Nach der Aufregung um die geplatzte Super League dürfen sich Fußballfans langsam wieder den schönen Seiten des Sports zuwenden - etwa dem Saisonhöhepunkt in Form der Fußball-EM (11. Juni bis 11. Juli). Wobei, schön ist anders. Denn selbst wenn definitiv wieder Zuschauer in den Stadien zugelassen sein werden, wird man von einem paneuropäischen Fußballfest (wie ursprünglich erhofft) bestenfalls träumen können. Denn die Sicherheitsmaßnahmen, denen sich die Ticketinhaber unterwerfen müssen, haben es durchaus in sich. Die "Wiener Zeitung" hat sich die Verhaltenregeln für Euro-Zuschauer angesehen und ist durchaus auf bemerkenswerte Vorgaben gestoßen. Das Wort von Uefa-Boss Aleksander Ceferin ("Wir werden keine Risiken eingehen") ist jedenfalls kein Lippenbekenntnis.

  • Zunächst ist im "Code of Conduct for Spectators" (logischerweise) festgehalten, dass keine Covid-Infizierten, Isolierten, Kontaktpersonen oder Personen mit Symptomen in eines der Stadien gehen dürfen.
  • Jedem Besucher wird dann - um Andrang vor den Arenen zu vermeiden - ein 30-minütiges Zeitfenster eingeräumt, in welchem er Zutritt bekommt; drei Stunden vor Spielbeginn werden die Tore geöffnet. Da ja Handy-Tickets zum Einsatz kommen, wird der Slot digital übermittelt.
  • Das Zeitfenster ist wohl auch dringend nötig, um die Corona-Kontrollen möglichst reibungs- und lückenlos über die Bühne zu bringen. Welche dies sind, ist von Land zu Land, von Stadion zu Stadion, verschieden.
    In Bukarest, wo Österreich zwei Vorrundenmatches bestreit, braucht man entweder ein negatives Covid-19-Testergebnis, den Nachweis einer Impfung oder einer intakten Immunität (also bereits überstandener Infektion). In Amsterdam, wo die ÖFB-Elf gegen Gruppenfavorit Niederland antritt, braucht es hingegen zwingend einen negativen PCR-Test. Während man am Finalschauplatz London nichts dergleichen benötigt, ist St. Petersburg ganz besonders vorsichtig: Zusätzlich zu einem negativen Test sind Handschuhe für alle Pflicht.
  • Dem nicht genug, wartet bald die nächste Sicherheitsschranke: Zuschauer müssen nämlich eine Fiebermessanlage durchschreiten. Wer erhöhte Temperatur hat, "darf das Stadion nicht betreten", so die Uefa.
  • Im gesamten Stadionbereich - also auch schon beim Anstellen - gilt Maskenpflicht, wobei hier ein normaler Mund-Nasen-Schutz reicht ("Face Mask"). Die Maske muss auch am Sitzplatz (also quasi im Freien) getragen werden, obwohl ohnedies zu allen Personen, mit denen man nicht angereist ist, ein Abstand von 1,5 Metern verpflichtend einzuhalten ist.
  • Extra geregelt (und zwar streng) ist auch das Verhalten beim Torjubel, wo "physischer Abstand" vorgeschrieben ist - "Umarmen, Händeschütteln und High-Fives" sind explizit untersagt. Lautes Schreien, Anfeuern oder Ärgern ist übrigens zulässig - zumindest nicht ausdrücklich verboten.
  • Ansonsten gilt: Die zugewiesenen Plätze dürfen während des Spiels nicht verlassen werden - idealerweise auch nicht in der Pause. Denn diese soll man am zugewiesenen Sitzplatz verbringen, wo man übrigens - und nur dort! - essen und trinken darf. Da Speisen und Getränke mitzubringen jedoch verboten ist, müsste man Verpflegung im Stadion kaufen. Beim Weg zu den Ständen (wie auch zu den Toiletten) wären dann Menschenaufläufe tunlichst zu vermeiden respektive die Distanzregeln einzuhalten, heißt es. Beim Verzehr darf dann der Mund-Nasen-Schutz übrigens kurz abgenommen werden.
  • Wer sich nicht an die Richtlinien hält, dem drohen laut Euro-Stadionordnung der "Stadionverweis und eine mögliche Meldung an die Polizei".

Mit Losglück zum EM-Spiel

Bleibt die große Frage, ob Fans, die ihre bezahlten Karten behalten haben (am Donnerstag endete die letzte Rückgabefrist), überhaupt ins jeweilige Land reisen dürfen respektive ihnen vorher Quarantäne droht. Hier stellt die Uefa auf der Homepage unmissverständlich klar: "Bitte denke an mögliche Einreisebeschränkungen und Vorgaben zum Zeitpunkt deiner Reise. Für Ticketbesitzer werden keine Ausnahmen gemacht."

Wer von all dem immer noch nicht abgeschreckt ist, braucht freilich auch noch Losglück, um live bei der EM dabei sein zu können: Da bis auf Budapest, wo man Vollauslastung versuchen will, alle Stadien nur eine 25- bis 50-prozentige Fan-Kapazität haben sollen, entscheidet das Los. Über den EM-Fan-(Alb)Traum.