischen der dritten und elften Minute zum 3:1 gegen Sturm -, waren auch die jüngsten Spiele gegen Salzburg für die Wiener nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. In den jüngsten 19 Ligaduellen feierte Rapid nur einen Sieg, im Vorjahr setzte es auch zwei Debakel (2:7 und 2:6). Das bisher letzte Aufeinandertreffen im Februar dominierte Salzburg klar und feierte dank eines Triplepacks von Daka einen 4:2-Erfolg.

WAC "inferior"

"Wir wollen uns gegen Salzburg nicht so präsentieren wie in den Spielen davor", sagt Kühbauer daher. Vorerst aber konnte er seinen Geburtstag in vollen Zügen genießen. "Es ist ein schöner Tag für mich, und die Mannschaft hat sich auch einen schönen Tag gemacht. Ich habe einen riesigen Spaß gehabt, dass sie nicht aufgehört haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass man acht Tore macht. In den letzten Wochen haben wir auch schon gute Leistungen gebracht, aber nicht die Tore erzielt. Das war für uns ein bisschen ärgerlich, und es freut mich, dass sie das gemacht haben, was davor ein bisschen gefehlt hat."

Beim WAC ist der Traum von einer neuerlichen Europacup-Qualifikation indessen brutal unterbrochen worden. "Inferior, unglaublich, was soll ich dazu sagen", sagte Kapitän Michael Liendl. Auch mit zehn Mann dürfe man sich nicht so vorführen lassen. "Das war eine dumme rote Karte. Es war spielentscheidend, aber noch lange kein Grund, dass du acht Tore bekommst." Ein ernstes Wort wird wohl auch Interimstrainer Roman Stary mit Lochoshvili reden, der nach einer Kung-Fu-Aktion gegen Ercan Kara bereits zum dritten Mal in dieser Saison ausgeschlossen worden ist. "Es sagt schon sehr viel aus, wenn man 23 Spiele gemacht und drei rote Karten bekommen hat."(apa/art)