Es geschah am 11. März 2020, also am Vorabend der Pandemie - und markiert für den FC Liverpool so etwas wie die Wende im sportlichen Dauererfolgslauf der Ära Jürgen Klopp. Es war eines der letzten Spiele in Europa vor vollem Haus, 52.000 begeisterte Zuschauer in Anfield wollten die Reds gegen Atletico Madrid ins Viertelfinale der Champions League peitschen. Doch trotz 2:0-Führung in der Verlängerung und des Momentums klar auf Seiten des LFC drehten die Madrilenen plötzlich die Partie und siegten sogar noch mit 3:2. Es war dies die erste Europacup-Heimpleite seit fünfeinhalb Jahren für Liverpool - der Titelverteidiger musste schon im Achtelfinale die Segel streichen.

Von diesem Schock hat sich die Elf des schillernden Startrainers aus Deutschland bis heute noch nicht richtig erholt. Denn danach kam nicht etwa das ersehnte Meisterfestival als überlegener Premier-League-Tabellenführer, sondern eine lange pandemische Pause mit danach gänzlich anderen Bedingungen für die Kicker - ehe die Saison mitten im Hochsommer zu Ende gewürgt wurde. Nach 30 Jahren Pause wurde dann im leeren Anfield der Meisterpokal überreicht und das traditionelle "You’ll Never Walk Alone" eingespielt. Würdig ist anders.

Wahrscheinlich hat kein Verein in Europa so sehr unter der Corona-Pandemie gelitten wie der FC Liverpool - zwar nicht finanziell, aber doch sportlich und stimmungsmäßig. Dass am Mittwochabend mit der Nullnummer gegen Real Madrid das neuerliche Aus in der Champions League folgte, war dabei gar nicht mal mehr überraschend, weil selbst das Emotionsbündel an der Outlinie nach dem 1:3 im Hinspiel nicht mehr so recht an das Rückspielwunder vor der Geisterkulisse von "The Kop" glaubte. Damit ist auch die allerletzte Titelchance für die unter Klopp so erfolgsverwöhnten Reds für heuer dahin - womit sich die Frage stellt: Kloppomania ade?

Dass Klopp die Mannschaft nicht mehr erreicht, kann freilich niemand ernsthaft behaupten, der den Königsklassen-Auftritt am Mittwoch gesehen hat. Denn Mohamed Salah und Co. präsentierten sich höchst motiviert und spielfreudig - doch es fehlte eben das gewisse Etwas, um die Wende noch vollziehen zu können. Wo kein Funke, da kein Feuer, wo keine Fans, da kein echtes Anfield.

Hat sich die Beziehung abgenutzt?

Am Ende waren es aber die defensiven Patzer im Hinspiel, die den von Verletzungspech geplagten Reds das Aus bescherten. Oder wie es Klopp formulierte: "Wir haben das nicht heute verloren, wir haben das in Madrid verloren." Somit gelang auch nicht die Revanche für die Niederlage im Finale 2018 - wir erinnern uns an den ausgeknockten und dann indisponierten Goalie Loris Karius -, zudem wartet der 19-fache englische Meister nun schon seit geschlagenen zwölf Jahren auf einen Sieg gegen das weiße Ballett.

Für die Elf von Klopp steht nun aber im Endspurt der Premier League enorm viel auf dem Spiel: Nach einer historischen Heimpleiten-Serie mit sechs Niederlagen in Folge hat sich Liverpool im Frühjahr zwar wieder erfangen, dennoch droht die Qualifikation für die nächste Champions League zur Zitterpartie zu werden. Sieben Runden vor Schluss steht man momentan nur auf Rang sechs - drei Punkte fehlen auf die Top-Vier. Da wird auch die Trainermagie von "Kloppo" gefragt sein, um das Minimalziel der heurigen Saison noch zu erreichen und damit so etwas wie Schadensbegrenzung zu üben.

Wenn nicht, kann sich jeder ausmalen, was eintreten könnte: Der 53-Jährige hat zwar noch einen Vertrag bis Sommer 2022, aber bekanntlich sind die Mechanismen im Profifußball unerbittlich. Und nach sechs langen Jahren an der Anfield Road hat sich die so ruhmreiche Beziehung auch vielleicht schon abgenutzt, der Zauber ist verflogen, der Lack ab, die Gegner kennen die Tricks und Mätzchen alle in- und auswendig. Dass Klopp sein Ende nahen sieht, verriet er übrigens vor kurzem schon im Zusammenhang mit der Teamchef-Nachfolge von Jogi Löw. "Ich habe einen Vertrag, und selbst wenn Liverpool mich hier rausschmeißt: Wenn meine Zeit hier rum ist, werde ich erstmal ein Jahr Pause machen", sagte Klopp. Aber auch hier könnte gelten: Was kümmert mich mein Trainergeschwätz von gestern!

Manchester City beendet Viertelfinal-Fluch

Indes wandelt Liga-Rivale Manchester City auf den Erfolgsspuren Klopps: Der Meister in spe, der auch im Liga-Cup-Endspiel und im FA-Cup-Semifinale steht, zog nun erstmals unter Coach Pep Guardiola ins Champions-League-Semifinale ein - nach dreimaligem Aus im Viertelfinale. Wie im Hinspiel gewannen die Citizens gegen Dortmund mit 2:1, allerdings war der Ausgleichstreffer per Handselfer höchst fragwürdig. Unglücksrabe Emre Can war der Ball vom Kopf an den Arm gesprungen - der Referee verzichtete darauf, sich die Sache selbst noch einmal anzusehen. "Es ist für mich sehr ärgerlich und kein strafbares Handspiel", meinte BVB-Coach Edin Terzic.