Es war ein Befreiungsschlag, wie ihn die leidgeprüften Fans von Paris St. Germain wohl nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Umso intensiver war daher auch am Mittwochabend das kollektive Aufatmen einer ganzen Nation bis nach München zu vernehmen gewesen. Die Revanche für das verlorene Champions-Lea-gue-Finale vom Vorjahr scheint jedenfalls geglückt, und Titelverteidiger Bayern und David Alaba stehen nach der 2:3-Heimniederlage im Hinspiel des Viertelfinales der Königsklasse stark unter Druck.

Zwei Tore von Superstar Kylian Mbappe sowie eines von Kapitän Marquinhos ließen das gnadenlose PSG-Ensemble mit Vorlagengeber Neymar jubeln, dagegen fehlte den Bayern ohne ihren verletzten Weltfußballer Robert Lewandowski diese Effizienz. "Wenn wir den Killerinstinkt an den Tag legen, den wir oft sonst zeigen, sähe alles anders aus", ärgerte sich Thomas Müller, der wie Lewandowski-Ersatz Eric Maxim Choupo-Moting nach 0:2-Rückstand für die Bayern auf dem Weg zum 2:2-Zwischenstand getroffen hat. "Wir haben uns das Ei selbst ins Nest gelegt. Jetzt laufen wir dem Rückstand hinterher."

In dieselbe Kerbe schlug auch Mbappe. "Vor allem die Effizienz hat den Ausschlag gegeben", sagte der Weltmeister, der zuvor Bayern-Goalie Manuel Neuer bei seinem Treffer zum 1:0 ziemlich unglücklich hatte aussehen lassen. "Aber noch ist nichts gewonnen, es gibt noch das Rückspiel", betonte Mbappe, der schon im Achtelfinale gegen Barcelona Treffsicherheit bewiesen hat. Statistisch gesehen hat er recht: In 34 Fällen erreichte eine Mannschaft noch die nächste Runde der Fußball-Königsklasse, wenn sie das Hinspiel mit einem Tor Rückstand verlor. Bei einer Heimniederlage mit einem Tor Unterschied kamen aber nur vier Teams weiter, bei einem 2:3 zu Hause noch keines.

Im Rückspiel am Dienstag in Paris könnten den Bayern bei der Kür des Halbfinalgegners für Borussia Dortmund oder Manchester City gleich vier Leistungsträger fehlen. Neben dem verletzten Lewandowski und dem positiv auf Corona getesteten Serge Gnabry dürften nun auch Leon Goretzka und Niklas Süle wegen muskulärer Problemen fehlen. Entsprechend zurückhaltend gab sich daher auch Coach Hansi Flick. "Ich weiß nicht, wie es nächste Woche ausschaut", erklärte er. Aber: "Wir wollen ins Halbfinale, daran ändert auch dieses Ergebnis nichts." So sieht es auch Bayern-Vorstand Oli Kahn: "Wir sind Bayern München, und es gibt ein Rückspiel."

Tuchel "nicht zu glücklich"

Mit einem Fuß im Halbfinale der Champions League steht seit Mittwochabend auch der FC Chelsea. Das 2:0 über den FC Porto im Hinspiel, das Corona-bedingt ebenso wie das Rückspiel in Sevilla ausgetragen wird, kam nach dem 2:5 gegen Liga-Abstiegskandidat West Bromwich Albion gerade rechtzeitig. Torschütze Mason Mount, einer der Besten bei den Blues, lobte seine Kollegen. "Wir haben viel Charakter und Leidenschaft gezeigt, der Job ist aber erst halb erledigt", sagte der 22-Jährige. Und Coach Thomas Tuchel resümierte: "Wir sind glücklich, aber nicht zu glücklich."(apa/rel)