Die Verlockung war groß, der Druck schließlich noch größer. Nach den Sanktionsdrohungen durch den Europa- und den Weltverband Uefa und Fifa, der harschen Kritik von Fans, Medien und Politikern sowie dem Abwinken zahlreicher potenzieller Medienpartner ist die Super League in der Form, in der sie geplant war, auch schon wieder Geschichte, bevor sie noch richtig aus der Taufe gehoben wurde.

Noch am Dienstagabend hatten sechs englische Vereine erklärt, nun doch nicht dabei sein zu wollen, später schlossen sich dem auch Inter, der AC Milan und Atletico an; Barcelonas Neo-Präsident Joan Laporta hatte eine Mitgliederbefragung angekündigt. Offenbar wollte er es sich so kurz nach seiner Wahl als Nachfolger des in Ungnade gefallenen und Korruptions-verdächtigen Josep Maria Bartomeu nicht gleich auch selbst mit den Fans verscherzen.

Dabei hätten gerade die spanischen Vereine - und hier zuvorderst die Katalanen - die zusätzlichen Millionen gut gebrauchen können. Durch die Corona-Krise haben alle Klubs Einnahmen eingebüßt. Spielabsagen, -verschiebungen, ein redimensionierter Kalender und vor allem das Fehlen von Fans im Stadion haben sich bei den 20 europäischen Klubs an der Spitze der Deloitte-Geldwertung "Football Money League" kumuliert in einem Minus von zwölf Prozent bei den Erlösen niedergeschlagen.

Barcelona schwer verschuldet

Im Fall von Barcelona kamen teure Transfers und horrende Gehälter erschwerend hinzu. Zwar führen die Katalanen die Umsatzrangliste noch immer an - die 715 Millionen, die 2019/20 eingenommen wurden, bedeuten aber ein Minus von mehr als 125,8 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahres davor. Noch schwerer wiegen die Verbindlichkeiten: Barcelona sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro. Und da es auch sportlich international zuletzt nicht nach Wunsch lief - heuer kam das Aus im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain -, käme eine geschlossene Liga mit Fixeinnahmen nur recht.

Real Madrid hat indessen zwar das Semifinale erreicht, leistet sich aber ebenso einen teuren Kader, der erst einmal finanziert werden muss. David Alaba, dessen Wechsel von Bayern München in die spanische Hauptstadt laut Medienberichten immer näher rückt, kann zwar nach Auslaufen seines Vertrages in München ablösefrei geholt werden; da seine Gehaltsvorstellungen und die der Bayern aber zuletzt weit auseinanderlagen, ist anzunehmen, dass auch er sich nicht mit einem Jausengeld abspeisen wird lassen.

Dabei hatte Florentino Perez, Präsident des ebenfalls verschuldeten Hauptstadtklubs, noch am Dienstag betont, die Intention hinter der Super League sei es, "den Fußball zu retten". Die Champions-League-Reform, die ab 2024 gilt, komme zu spät. "2024 sind wir alle tot", hatte er gemeint.

England erwägt Konsequenzen, Juve das Ende Agnellis

Während sich die spanischen Vereine nun fieberhaft auf die Suche nach neuen Geldquellen machen müssen, können die Engländer etwas leichter damit umgehen. In Sachen Erlösen ist die Premier League den anderen meilenweit voraus. In der Vor-Corona-Saison betrug die Differenz zwischen englischer (5,85 Milliarden Euro) und der an zweiter Stelle rangierenden spanischen Liga satte 2,475 Milliarden Euro - alleine das ist fast so viel, wie die Serie A erwirtschaftete, fast das Zehnfache dessen, was die österreichische Liga lukriert.

Zwar spürt man auch auf der Insel die Krise, dennoch gibt es nun sogar Überlegungen, den umgekehrten Weg zu gehen und nach deutschem Vorbild eine Art 50+1-Regel einzuführen, die Investoren weniger Spielraum lässt.

Agnelli allein zu Haus? Seine hochtrabenden Pläne könnten dem Juve-Boss zum Verhängnis werden. - © afp / Miguel Medina
Agnelli allein zu Haus? Seine hochtrabenden Pläne könnten dem Juve-Boss zum Verhängnis werden. - © afp / Miguel Medina

In Italien wiederum könnte der Super-League-Reinfall ganz andere Folgen haben. Juve-Präsident Andrea Agnelli, der die Idee gemeinsam mit seinem Real-Pendant Perez maßgeblich vorangetrieben hat, steht laut Medienberichten vor dem Aus. Er hätte den "besten Bewerb der Welt kreiert", sagte er noch am Mittwoch fast trotzig. "Ich bleibe überzeugt von der Schönheit dieses Projektes." In Schönheit untergegangen ist freilich auch gestorben.