Einmal angeworfen, kommt so ein Karussell schnell einmal ins Laufen. Das kennt man nicht nur von Kirtag und Oktoberfest, sondern auch von Personalia im Fußball. Hansi Flick, Noch-Trainer des FC Bayern München, hat genau das getan, als er vor zehn Tagen erklärt hat, seinen Vertrag in München nach dem Ende dieser Saison auflösen zu wollen: das Trainerkarussell angeworfen. Am Dienstag verkündeten die Bayern nun seinen Nachfolger - es ist eine nicht unerwartete Entscheidung, dennoch eine nicht unbemerkenswerte. Julian Nagelsmann, erst 33 Jahre alt, kommt von RB Leipzig, er erhält einen Vertrag für fünf Jahre - und die Red-Bull-Dependance bis zu 30 Millionen Euro Ablöse.

Die beiden Vereine vereinbarten zwar darüber Stillschweigen, doch selbst wenn die kolportierte Summe etwas hochgegriffen erscheinen mag, ist doch davon auszugehen, dass der bisherige Rekord bei Trainerablösen deutlich überschritten wird. Bisher war die höchste im deutschen Fußball für einen Übungsleiter bezahlte Summe von 7,5 Millionen Euro, die Borussia Mönchengladbach die Dienste von Noch-Frankfurt-Coach Adi Hütter wert ist. Andre Villas-Boas wechselte vor zehn Jahren für rund zehn Millionen Euro vom FC Porto zu Chelsea (wo er allerdings nicht glücklich wurde).

Hansi Flick ist als DFB-Teamchef im Gespräch. - © afp / Christof Stache
Hansi Flick ist als DFB-Teamchef im Gespräch. - © afp / Christof Stache

Der Wechsel Nagelsmanns wird indessen weitere Folgen nach sich ziehen, die ebenfalls eine Österreich-Tangente haben: Salzburg-Trainer Jesse Marsch, der davor schon als Co-Trainer bei den Sachsen gearbeitet hat, gilt dort als logischer Nagelsmann-Nachfolger, während Hansi Flick Joachim Löw nach der EM als Teamchef beerben könnte.

Zieht es Jesse Marsch nun nach Leipzig? - © apa / Gert Eggenberger
Zieht es Jesse Marsch nun nach Leipzig? - © apa / Gert Eggenberger

Beide wollen diese Spekulationen nicht anheizen, ein Dementi klingt aber anders. Erst vor einigen Tagen sagte Marsch zu Sky: "Wenn ich die Möglichkeit als Trainer in Leipzig haben kann, dann ist es eine super Idee für mich." Flick bekundete zwar grundsätzliches Interesse an einer Arbeit beim DFB, sagte aber auch: "Meine Zukunft ist überhaupt nicht klar." Er brauche erst einige Zeit, um "alles zu verdauen. Die letzten Wochen waren nicht ganz easy."

Das darf seinem Nachfolger durchaus als Warnung dienen. Denn Flick hatte die Mechanismen, bei einem Klub wie den Bayern an vorderster Front zu stehen, nicht erst seit dem Champions-League-Aus am eigenen Leib zu spüren bekommen. Neben der ständigen Debatte um die Zukunft von David Alaba, dessen Wechsel zu Real Madrid trotz untrügerischer Indizien noch immer einer offiziellen Verkündung harrt, füllten die Differenzen mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic wochenlang den nicht gerade zimperlichen deutschen Boulevard.

Nagelsmann hat zwar in der Vergangenheit als Hoffenheim- und Leipzig-Coach bewiesen, dass er Druck trotz seiner Jugend gewachsen ist - aber eben noch nicht bei einem Klub, der einerseits beinahe in jedem Spiel zum Siegen verdammt ist, und in dem es andererseits vor Alphatieren nur so wimmelt. Dazu kommt, dass die sechs Titel, die Flick in der Vorsaison mit den Münchnern gewonnen hat - darunter jener in der Champions League - kaum zu toppen sind. Trotzdem kann es manchmal ganz schnell gehen. Schließlich ist der Fußball gewissermaßen auch ein Rummelplatz der Eitelkeiten.