Ist das Band endgültig zerschnitten? Oder sind es nur weitere Drohgebärden? Fakt ist, dass die Ankündigung von zwölf Klubs aus England, Spanien und Italien, "so bald wie möglich" den Ankick zu einer europäischen Superliga vornehmen zu wollen, den Sport vor eine Zerreißprobe ungeahnten Ausmaßes stellt. Ausgerechnet in der Nacht auf Montag, an dem der Europaverband Uefa über eine Reform der Champions League beraten wollte - diese soll ab 2024/25 auf 36 Teams aufgestockt werden und dank mehr Spielen auch mehr Geld lukrieren -, grätschten die Vereine dazwischen. Ein Rechtsstreit droht.

Die Klubs, die an dem neuen Format partizipieren wollen, haben zwar Gespräche mit der Uefa angekündigt, sich vorsorglich aber gleich einmal mittels der Androhung juristischer Schritte gegen etwaige "Einmischungen" verwehrt. Uefa und Fifa wiederum bekräftigten ihre Absicht, betroffene Vereine aus allen ihren Bewerben ausschließen zu wollen.


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In ungewohnter Eintracht mit den ansonsten eher argwöhnisch betrachteten Institutionen kritisieren Fanvertreter und ehemalige Fußballgranden die Pläne in aller Schärfe. Die frühere Fußball-Ikone Gary Lineker hegt gar Hoffnung, dass sie mit Hilfe der Anhängerschaft doch noch revidiert werden könnten. "Fußball ist nichts ohne die Fans. Das haben wir deutlich in den vergangenen zwölf Monaten gesehen", twitterte er. Wenn die Fans gemeinsam dagegen einstehen würden, könnten die Pläne noch gestoppt werden.

Der Hinweis auf die Corona-Pandemie und die Tristesse, die bei Geisterspielen in den Stadien herrscht, überraschen freilich nicht. Ebenso wenig erstaunt aber der Zeitpunkt, an dem die Klubs ihren (neuerlichen) Vorstoß wagen. Schließlich haben viele von ihnen aufgrund der Krise viel Geld verloren - über dem FC Barcelona schwebt gar das Damoklesschwert einer drohenden Insolvenz. Zuletzt wiesen die Katalanen eine Bruttoverschuldung von mehr als 1,4 Milliarden Euro und eine Nettoverschuldung von rund 488 Millionen Euro auf. Josep Maria Bartomeu, der Vorgänger von Joan Laporta als Klub-Präsident, gegen den wegen Korruption ermittelt wird, hatte bereits im Herbst auf die Gründung einer Superliga gedrängt, um gegen den Schuldenberg ankämpfen zu können.

Und ewig lockt das Geld

Monetäre Argumente haben Gewicht in Zeiten wie diesen. Den Gründungsvereinen - zu den zwölf bisher bekannten sollen drei weitere hinzukommen, am Bewerb selbst sollen dann noch fünf über eine Qualifikation teilnehmen - sollen zunächst insgesamt 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Über die weitere Aufteilung unter den Klubs, die zunächst in zwei Zehnergruppen jeweils unter der Woche antreten sollen, sind noch keine Details bekannt. Mit der US-Bank JP Morgan wurde ein Financier jedenfalls bereits gefunden.

Zum Vergleich: In der Champions League bekamen die 32 Teilnehmer der Gruppenphase zuletzt jeweils - auch nicht läppische - 15,25 Millionen Euro als Startprämie. Dass nun die Champions League einerseits aufgebläht, andererseits vieler ihrer Aushängeschilder aus England, Spanien und Italien verlustig gehen soll, während sich Deutsche und Franzosen nicht der neuen Superliga anschließen wollen, könnte zu einer weiteren Spaltung führen. Ein Politikum ist es längst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßte ausdrücklich die Position der Klubs seines Landes. Auch Großbritanniens Premier Boris Johnson schaltete sich in die Debatte ein. Er nannte die Pläne "schädlich", sie würden "das Herz des nationalen Fußballs treffen und die Fans im ganzen Land betreffen", twitterte er. Es scheint, als wäre es mehr als nur ein Band, das Gefahr läuft, zerschnitten zu werden.