Es war eine Kehrtwende im internationalen Fußball, wie sie nicht einmal in den kühnsten Aufholjagden der vergangenen Europacupjahre vorgekommen ist. Statt einer europäischen Super League, die zwölf Vereine aus England, Spanien und Italien noch am Sonntag großspurig und in Opposition zu Fifa, Uefa sowie sämtlichen Fanvertretern verkündet hatten, heißt es nun plötzlich: Zurück zu den Wurzeln.

Denn ausgerechnet die englische Liga, die es Investoren bisher recht einfach gemacht hat, den Fußball für ihre Interessen zu ge- respektive missbrauchen - wobei die Klubs zumindest finanziell auch reichlich davon profitiert hatten -, erwägt nun einen Paradigmenwechsel, der einer gewissen Ironie nicht entbehrt.

Denn wollte Deutschland jahrelang immer ein bisserl mehr England sein, will England nun ein bisserl mehr Deutschland werden. Sprich: Hochrangige Funktionäre und Politiker stellen plötzlich nach deutschem Vorbild eine Art 50+1-Regel in den Raum, wonach es, verkürzt gesagt, Investoren nicht erlaubt ist, die Mehrheit an Klubs zu halten - und damit alleine über Weh und Wohl der Vereine (und damit nicht selten der eigenen Kassa) zu entscheiden.

Man müsse den "Moment nützen, um die künftige Gesundheit des Spiels auf allen Ebenen zu sichern", schrieb Prinz William in seiner Funktion als Präsident des Verbandes, auf Twitter.

Unterstützung kommt von Sportminister Oliver Dowden, der betont, die ganze Angelegenheit zeige, "wie abgehoben diese Eigentümer sind".

Deutschland weicht Regel auf

Tatsächlich ist die Mehrheit der 20 Premier-League-Klubs in ausländischem Mehrheitsbesitz. Zum einen revoltieren die Fans in schöner Regelmäßigkeit dagegen, zum anderen profitiert die Liga davon, die dadurch - sowie durch die besten TV-Verträge und die Pionierrolle in der internationalen Vermarktung - zur mit Abstand umsatzstärksten im Weltfußball avancierte. Die deutsche Bundesliga indessen rangierte in dieser Wertung zuletzt nur an dritter Stelle - noch hinter Spanien.

Nicht zuletzt deshalb wurde die 50+1-Regel in Deutschland immer wieder aufgeweicht. Für die TSG Hoffenheim gab es zuletzt aufgrund des langjährigen Engagements von Dietmar Hopp ebenso Ausnahmen, wie sie schon länger für den VfL Wolfsburg und Leverkusen, quasi Töchter von Volkswagen beziehungsweise des Pharmariesen Bayer, bestehen.

Während sich die Emporkömmlinge aus Sinsheim und hier zuvorderst SAP-Gründer Hopp deshalb im Vorjahr teils wüsten Beschimpfungen gegnerischer Fans und Fußball-Traditionalisten gegenübersahen, stellten dem manche das Argument gegenüber, man solle die 50+1-Regel überhaupt kippen, um nicht weiter in Wettbewerbsnachteil gegenüber den englischen Großklubs zu geraten.

Ähnliche Regelung in Österreich

Nun wollen manche in England offenbar den umgekehrten Weg gehen. Einfach dürfte es aber nicht werden, Verhältnisse und gewachsene Kulturen so mir-nix-dir-nix wieder zu ändern. Da hat es Österreich schon leichter. Im Lizenzierungshandbuch heißt es: "Voraussetzung für den Erhalt der Spielgenehmigung ist (. . .), dass der Verein den Betrieb der Profimannschaft (. . .) in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat" - als Lizenzwerber (und Arbeitgeber der Spieler) tritt aber der Verein selbst auf. "Dieser muss beherrschenden Einfluss auf die Gesellschaft haben und über die Mehrheit der Stimmrechte an der Gesellschaft unmittelbar verfügen" - eine ähnliche, wenn auch juristisch nicht ganz dieselbe Regelung wie in Deutschland also.

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer erklärte am Donnerstag gegenüber sportsbusiness.at, es brauche hier aus seiner Sicht Anpassungen, das Thema sei jedenfalls auf der Agenda.


Links
Christian Ebenbauers ausführliche Stellungnahmen zum Thema 50+1-Regel in Österreich auf sportsbusiness.at
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Doch immerhin ein Problem hat Österreich nicht: In den Planungen zu einer möglichen Superliga in abgeänderter Form wird man wohl keine Rolle spielen. Eine solche Kehrtwende wäre dann doch noch einmal überraschender.