Zwei Mal hat Pep Guardiola als Trainer die höchste Trophäe im Klubfußball gewonnen - 2009 und 2011 jeweils mit Barcelona. Doch seit er die Katalanen verlassen hat, klappt es mit dem Champions-League-Titel nicht mehr. Nicht bei den Bayern, noch weniger beim aktuellen Klub Manchester City. Doch heuer schien der wahrscheinlich schillerndste aller Startrainer sein Starensemble so zu Hochform getuned zu haben, dass neben dem Titel in der Premier League auch die Krone des Europacups erstmals an die Citizens aus Manchester gehen könnte. Das Ganze nach einer Negativserie aus Pech und Unvermögen, die in den vergangenen drei Jahren das jeweilige Aus im Viertelfinale beschert hat - gegen Lyon (2020), Tottenham (2019) und Liverpool (2018).

Doch dieser im Vorfeld häufig zitierte Champions-League-Fluch, der angeblich auf ManCity lastet, konnte am ersten Viertelfinaltag der diesjährigen Königsklasse von Guardiolas Mannen nicht wirklich vertrieben werden - im Gegenteil. Das mühsame Heim-2:1 am Dienstag gegen Borussia Dortmund eröffnet jener im Rückspiel kommende Woche - auch dank des Auswärtstores - alle Möglichkeiten zum Semifinaleinzug. Und lässt Topstar Erling Haaland weiter von seinem ersten großen Titel träumen - so wie alle Schwarz-Gelben von der Wiederholung der Klub-Sternstunde anno 1997, als der Henkelpokal erstmalig erobert werden konnte.

Pressing griff nicht

Auffällig war nun am Dienstag, dass die Citizens die zuletzt gezeigte Leichtigkeit im Herausspielen von Chancen vermissen ließen. Was laut Guardiola am hohen Erwartungsdruck und einem hervorragend eingestellten BVB lag. "Wenn du 26 von 27 Spielen gewinnst und gegen einen Gegner spielst, der nicht dabei ist, die Bundesliga zu gewinnen, dann liegt der Druck klar auf unseren Schultern", sagte der katalanische Taktikfuchs. Nachsatz: "Man konnte sehen, dass es egal ist, was in der Bundesliga passiert: Dortmund hat eben genug Qualität." Sein Team habe Probleme gehabt, ins geliebte hohe Pressing aufzurücken. "Dortmund spielt ja öfter so in dieser Anordnung, und wenn du sie pressen willst, spielen sie den langen Ball auf Haaland und spielen dann ihre Geschwindigkeit im Angriff aus."

So verpasste der BVB, der selbst zwar kaum vor das gegnerische Tor kam, den unerwarteten Coup nur knapp. Erst der späte Treffer von Phil Foden (90.) brachte die Dortmunder, für die Marco Reus (84.) nach Zuspiel von Haaland um eine noch bessere Ausgangslage. Kevin de Bruyne hatte in der 19. Minute mit dem 1:0 vorgelegt. Allerdings: Ein an sich regulärer Treffer der Dortmunder wurde wegen angeblichen Fouls am Tormann nicht gegeben.

Haaland blieb bis auf den Assist blass - und erstmals in dieser Champions-League-Saison ohne Torerfolg (zehn Treffer in sieben Einsätzen). Dennoch zählen die Westfalen im Rückspiel auf die Torgefährlichkeit des Norwegers - immerhin reicht schon ein 1:0-Sieg. "Die Chancen sind voll da. Jetzt müssen wir eins schießen", meinte Verteidiger Mats Hummels, der abgesehen vom Patzer Emre Cans vor dem 0:1, auf eine hervorragende Defensiv-Leistung verweisen konnte. Allerdings schrecken die Citizens Auswärtspartien nicht wirklich: In den vergangenen 15 Matches in der Fremde hat man immer zumindest einmal getroffen. Mal abwarten also, ob das im Champions-League-Viertelfinale auch so ist - Fluch hin oder her.

Real verschärft Reds-Krise

Im Parallelspiel hat Real Madrid das Tor zum Halbfinale weit aufgestoßen - und damit Liverpools letzte realistische Titelchance in dieser Saison massiv geschmälert. Das 3:1 von Madrid lässt die fehlerhaften Engländer im Hinspiel mit einem Auswärtstor davonkommen und zumindest auf eine magische Aufholjagd im (allerdings leeren) Anfield hoffen - wiewohl die Elf von Zinedine Zidane derzeit das deutlich stabilere Team zu sein scheint.

"Wir haben es ihnen zu einfach gemacht", resümierte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. Angesichts der mitunter desaströsen Defensivleistung kamen selbst dem sonst grundoptimistischen Trainer Zweifel. "Ich weiß nicht, ob wir es schaffen können. Aber ich kann versprechen, dass wir alles versuchen werden." Die Königlichen waren freilich nur bedingt zufrieden. "Wenn ich ganz ehrlich bin: Das Ergebnis ist in Ordnung, aber es war mehr möglich für uns", sagte Toni Kroos, der das 1:0 von Vinicius jr. mit einem sehenswerten Pass vorbereitete. Der 20-jährige Brasilianer avancierte später zum umjubelten Doppeltorschützen.(may)