Die Vergangenheit hat für Bayern Münchens Erfolgstrainer Hansi Flick "keine Relevanz". Wobei, so vergangen ist diese Vergangenheit gar nicht - betrifft es doch das Fußball-Highlight des vergangenen Jahres, das am 23. August 2020 in Form des Champions-League-Finales in Lissabon über die Bühne gegangen war. Der Sieger hieß bekanntlich Bayern München, der Verlierer Paris Saint-Germain (1:0) - und beide treffen sich nun am Mittwoch (21 Uhr/Sky) im Viertelfinalschlager der Königklasse wieder. Schon wieder. Dennoch: "Es ist ein neues Spiel - und auch eine neue Mannschaft", dozierte Flick vor dem vorweggenommenen "Finale dahoam" in der leeren Allianz-Arena.

Aus Sicht der auf Revanche sinnenden Scheichtruppe aus der Seine-Metropole ist schon einmal vieles anders als noch beim Endspiel: Der Trainer (Thomas Tuchel) werkt längst bei Chelsea; noch unter seiner Ära erlitt der PSG-Nimbus als Seriensieger in der französischen Ligue 1 Kratzer. Derzeit schwächelt die Millionärself schon wieder: Drei Niederlagen in den vergangenen sechs Spielen drücken massiv aufs Gemüt. Die gelb-rote Karte gegen Superstar Neymar zuletzt beim 0:1 gegen den neuen Tabellenführer OSC Lille soll einem Bericht der "L’Equipe" vom Dienstag zufolge für ein frostiges Kabinenklima gesorgt haben. Dabei bräuchte der seit seinem aufsehenerregenden Wechsel für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona mit Privilegien eines Exzentrikers ausgestattete Neymar vor allem eines: Spielpraxis. Gegen Lille war der Südamerikaner das erste Mal seit dem 10. Februar in einem Pflichtspiel in der Startelf gestanden.

Lewandowski muss passen

Auch die Harmonie mit Jungstar Kylian Mbappe scheint aktuell gestört. Das Magazin "France Football" stellte bereits die Frage: "Gehört Neymar noch in die Kategorie der ganz großen Spieler?" Scheitert PSG an den Bayern, wird der Kampf um den Trostpreis Meisterschaft - als Tabellenzweiter fehlen drei Zähler auf Lille - wahrlich nicht leichter. Hinzu kommt, dass Neymars Wechselspekulationen sicher noch mehr Fahrt aufnehmen würden und auch die aktuellen Vertragsverhandlungen mit Mbappe, dessen Kontrakt wie der von Neymar bis Ende Juni 2022 datiert ist, könnten schwieriger werden.

PSG reist ohne die positiv auf das Coronavirus getesteten Alessandro Florenzi und Marco Verratti, den gesperrten Leandro Paredes und den angeschlagenen Mauro Icardi an. ÖFB-Teamspieler David Alaba und Co. müssen aller Voraussicht nach auf Serge Gnabry (Halsschmerzen) und Marc Roca (verletzt) verzichten. Dafür kehren die in der Bundesliga gegen Leipzig zuletzt gesperrten Jerome Boateng und Alphonso Davies zurück. Im Sturm spricht viel dafür, dass Flick erneut den letztjährigen Paris-Profi Eric Maxim Choupo-Moting als Ersatz für den verletzten Weltfußballer Robert Lewandowski aufbietet.

Dennoch gehen die Bayern als leichter Favorit ins Duell, zumal sich mit dem Sieg in Leipzig am Karsamstag die nächste Meisterschaft de facto schon in trockenen Tüchern befindet.

Im zweiten Mittwochspiel stehen sich der FC Porto und Chelsea gegenüber - Hin- und Rückspiel steigen in Sevilla. Beim Pokalgewinner von 2012 ("Finale dahoam" in München) gibt es erstmals unter Chelsea-Coach Tuchel Misstöne, die beim 2:5 gegen West Bromwich offenkundig wurden. "Wir werden die richtige Reaktion darauf zeigen, denn das ist Sport, und das ist absolut notwendig", versprach Tuchel.(may)